29.10.2012

Hat ein Schiedsrichter Chelseas Spieler rassistisch beleidigt?

Die Clattenburg-Affäre

Gerade erst schien die Premier League den Rassismus-Skandal um John Terry und Anton Ferdinand verdaut zu haben, da kündigt sich der nächste an: Schiedsrichter Mark Clattenburg soll zwei Chelsea-Spieler rassistisch beleidigt haben. Lüge oder Wahrheit? Beide Fälle zeigen ein erschreckendes Bild des englischen Fußballs.

Text:
Titus Chalk
Bild:
Imago

Kürzlich schon hatten sich Patrice Evra und Luiz Suarez versöhnlich gezeigt. Beim Spiel Manchester United gegen den FC Liverpool reichten sie sich die Hand. Am Sonntag, vor der Partie Chelsea gegen ManUnited, schüttelte auch Rio Ferdinand die Hand von Terry-Kumpel Ashley Cole, während John Terry auf der Tribüne seine Sperre absaß. Es sah aus wie ein Neuanfang. So, als wollten die Protagonisten endlich einen Schlussstrich unter die Affäre ziehen, die die Premier League über ein Jahr in Atem gehalten hatte.

Wie ein inszenierter Streit

Zur Erinnerung: Luiz Suarez hatte im Oktober 2011 Patrice Evra beleidigt, wenig später wurden John Terrys rassistische Entgleisungen gegenüber Anton Ferdinand publik. Es folgten: Trainer-Entlassungen, Gerichtsverhandlungen, verpasste Versöhnungen, Twitter-Kämpfe und eine Litanei von Behauptungen und Gegenbehauptungen. Es gab Zeiten, da wirkte all das mehr wie ein großer inszenierter Streit als eine echte und authentische Debatte. Manchmal hatte man gar das Gefühl, die Spieler glaubten, die Debatte würde das Schicksal derer verbessern, die jedes Wochenende mit Diskriminierungen zu kämpfen haben.

Als der Schiedsrichter die Partie zwischen dem FC Chelsea und Manchester United am Sonntagabend anpfiff, war das endlich vorbei: Zeit für Fußball. Zeit für das beste Spiel, das die Premier League zu bieten hat. Der FC Chelsea und Manchester United haben sich sieben der letzten acht Meisterschaften geteilt. Für eine aufgeheizte Stimmung war also gesorgt.

Zwei Platzverweise und ein Abseitstor

Das Spiel explodierte förmlich. David Luiz und Robin van Persie brachten United nach zwölf Minuten mit 2:0 in Führung. Chelsea kam allerdings phänomenal zurück und glich in der 53. Minute durch Ramires zum 2:2 aus. Doch weder taktische Kniffe noch eine spielerische Finesse entschieden das Spiel – es war Schiedsrichter Mark Clattenburg. In der 63. Minute stellte der Unparteiische Chelseas Verteidiger Branislav Ivanovic nach einer Notbremse gegen Ashley Young vom Platz. Über die Rote Karte gab es keine Diskussion.

Das Unheil begann wenige Minuten später. Zunächst lief Fernando Torres auf das gegnerische Tor zu. Kurz vor dem Strafraum wurde er von Johnny Evans zu Fall gebracht. Clattenburg zog eine Gelbe Karte – jedoch nicht für Evans, wie die Zuschauer annehmen konnten, sondern für Torres, der angeblich eine Schwalbe fabriziert hatte. Es war seine zweite Gelbe Karte. Besonders ärgerlich: Torres sollte kurz vor dieser Szene ausgewechselt werden, doch Clattenburg hatte die Signale von der Seitenlinie ignoriert und ManUnited einen schnellen Einwurf ausführen lassen.

Mit neun Spielern waren weitere Gegentore eigentlich nur eine Frage der Zeit. Doch es fiel nur noch eines: Das von Javier Hernandez zum 2:3 in der 75. Minute aus klarer Abseitsposition.

 
 
 
 
 
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