Hans Meyer über seine Rückkehr nach Gladbach

»Ich will nicht klugscheißern«

Zweimal war Hans Meyer Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Aus dem wohlverdienten Ruhestand kehrt er nun zurück und wird Mitglied des Präsidiums. Muss sein Hund Aldo allein spazieren gehen? Müssen wir unsere Kolumne selbst schreiben? Wir sprachen mit Meyer. Hans Meyer über seine Rückkehr nach Gladbach

Hans Meyer, muss ich Sie jetzt mit »Herr Vize-Präsident« ansprechen?

Hans Meyer: Nein, das wäre mir viel zu hochtrabend. Und auch in der Sache wäre es falsch: Borussia Mönchengladbach hat mit Rolf Königs einen Präsidenten und mit Rainer Bonhof und Siegfried Söllner zwei Vize-Präsidenten, ich bin lediglich Mitglied des Präsidiums.

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Wie kam der Kontakt zur Borussia zustande?

Hans Meyer: Er ist nie abgerissen, seit ich 2009 mein Traineramt niedergelegt habe. Vor einiger Zeit wurde mir schon einmal das Angebot unterbreitet, Präsidiumsmitglied zu werden. Damals wollte ich aber noch nach all den Jahren im Geschäft zunächst einmal mein Leben ordnen. Nun haben wir drei, vier Mal zu Gesprächen zusammen gesessen, und schließlich hat es geklappt.

Fanden diese Unterredungen vor oder nach dem Klassenerhalt statt?

Hans Meyer: Davor. Selbst ein Abstieg hätte an dem Bild, das ich von diesem Verein habe, und an meiner Entscheidung nichts geändert.

Sie sprachen in Ihrer 11FREUNDE-Kolumne so anschaulich von Ihrem erholsamen Rentnerleben. Mit Verlaub: Warum tun Sie sich das noch mal an?

Hans Meyer: Wieso noch mal? Ich war doch noch nie in einer solchen Funktion. Auch wenn ich den zeitlichen und inhaltlichen Aufwand noch nicht abschließend beurteilen kann, glaube ich nicht an eine Überforderung. Ich werde jetzt jedenfalls nicht anfangen, durch die Welt zu jetten und im Sekundentakt Faxe zu verschicken. Nein, mein Leben wird im Großen und Ganzen so bleiben, wie es in den letzten beiden Jahren war.

Muss Ihr guter, alter Hund Aldo also keine Angst haben, dass Sie nicht mehr mit ihm spazieren gehen können?

Hans Meyer: Nein, ich habe bereits mit ihm gesprochen und ihm zugesichert, dass unsere enge Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Er wird mich auch zu der einen oder anderen Präsidiumssitzung begleiten, als Unterstützung bei hitzigen Diskussionen.

Als Sie Gladbach 2009 verließen, wirkten Sie erschöpft vom medialen Dauerfeuer. Werden Sie sich dem als Präsidiumsmitglied denn entziehen können?

Hans Meyer: Erschöpft war ich vielmehr von einer komplizierten, dramatischen Aufgabe, nicht von den Medien. Aber wenn Sie schon so fragen: Welches Präsidiumsmitglied aus der dritten oder vierten Reihe in irgendeinem Fußballklub steht denn im Blickpunkt der Öffentlichkeit? Kennen Sie die Präsidiumsmitglieder des HSV oder von Hertha?

Da muss ich passen.

Hans Meyer: Sehen Sie! Und so wird es auch beim Gladbacher Präsidiumsmitglied Hans Meyer sein. Ich werde in der täglichen Arbeit ganz zwangsläufig wenig in Erscheinung treten.

Ihr Name hat aber im Gegensatz zu den Hamburger und Berliner Amtskollegen eine gewissen Klang.

Hans Meyer: Mag sein, aber die Borussia hat mit Lucien Favre und Max Eberl eine hochkompetente sportliche Leitung, die ihr Konzept selbständig nach außen trägt. Da muss und will ich nicht klugscheißern.

Präsident Königs freut sich auf Ihre »sportliche Kompetenz«. Werden Sie sich denn auch mit BWL und Rechnungswesen beschäftigen?

Hans Meyer: Nein, was mich bislang nur am Rande interessiert hat, wird mich auch in Zukunft kaum reizen. Jeder bringt sich mit dem ein, was er kann.

Wo genau liegen denn Ihre Aufgaben?

Hans Meyer: In den Diskussionen zu fußballtheoretischen und -praktischen Problemen. Da soll der Verein von meiner 38-jährigen Tätigkeit im Hochleistungsfußball profitieren. Zusammen mit Rainer Bonhof werde ich den Frontkämpfern Lucien Favre und Max Eberl den Rücken freihalten und darüberhinaus bei Transfers mit meinen Erfahrungen und Beziehungen die Prozesse unterstützen.

Hans Meyer, der Ein-Mann-Ältestenrat?

Hans Meyer: Nein, nein. Rund um den Bökelberg gibt es bedeutend weisere Männer als mich. Und außerdem wird mir immer wieder gesagt, dass ich viel jünger aussehe, als ich bin. Oder wollen Sie das etwa in Frage stellen?

Niemals! Ein sehr jung ausehender und dazu noch namhafter Kollege im Präsidium – das ist nicht eben das, was ein Trainer sich wünscht. Können Sie Lucien Favre beruhigen?

Hans Meyer: Das muss ich nicht tun. Er ist erwiesenermaßen ein guter, erfahrener Trainer und kann sich meiner Loyalität sicher sein. Ein Klub ist immer gut beraten, den Trainer und auch den Manager zu stärken und zu unterstützen – im Interesse des Ziels der gemeinsame Anstrengungen.

Halten Sie es also für ausgeschlossen, dass Sie doch noch mal auf die Trainerbank hinabsteigen, so wie einst Franz Beckenbauer beim FC Bayern?

Hans Meyer: Eine kurze und für Sie sicherlich wahnsinnig enttäuschende Antwort: Ja, das halte ich für ausgeschlossen.

Kann der hochemotionale Klassenerhalt, der erst in der Relegation gegen Bochum erkämpft wurde, einen Leistungsschub für die nächste Saison bedeuten?

Hans Meyer: So schön dieses Gefühl auch gewesen sein mag, erhoffe ich mir für die Zukunft doch, dass wir etwas eher aufatmen können. Eine solide Saison, wie sie die Fans im Jahr 2009/10 mit Michael Frontzeck erlebt haben, sollte Basis sein für eine kontinuierlich Vorwärtsentwicklung. Mit etwas mehr Glück bzw. weniger Verletzungspech, beharrlicher Arbeit und der Unterstützung des großen Anhangs unserer Borussia sollte das realistisch sein.

Und was sind die langfristigen Ziele?

Hans Meyer: Ich bin froh, dass Sie so neutral fragen und mir nicht mit dem Vergleich zur Fohlenelf der Siebziger kommen. Diese – für die Fans natürlich statthaften – Träume haben in der Vergangenheit nämlich mehr geschadet als geholfen. Borussia Mönchengladbach hat unter dem aktuellen Präsidium einen Riesenschuldenberg abgebaut, der Verein ist mittlerweile wirtschaftlich kerngesund. Der nächste Schritt, der Aufbau einer Mannschaft mit stabilen Leistungen über einen längeren Zeitraum hinweg, scheint doch noch mal deutlich schwieriger zu sein, als die Entschuldung es war. Das mussten alle Verantwortlichen, trotz hoffnungsvoller Kaderentscheidungen, in den letzten Jahren wiederholt feststellen.

Mit ihrem Amtsantritt bei der Borussia sind Sie nun nicht mehr neutral. Haben Sie keine Angst, dass Ihr Image als Helmut Schmidt des Fußballs nun leiden könnte?

Hans Meyer: Ein-Mann-Ältestenrat, Helmut Schmidt des Fußballs – Sie mit ihren plakativen Formeln! Sie sollten bei einer Boulevard-Zeitung anheuern, junger Mann, nicht bei einem seriösen Magazin wie 11FREUNDE. Ich sehe schon: Ich muss als Kolumnist weiter darüber wachen, dass Ihr vernünftig berichtet. Die Erlaubnis habe ich mir bei meinen Verhandlungen mit der Borussia schon geholt. Einzige Bedingung: Ich muss die astronomischen Phantasie-Honorare, die ihr mir zahlt, offenlegen.

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