Hans Meyer über den Trainer der Saison

»Auch als Mensch total okay«

Für uns ist Jürgen Klopp der Trainer des Jahres: Fachlich stimmig, menschlich total okay und an Rückschlägen gereift. Am Freitag wird er auf der 11FREUNDE Meisterfeier geehert. Laudator Hans Meyer über einen Coach, dessen mustergültige Karriere noch viel verspricht.

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Es war bereits phantastisch, als Jürgen Klopp in der vorletzten Saison die Deutsche Meisterschaft mit Borussia Dortmund aus der Außenseiterposition gewonnen hat. Doch was ihm in der vergangenen Spielzeit gelungen ist, stellt für mich noch eine beeindruckende Steigerung dar. Es adelt ihn, dass er den Titel nicht nur verteidigt hat, sondern dass dieser Erfolg auch noch völlig verdient war. Als Trainer weiß ich schon lange, dass man mitunter auch von glücklichen Zufällen begünstigt sein kann, doch hier haben sie keine Rolle gespielt. Denn seine Mannschaft hat mit dem FC Bayern den größten Rivalen in dieser Saison dreimal besiegt, darunter im Pokalfinale auf beeindruckende Art und Weise.

Eine mustergültige Trainerkarriere

Für mich ist das historische Double von Borussia Dortmund zugleich der bisherige Höhepunkt einer mustergültigen Trainerkarriere. Dass Jürgen Klopp ein im positiven Sinne Fußballverrückter ist, konnte man von Beginn an merken. Bereits bei Mainz 05 hat er ein System spielen lassen, das auf Aktivität und Spielbestimmung hinausgelaufen ist. Schon dort konnte man sehen, was für ein guter Methodiker er ist, denn die Spielweise seiner Mannschaft entsprang systematischer Arbeit. Zudem hat Jürgen immer gewusst, dass man als Fußballtrainer bei der Mannschaftsführung zwar absolut die Hauptrolle spielen, aber auch Aufgaben an sein Trainerteam delegieren können muss. Dazu kommen sein Durchsetzungsvermögen, seine große Ausstrahlung und Persönlichkeit. Ich kann mir gut vorstellen, wie junge Spieler an seinen Lippen hängen und unter seinem Einfluss selbst bei allen Anfechtungen durch ihre Popularität weiterhin coachbar bleiben.

Jürgen Klopp hat die Chance eines soliden Karriereaufbaus so gut genutzt wie wenige Kollegen vor ihm. Geholfen haben ihm bestimmt auch die Rückschläge der beiden in Mainz tragisch knapp verpassten Aufstiege. Denn zum Trainerberuf gehört es auch, mal so richtig eine auf die Schnauze zu kriegen und ein paar Nächte nicht schlafen zu können. Das wird vielleicht auch zu Beginn dieser Saison nicht anders gewesen sein, aber insgesamt hat er in Dortmund die Gelegenheit entschlossen am Schopfe gepackt. Als er vor vier Jahren zur Borussia kam, lag der Klub noch weitgehend am Boden. Wie er diese Aufgabe gelöst hat, mit zunächst bescheidenen Mitteln und jungen Leuten aus dem eigenen Nachwuchs, mit einem tollen Scouting-Apparat sowie dem im Hintergrund phantastisch arbeitenden Manager Michael Zorc, das war richtig stark.

Jürgen Klopp ist auch als Mensch total okay

Bei ihm stimmt fachlich alles, aber ich würde darüber hinaus gerne noch etwas anderes herausstellen, was mir besonders am Herzen liegt und zudem für die Erklärung seiner Erfolgsgeschichte ausgesprochen wichtig ist: Jürgen Klopp ist auch als Mensch total okay. Denn er interessiert sich nicht nur einseitig, sondern nimmt seine Umwelt aufmerksam wahr. Jürgen ist, das weiß ich aus sehr angenehmen persönlichen Begegnungen, auch an anderen Dingen als nur an Fußball interessiert. Man kann mit ihm über viele unterschiedliche Themen sprechen, und das macht ihn so besonders. 

Weil Jürgen zudem mit erst 45 Jahren ein junger Mann ist, würde es mich sehr wundern, wenn diese hochverdiente Auszeichnung zum »Trainer der Saison« seine letzte gewesen sein sollte. Auf jeden Fall: Lieber Jürgen, herzlichen Glückwunsch auch zu dieser Titelverteidigung.

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