Hat der Bundestrainer an den richtigen Schrauben gedreht?

Löws Titelmelodie

Der Bundestrainer hat umgebaut. Mit dem neuen 4-3-3-System hat er der Nationalelf ein frisches taktisches Korsett verpasst. Ist die neue Stabilität der Schlüssel zum WM-Sieg?

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Der Bundestrainer schlenderte entlang der malerischen wie kraftvollen Kante zum südatlantischen Ozean. Ihm blies ein frischer Wind durch die Haare. Der Tag nach dem famosen Auftaktsieg war noch jung, als Joachim Löw mal ein paar Schritte vor das Campo Bahia gesetzt hatte, um seinen Gedanken etwas Auslauf zu verschaffen. Er wirkte vergnüglich, ganz bei sich und doch schon wieder bei der Arbeit. Samstag wartet Ghana, eine Mannschaft, die nach ihrer Niederlage nun mit aller Wucht einen Sieg braucht.

Diese Nöte hat der Bundestrainer erst einmal hinter sich gelassen. Nach dem 4:0 gegen Portugal darf der 54-Jährige für sich in Anspruch nehmen, ziemlich viel richtig gemacht zu haben. Es war ja nicht so, dass hierin eine logische Konsequenz läge. Im Gegenteil: Seit der doch sehr persönlichen Niederlage im EM-Halbfinale vor zwei Jahren musste auch Löw erst wieder um WM-Form ringen. Und auch die Vorbereitung auf die Endrunde verlief alles andere als störungsfrei. Einige Spieler konnten nur bedingt trainieren, es gab einige Zwischenfälle und Vorfälle außerhalb des Trainingsplatzes zu überwinden, und auch die letzten beiden Testspiele verliefen nur suboptimal.

Ein frisches taktisches Korsett

Doch Löw hat die von Kritik und Zweifel begleiteten Tage und Wochen weggeschluckt und aus Frage- Ausrufezeichen gemacht. Gemessen an seinem an Sturheit grenzenden Beharrungswillen der vergangenen vier Jahre hat er nun förmlich wild gewütet. Er hat der Mannschaft ein frisches taktisches Korsett verpasst und auch sein Personal den neuen Erfordernissen angepasst. Irgendwie hat er den ganzen Laden reanimiert.

Die Mannschaft wirkt im neuen 4-3-3-Sysem ausbalanciert. Dieses System inklusive der personellen Bestückung erwies sich für das Auftaktmatch als vorzüglich. Da es sich um ein recht flexibles Gebilde handelt, könnte es als Grundmelodie durchs Turnier tragen. Wie weit, wird sich vermutlich erst in den K.-o.-Spielen zeigen, wenn es richtig happig wird.

Keine andere Option als Sieg

»Das war für uns ein sehr guter Auftakt«, sagte Löw und verriet im Tonfall größter Selbstverständlichkeit: »Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass es für uns keine andere Option gibt, als zu gewinnen.«

Wie ein Rollkommando war die deutsche Elf über Portugal hergefallen. Die Mannschaft wirkte nicht nur fußballerisch auf der Höhe, sondern war auch physisch auf dem Punkt fit. Insofern dürfte auch die Nichtberücksichtigung von Miroslav Klose, 36, und Bastian Schweinsteiger, 29, zu verstehen sein. Löw hat sich erst einmal gegen Erfahrung und Verdienst und für Ehrgeiz und Belastbarkeit entschieden.

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