14.04.2013

Hat sich das Mäzentum in Deutschland gelohnt?

Top oder Hopp

Der deutsche Fußball hat Bekanntschaft mit vielen Mäzenen gemacht. Bekommen ist es langfristig weder den Vereinen noch den Gönnern.

Text:
Michael Rosentritt
Bild:
Imago

Es ist nur so ein Gefühl. Aber sollte die TSG Hoffenheim, jener von Dietmar Hopp aufgepäppelte Verein aus Sinsheim, tatsächlich in die Zweite Liga absteigen, hielten sich Enttäuschung oder Trauer gar beim Rest der Bundesliga in Grenzen. Woran liegt das nur, oder trügt das Gefühl?

Es ist zwar so, dass das Geld den Fußball regiert. Aber Geld allein garantiert keinen Erfolg. Es muss schon kenntnisreich eingesetzt werden. Und nicht jeder, der in der Wirtschaft Erfolg hatte, muss diesen zwangsläufig auch im Fußball haben. Dietmar Hopp ist ein Beispiel dafür, und auch in den Bundesligastandorten Köln, Fürth oder Hamburg haben sie so ihre Erfahrungen gemacht.

Aber nirgendwo schillert der Einfluss des fußballfremden Kapitals so auffällig wie in Hoffenheim.

Die TSG 1899 Hoffenheim ist ein modernes Fußballunternehmen, finanziert einzig und allein aus der Kraft eines schwerreichen Mäzens. Als der Klub 2008 in der Bundesliga auftauchte und eine halbe Spielzeit lang wunderschönen Fußball spielte, spaltete dieses Modell das deutsche Fußballvolk. Während Traditionalisten neidisch auf die neuen Möglichkeiten des Emporkömmlings schauten, sprachen Franz Beckenbauer und der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger von einem Glücksfall für den deutschen Fußball. Tatsächlich pumpte Hopp provozierend viel frisches Kapital in das Fußballgeschäft. Für die einen war er einer, der sich Erfolg um jeden Preis erkaufen wollte. Andere schätzten seinen Idealismus, der seine Mittel ohne Eigennutz zur Verfügung stellte.

»Ich als Verein musste reagieren«

Der deutsche Fußball kennt Mäzene seit Gründung der Bundesliga. Einer der schillernsten war Hans Löring, der sich selbst Jean nannte und in den frühen Siebzigerjahren zum Patron Fortuna Kölns aufstieg. Unter Löring, inzwischen verstorben, war Fortuna 1973 in die Bundesliga gestürmt. Anschließend verbrachte der Klub 26 Jahre ununterbrochen in der Zweiten Liga. Löring war ein Alleinherrscher im klassischen Sinne, für jeden und alles im Verein zuständig. Und wenn der »Pate der Südstadt« mal wieder einen Trainer gefeuert hatte, sprang er nicht selten selbst als Trainer ein. Unvergessener Höhepunkt seiner bisweilen wilden Personalpolitik war, als er im Dezember 1999 beim Stand von 0:2 seiner Fortuna gegen Waldhof Mannheim in die Kabine gestürmt kam und Trainer Toni Schumacher kurzerhand entließ – in der Halbzeitpause wohlbemerkt. Hinterher soll er einem Journalisten den Grund für sein Eingreifen genannt haben: »Ich als Verein musste reagieren.«

Dietmar Hopp lebt seine Machtfülle nie so offen aus wie Löring. Das entspricht nicht seinem Naturell. Der 72-Jährige tritt öffentlich höflich und staatsmännisch auf. In seinen besten Momenten wirkt er wie ein Großvater, der seinen Enkeln beim Kicken zuschaut.

Bundesligafußball aber ist ein bisschen mehr als Kicken. Es ist ein Geschäft, das Weitblick, strategisches Denkvermögen und ein hohes Maß an fußballspezifischer Sachkenntnis erfordert. Von all dem war in Hoffenheim zuletzt wenig zu sehen. Vor kurzem wurden Trainer und Manager entlassen. Markus Gisdol, der Neue, ist bereits der vierte Trainer der laufenden Saison. In einem Interview hat Hopp gerade eben gesagt, die TSG Hoffenheim werde die Vereinspolitik nicht danach ausrichten, es allen recht zu machen. »Wir gehen selbstbewusst den Weg, den wir für richtig halten.«

Zu diesem Weg gehört neben glaubhaft versicherter Liebe zum ortansässigen Fußballverein sein gewaltiges Vermögen. Knapp eine Viertelmilliarde Euro hat Hopp nun schon in diesen Verein gesteckt. Sein Geld steckt im Stadionneubau, im Nachwuchszentrum, in aus der ganzen Welt zusammengekauften Spielern. Allein von 2007 bis 2009, rund um die viel besungene Herbstmeisterschaft 2008 – erwirtschaftete Hoffenheim ein Minus von 65 Millionen Euro. Auch in den Folgejahren konnten die millionenschweren Verkäufe von Spielern wie Carlos Eduardo und Luiz Gustavo die großen Verluste gerade mal halbieren. Dabei war Hopp mal angetreten mit der Zielsetzung, in diesem Jahr, spätestens aber in 2014 schwarze Zahlen zu schreiben. In diesen Tagen aber droht erst einmal die Gefahr eines Abstiegs in die Zweite Liga, und die ist für gewöhnlich ein Millionengrab.

Natürlich ist es nicht verboten, ordentlich erwirtschaftetes Privatvermögen in den Fußball zu stecken. Aber man muss es eben auch nicht zwangsläufig toll finden. Hopp hat sich neben vielen anderen Wohltätigkeiten auch seiner alten Jugendliebe erinnert und sich mithin auf jene Plattform begeben, die die meiste Aufmerksamkeit mit sich bringt. Sein mächtiges finanzielles Engagement in Krankenhäusern, Schulen und Stiftungen bringt ihm seit Jahren Respekt und Dankbarkeit ein. Im Fußball gibt es im besten Fall Neid, sonst Häme.

Der, der die Band bezahlt, bestimmt die Musik

Hopp hat die TSG Hoffenheim aus der Kreisliga aufgebaut, also aus dem Nichts. Dietmar Hopp betont oft und gern, dass er sich in das operative Geschäft nicht einmischt. Aber trotz aller gegenteiligen Behauptungen ist es immer noch so, dass der, der die Band bezahlt, auch die Musik bestimmt. Davor schützt auch keine 50+1-Regel, die es Investoren im deutschen Fußball verbietet, mehrheitlich einen Verein zu übernehmen. Oft genug sind es die Mitarbeiter, die Loyalität gegenüber ihrem Chef falsch auslegen und im vorauseilenden Gehorsam im Sinne des Alten wirken. Ohne dass dieser es angeordnet hätte.

Nie würde der gelernte Informatiker auf die Idee kommen, für die Biotech-Branche, die er alljährlich mit Millionenbeiträgen stützt, Geräte anzuschaffen, über deren Wirkung der Schatten des Zweifels liegt. Im Bereich Medizin lässt er sich nach eigener Aussage von Professoren als Gutachter beraten, bevor Geld fließt. Und im Fußball? Niemand weiß genau, welche Einflüsterer welchen Einfluss ausüben. Es sind wohl auch Spielerberater darunter, und denen liegt zuerst an ihrem eigenen Wohl und dann an Hoffenheim, wenn überhaupt.

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