Erschwert wird die Situation bei Breslau aber auch durch die Besitzverhältnisse. 51 Prozent des Vereins gehören dem Milliardär Zygmunt Solorz und 49 Prozent der Stadt. Doch Polens reichster Mann hat momentan kein Interesse an seinem Spielzeug, da er sich mit der Übernahme des Mobilfunkunternehmens Polkomtel finanziell überhoben hat. Statt wie mit der Stadt vereinbart, in den Verein zu investieren, zahlt er pro Monat den Kredit ab, mit dem er die Übernahme des Mobilfunkunternehmens realisiert hat. Monatlich immerhin 40 Millionen Euro.
So trägt momentan allein die Stadt den Verein, was für Slask nicht ohne Konsequenzen blieb. Gleich zwölf Spieler, darunter Leistungsträger wie der Verteidiger Piotr Celeban, der heute sein Geld beim FC Vaslui in Rumänien verdient, mussten den Verein verlassen. Neue und vor allem qualitativ gute oder gleichwertige Spieler wurden dagegen kaum geholt. Mit dem Ergebnis, dass Trainer Orest Lenczyk bisher keine Stammformation gefunden hat.
Ominöse Aufnahmen eines Gesprächs
Doch das momentan größte Problem für Slask sind nicht die nur schwach gefüllten Kassen, mit denen jeder polnische Verein momentan kämpfen muss, sondern die Stimmung im Team. Als einen »Chuj« (wortwörtlich »Schwanz«, im deutschen Sinne: »Arschloch«) soll der argentinische Stürmer Christian Diaz seinen Trainer Orest Lenczyk bezeichnet haben. Und da es auch schon in den letzten Monaten immer wieder zu offenen Konflikten zwischen Team und Trainer kam, sind viele polnische Experten davon überzeugt, dass die Mannschaft gegen ihren Trainer spielt. Einen Trainer übrigens, der von seinen Spielern auch keine gute Meinung hat. Im Frühjahr tauchten Tonbänder auf, auf denen sich Lenczyk mit dem Breslauer Bürgermeister Rafal Dutkiewicz über die fußballerischen Qualitäten seiner Spieler unterhält. Qualitäten, die laut den Tonbändern bei den Spielern nicht vorhanden sind. »Wenn sie gegen schwächere Mannschaften spielen, dann heben sie sich hervor. Doch wenn sie sich mit den besten der Ekstraklasa messen... Leider, leider«, sagte Lenczyk. Das Gespräch wurde vom Fußballportal »Weszlo.com« publik gemacht.
Mit dieser Meinung steht Lenczyk, der wegen seines stolzen Alters von 69 Jahren von der einheimischen Presse vor einigen Wochen noch als der polnische Alex Ferguson gefeiert wurde, nicht alleine da. Slask Breslau ist in den Augen vieler Fußballfans zum Beispiel für die Negativentwicklung im polnischen Fußball insgesamt geworden. Elf überbezahlte Pseudofußballer, die keine sportlichen Ambitionen haben. Eine Meinung, die durch die 3. Qualifikationsrunde für die diesjährigen europäischen Wettbewerbe bestätigt wurde. 6:12 lautet die nagetive Torbilanz für die Klubs aus dem EM-Gastgeberland. Dies gegen Helsingborgs IF, Viktoria Pilsen, AIK Solna und Sturm Graz. Vor polnischen Vereinen muss momentan kein europäischer Klub Angst haben. Auch nicht vor dem Landesmeister Slask Breslau.