Hat der FCK illegale Beihilfen kassiert?

Teufels-Pakt

Der 1. FC Kaiserslautern soll illegale Beihilfen in Höhe von rund 100 Millionen Euro erhalten haben. Verein und Stadt wehren sich, gestehen aber erstmals öffentlich ein, dass Verluste in der 2. Liga völlig normal seien.

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Die Vorwürfe kommen zur Unzeit. Nach wie vor befinden sich die »Roten Teufel« - zumindest theoretisch - im Aufstiegsrennen. Zudem ist der Verein auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor, einem Ausrüster und einem Vermarkter. »Ganz nebenbei« prüft die DFL im Moment die Lizenzierungsanträge der Vereine. Da passt es ganz und gar nicht, wenn der rheinland-pfälzische Steuerzahlerbund öffentlichkeitswirksam behauptet, in den vergangenen Jahren seien rund 100 Millionen Euro an indirekten staatlichen Beihilfen an den Verein geflossen. Geschäftsführer René Quante spricht von unwirtschaftlichen Pachtverträgen und einer großzügigen Stundung offener Forderungen.

Helmut Kohl ruft nicht mehr an

Die Zeiten, als FCK-Ehrenmitglied Helmut Kohl (CDU) und FCK-Ehrenringträger Kurt Beck (SPD) in ihren Eigenschaften als Kanzler und Ministerpräsident solche Störfeuer mit ein paar dezenten Telefonaten aus der Welt geschafft haben, sind längst vorbei. Die neue Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wurde bislang noch nicht mit einem Fan-Schal gesichtet. Das von ihrem Vorgänger angerichtete Debakel um den Nürburgring lässt sie wohl dauerhaft einen weiten Bogen um subventionierte Sportstätten ziehen.

Die Suppe auf dem Betzenberg müssen deshalb andere auslöffeln: FCK-Vorstandschef Stefan Kuntz, Lauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD), ein Stadtrat, der im Mai neu gewählt wird und eine Stadiongesellschaft, die als Tochter der Stadt eine Stadionmiete verwaltet, die lediglich die Zinslast deckt. Und das seit nunmehr über zehn Jahren. In einer Stadt, die selbst 900 Millionen Euro Schulden aufgetürmt hat und damit zu den Armenhäusern der Republik zählt.

Rückblende: 2003 stand der FCK kurz vor der Pleite. Die Stadt kaufte dem Klub das Stadion ab, baute es für die WM 2006 aus und verpachtet seitdem die Arena an den Verein. Die Miete beträgt 3,2 Millionen Euro, unabhängig davon, ob der FCK in der ersten oder zweiten Liga spielt. Vor allem im Unterhaus stellt die Pacht eine Hypothek dar, die vom Verein so gut wie nie zu stemmen war.

»Betriebswirtschaftlich gesehen stinkt die ganze Sache zum Himmel«

Mietminderungen in Höhe von 5,3 Millionen Euro wurden gegen Besserungsscheine gewährt, dem Versprechen also, die Schulden in wirtschaftlich besseren Zeiten zurückzuzahlen. 1,5 Millionen Euro wurden davon mittlerweile getilgt, der größere Teil mit Investitionen ins Stadion verrechnet. Der Steuerzahlerbund will nun wissen, um welche Investitionen es sich genau handelte. »Betriebswirtschaftlich gesehen stinkt die ganze Sache zum Himmel«, so Quante. Und weiter: »Der FCK ist ein Subventionsfass ohne Boden.«

Wie absurd das Modell der Besserungsscheine ist, zeigt ein Beispiel aus dem Mai 2011. Nachdem bekannt wurde, dass der FC Schalke 04 Interesse an FCK-Keeper Kevin Trapp bekundete – als Ablöse kursierten Summen zwischen fünf und sieben Millionen Euro – winkte FCK-Boss Kuntz gönnerhaft ab. Später entschuldigte er sich für den Verzicht auf den Geldsegen aus Gelsenkirchen damit, dass die Stadt sofort die Besserungsscheine gezogen und der FCK nichts von dem Geld gesehen hätte. Ein Jahr später wechselte Trapp für 1,5 Millionen Euro nach Frankfurt.

Der neue Mietvertrag liegt auf Eis

Ein neues Pachtmodell, vor wenigen Tagen im Stadtrat verabschiedet, soll dem Verein nun mehr »Planungssicherheit und finanziellen Spielraum geben«, wie es Stefan Kuntz ausdrückt. Es sieht eine Staffelmiete von 2,4 Millionen in der zweiten und 3,6 Millionen Euro in der ersten Liga vor, erfolgsabhängige Komponenten könnten die Pacht erhöhen. Was daran undurchsichtig sein soll, kann sich Erwin Saile, Geschäftsführer der Stadiongesellschaft, überhaupt nicht erklären: »Es handelt sich um einen Vertrag, von dem die Stadiongesellschaft wie auch der FCK profitieren.« Von einer finanziellen Bevorzugung des FCK könne keine Rede sein. Differenzierungen zwischen erster und zweiter Liga seien schließlich auch in anderen Städten üblich, so Saile.

Doch der neue Mietvertrag liegt erst einmal auf Eis. Die Stadt hat eine Prüfung in Auftrag gegeben, nachdem die Aufsichtsbehörde ADD intervenierte. Ohnehin werden die neuen Verträge erst dann abgeschlossen, so Erwin Saile, »wenn diese nach den Kriterien des EU-Beihilferechts geprüft wurden und ein belastbares Ergebnis vorliegt«. Für den Verein angeblich kein Problem. Die rechtliche Prüfung habe man, so Kuntz, der DFL im Lizenzantrag mitgeteilt.

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