Hans-Peter Briegel über seine Athletik

»Bei Kontern sah ich gut aus«

Hans-Peter Briegel, die »Walz von der Pfalz«, war erst Leichtathlet, bevor er sich endgültig für den Fußball entschied. Heute wird er 55 Jahre alt. Da gratulieren wir doch fleißig. Einst sprachen wir sogar mit ihm. Lest und gratuliert. Hans-Peter Briegel über seine Athletik Herr Briegel, können Sie sich noch an Ihre Bestleistung in einem Zehnkampf erinnern?

Ach je. Meine Leichtathletik-Zeiten liegen schon fast 40 Jahre zurück. Außerdem war ich nie ein richtiger Zehnkämpfer. Komisch, dass das alle denken. Das wurde immer aufgebauscht. Vielleicht hört es sich einfach besser an, wenn ein Fußballer früher Zehnkämpfer war. 

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Also haben Sie gar keinen Zehnkampf bestritten?


Doch, doch. Aber in meinem ganzen Leben lediglich zwei. Und erfolgreich war ich dabei überhaupt nicht.

In welchen Disziplinen lagen denn dann Ihre Stärken?

Ich bin deutscher Jugendmeister im Weitsprung und im Dreisprung geworden. Aber ich habe mit 17 Jahren schon mit der Leichtathletik aufgehört.

Danach haben Sie erst mit dem Fußball begonnen. Viele würden sagen, viel zu spät für eine Profikarriere. 


Würde ich nicht sagen. Manchmal ist es sogar besser, wenn man erst nur auf dem Bolzplatz steht, als wenn man einmal die Woche im Verein gespielt hat. Ich habe ja vorher immer schon abseits der Leichtathletik nebenbei gekickt. Und hatte immer viel Spaß dabei.

Warum sind Sie als Kind lieber weit gesprungen, als einem Ball hinterherzurennen?

Damals war es bei uns ein wenig verpönt, Fußball zu spielen. Da hieß es, man würde sich die Füße und die Knochen kaputt treten. Deshalb haben meine Eltern entschieden, mich nicht in einen Fußballverein zu stecken. In meiner Freizeit habe ich es natürlich trotzdem gemacht (lacht).

Wie haben Ihre Mitspieler damals auf den früheren Leichtathleten Briegel reagiert? 

Die waren heilfroh, dass ich neu dabei war, schließlich stellte ich mich ja schnell als der Beste heraus (lacht). Da gab es keinen Neid und keine bösen Frotzeleien. Schließlich kannten sie mich ja auch: Wir lebten in einem Ort von nur 2000 Leuten. 

Was haben Ihnen die Erfahrungen aus der Leichtathletik für den Fußball gebracht?


Ich habe von meiner Sprungkraft und meiner Schnelligkeit profitiert. Das waren schon immer meine Stärken und die habe ich in der Jugend noch weiter gefördert. Im Kopfballspiel war ich den anderen deshalb oft überlegen. Und vielen auch bei der Schnelligkeit, so dass ich bei Kontern gut aussah. 

Konnten Sie Ihren Kollegen ein paar dieser Fähigkeiten vermitteln?

So etwas ist schwer. Ich denke, dass im Sport 90 Prozent einer Leistung ohnehin auf Talent zurückfallen und nur zehn Prozent erlernbar ist. Höchstens zehn Prozent.

Und wie viel Prozent Leichathletik hat Sie als Fußballer ausgemacht?

Zusammenbringen kann ich das nur schwer. Leichtathletik und Fußball lassen sich schwer miteinander verbinden. Das ist wie Birne und Apfel.

Warum? 


Die Trainingseinheiten sind vollkommen anders. Im Fußball wird auf ganz andere Dinge Wert gelegt als in der Leichtathletik. Man hat zum Beispiel gar nicht die Zeit, eine Sache wie Schnelligkeit ausführlich zu trainieren. Um seine Schnelligkeit nur minimal zu verbessern, ist ein enormer Aufwand nötig. Da geht es darum, Feinheiten rauszukitzeln. Im Fußball braucht man das nicht so sehr. Da kannst du nicht sechs Übungseinheiten auf Schnelligkeitstraining verwenden – das würde nicht funktionieren. Fußball ist einfach zu komplex.

Sie denken, dass man es als Leichtathlet einfacher hat?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Weitspringer richtig hart trainiert. Der wird natürlich Krafttraining machen und auch an seiner Technik feilen. Da geht es um viel spezifischere Sachen als im Fußball, wo man Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer braucht. Alles zusammen. 

All diese Dinge braucht ein Leichtathlet doch aber auch. 

Als 1500-Meter-Läufer brauche ich Schnelligkeitsausdauer, klar. Aber als Weitspringer oder 100-Meter-Läufer brauche ich keine Ausdauer. Und ein Zehnkampf über zwei Tage ist etwas anderes als ein Fußballspiel über zwei Mal 45 Minuten. 

Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass das Fußballspiel deutlich schneller geworden ist. Auch die zurückgelegten Wege in einer Partie sind demnach viel größer geworden.

In der Leichathletik kann man Ergebnisse greifen, da gibt es Messungen und Rekorde. Im Fußball reduziert sich dagegen alles auf Sieg, Niederlage oder Unentschieden. 

Warum setzen die meisten Fußballklubs trotzdem immer mehr auf Fitness- und Athletiktrainer?

Was dabei aber wichtig ist: Auf die richtige Mischung kommt es an. Wenn mehr Trainer auf dem Platz stehen als Spieler, dann wird es problematisch. Ich bin der Meinung, dass sich in puncto Athletik in den vergangenen Jahren nicht so viel geändert hat, wie es immer dargestellt wird. In der Nationalmannschaft machten schon zu meiner Zeit überaus athletische Spieler mit. Ich würde jedenfalls nicht darauf wetten, wie ein Spiel der damaligen Nationalelf gegen die heutige ausgehen würde.

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