Hat Cristiano Ronaldo nur einen einzigen Trick drauf?

Wenn die Blätter vom Himmel fallen

In England verspotteten sie Cristiano Ronaldo einst. Inzwischen verfügt er über Finten und einer Freistoßtechnik wie kein anderer Fußballer auf der Welt.

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Einen Trick. Übersteiger, Ball vorlegen und hinterher. Einen einzigen, verdammten Trick. Mehr hat dieser Typ nicht drauf, spotteten sie in England. Und verpassten Cristiano Ronaldo den Spitznamen »One Trick Pony«.

Der Verspottete nahm sich das zu Herzen. Und trainierte. Trainierte hart. Trainierte noch härter. Übte Finten. Übte Schusstechniken. Übte Freistöße. Er habe in seinen knapp drei Jahrzehnten als Trainer von United nie einen Spieler gesehen, der verbissener und selbstloser an sich gearbeitet hätte, schrieb Alex Ferguson jüngst in seiner Biographie.    

Mittlerweile würde niemand mehr auf die Idee kommen, Cristiano Ronaldo als einen Typen zu bezeichnen, der nur »one Trick« zeigen kann. Nicht die Gegenspieler und schon gar nicht die Torhüter, denen auch in Brasilien wieder schaudern wird, wenn sich Ronaldo den Ball zurecht legt beim Freistoß. Die Beine gespreizt, die Arme leicht vom Körper abstehend, so wird er dastehen. Weil er immer so dasteht. Wie ein Westernheld. Zieh!

Das Lied vom perfekten Freistoß

Spiel mir das Lied vom Freistoß, scheinen seine Mannschaftskollegen dann zu sagen. Und Ronaldo? Der spielt nicht. Er schießt. Schießt das Lied vom Freistoß. Vom perfekten Freistoß.

Mit den Jahren hat der amtierende Weltfußballer seine Schusstechnik derart verfeinert, dass es im Fußball derzeit wohl keinen gefährlicheren Schützen gibt. Bundestrainer Joachim Löw weist seine Spieler seit jeher darauf hin, in Tornähe keine unnötigen Fouls zu begehen. Heute, im ersten Spiel der Gruppe G gegen Portugal, gilt diese Vorgabe besonders. Zu oft hat  Ronaldo aus ruhenden Situationen getroffen. Noch nicht gegen Deutschland. Aber das ist vielleicht nur eine Frage der Zeit.

»Folha seca« nennen sie seine Schusstechnik in Portugal, das trockene Blatt. Weil der Ball nach Ronaldos Freistößen vom Himmel fällt wie ein trockenes Blatt, nachdem er zuerst wie ein Flugzeug empor geschnellt ist.

Der Ort, an dem Ronaldo das »Folha seca« kreiert hat, heißt »Ciudad Real Madrid«. Im Trainingszentrum seines Klubs übt der 29 Jahre alte Angreifer nach jeder Trainingseinheit Freistöße. Die Kollegen sind meist längst unter der Dusche oder in ihren Nobelkarossen nach Hause gefahren, wenn Ronaldo nimmermüde trockene Blätter vom meist blauen Himmel in Madrid fallen lässt.

Ronaldo-Freistoß-Anleitungen im Internet

Wer schießen will wie Cristiano Ronaldo, kann sich im Internet unzählige Videos und Anleitungen ansehen und wird es am Ende doch nicht schaffen. Freistöße sind im 21. Jahrhundert zu einer eigenen Wissenschaft geworden, die vor allem tägliche Übung erfordert. Ronaldo tritt den Ball nicht mit dem höchstmöglichen Kraftaufwand, dafür aber möglichst genau. Mit dem unteren Ende des Spanns erwischt er ihn im Idealfall knapp unterhalb der Mitte. Präzisionsarbeit.

Ziel ist es, dass der Ball in der Luft möglichst nicht rotiert. Rotierende Bälle sind für den Torwart leichter zu berechnen, weil sie eine stabilere Flugkurve erlangen. Nicht rotierende Bälle können im Bruchteil einer Sekunde die Flugbahn verändern, zur Seite schnellen oder eben plötzlich vom Himmel fallen. Deshalb bleibt den Torhütern bei Ronaldos Schüssen oft nur die Möglichkeit der Faustabwehr, sofern der Ball nicht schon im Tor liegt.

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