Hans Krankl über Cordoba 1978

»Ich bin heute noch stolz«

Was in Deutschland »Die Schmach von Cordoba« heißt, nennt sich jenseits der Alpen »Das Wunder von Cordoba«. Hans Krankl erinnert sich an seinen schönsten WM-Moment: Österreichs Sieg gegen Deutschland im Juni 1978. Hans Krankl über Cordoba 1978Imago Nächstes Jahr ist es wieder so weit. Dann trifft Österreich in der Qualifikation zur EM auf die deutsche Nationalmannschaft, und dann wird mein Tor gegen Deutschland bei der WM 1978 in Argentinien wahrscheinlich wieder dauernd im Fernsehen gezeigt. Ich kann verstehen, dass einige Leute inzwischen genervt sind. Aber mich nervt es nicht, wenn ich immer wieder auf Cordoba und mein Tor zum 3:2 angesprochen werde. Es ist eine schöne Erinnerung, und ich bin noch heute stolz darauf.

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Unser Sieg ist längst ein Stück österreichischer Sportgeschichte: Das kleine Österreich schlägt den großen Nachbarn Deutschland. Das hatte es 1978 seit fast 50 Jahren nicht mehr gegeben, und vielleicht dauert es noch einmal 50 Jahre, bis es wieder passiert. Natürlich ist das eine schöne Geschichte. Aber man muss daraus auch nicht mehr machen. Mit Politik hatte unser Erfolg nichts zu tun. Zwei Mannschaften haben sich im sportlichen Wettkampf gemessen; die bessere hat gewonnen. Und das waren damals wir.

Es gab nie eine bessere österreichische Nationalelf

Die Deutschen hatten schon vorher alles andere als überzeugend gespielt. Die Mannschaft war wohl auch untereinander ein bisschen zerstritten, trotzdem hatte sie noch die Chance, erneut ins Finale einzuziehen. Dazu mussten die Deutschen nur mit fünf Toren Unterschied gegen uns gewinnen. Ich weiß nicht mehr, wer damals was gesagt hat; aber es gab auf jeden Fall entsprechende Äußerungen aus dem deutschen Lager, die ein solches Resultat für möglich hielten. Die »Bild« hat das alles groß aufgebauscht und ein 6:0 für die Deutschen vorhergesagt. Solche Berichte sind uns damals von unseren Journalisten zugetragen worden. Das hat uns nur zusätzlich motiviert, obwohl unser Aus schon vor dem Spiel feststand. Okay, haben wir gedacht, dann zeigen wir denen mal, dass wir auch eine sehr gute Mannschaft mit vielen Klassespielern haben. Ich glaube sogar, dass es nie eine bessere österreichische Nationalmannschaft gegeben hat als unsere. Immerhin sind wir in unserer Vorrundengruppe Erster geworden – vor Brasilien, Spanien und Schweden.

Natürlich gab es eine sportliche Rivalität mit den Deutschen, mehr aber auch nicht. Ich habe mich mit vielen Spielern sehr gut verstanden, mit Hansi Müller und Sepp Maier zum Beispiel. Auch Rolf Rüssmann, der leider viel zu früh verstorben ist, war ein super Bursche. Und das sage ich nicht, weil er als mein Gegenspieler bei den beiden Toren nicht besonders glücklich ausgesehen hat. Rüssmann war zu dieser Zeit ein hervorragender Vorstopper. Er hatte ein sehr gutes Turnier gespielt, war bei dieser verunglückten WM der Deutschen vielleicht sogar deren bester Spieler. Dass er meine beiden Treffer nicht verhindert hat – das passiert halt. Rüssmann war nach dem Spiel völlig fertig. Dem liefen die Tränen übers Gesicht. Ich habe ihn getröstet und ihm gesagt, er solle sich nichts daraus machen.

Die »Bild«-Zeitung veröffentlichte meine Telefonnummer

Bei meinen beiden Toren hat einfach alles gestimmt. Vor dem 2:1 nehme ich den Ball mit rechts aus der Luft an und haue ihn mit links volley ins Kreuzeck. Das Tor ist später zum Tor des Monats gewählt worden – in Deutschland. Davor ziehe ich heute noch dankbar den Hut. Auf diese Auszeichnung bin ich sehr stolz. Vor meinem zweiten Tor, dem Treffer zum 3:2, hat Rüssmann dann die Flanke unterschätzt. Er springt unter dem Ball her. Ich habe freie Bahn, nehme den Ball erst mit dem Kopf mit, dann mit dem Knie, lasse Libero Manfred Kaltz ins Leere grätschen und schiebe den Ball unter Sepp Maier hindurch ins Tor. Bernhard Dietz versucht noch zu retten, kommt aber zu spät. Die beiden Tore zählen auf jeden Fall zu den zehn schönsten, die ich in meiner Karriere erzielt habe.

Zwei Minuten waren nach dem 3:2 noch zu spielen, die Deutschen haben alles versucht, ein Unentschieden hätte sie immerhin ins kleine Finale gebracht, aber wir haben unseren Vorsprung über die Zeit gerettet. Der Weltmeister war ausgeschieden. Für die Deutschen war das natürlich ein Schock. Die »Bild«-Zeitung hat nach dem Spiel sogar meine Telefonnummer veröffentlicht, damit mir die deutschen Fans mal richtig die Meinung sagen. Das war nicht besonders lustig für meine Familie. Allerdings gab es gar nicht so viele Schmähanrufe und Beschimpfungen, wie ich vermutet hätte. Die Reaktionen waren eher positiv. Ein Anrufer hat sich sogar bei mir bedankt.

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