23.08.2012

Hannovers Europa-League-Gegner Slask Breslau

Ein Schwanz und 11 Pseudo-Fußballer

Bei Polens Meister Slask Breslau geht es dieser Tage drunter und drüber. Der Trainer hasst sein Team, das Team hasst seinen Trainer. In der Champions-League-Qualifikation schied Slask mit 0:3 und 1:3 gegen Helsingborgs IF aus. Muss sich Hannover 96 überhaupt keine Sorgen machen?

Text:
Thomas Dudek
Bild:
Imago

Ein unverdienter Meister?

Beinahe wäre es zum heutigen Europa-League-Qualifikationsspiel zwischen Hannover 96 und Slask Breslau gar nicht gekommen. Am vergangenen Samstag, auf dem Rückweg vom Ligaspiel bei Widzew Lodz, wäre der Mannschaftsbus des polnischen Meisters fast mit einem Lastwagen kollidiert. Nur das schnelle Reaktionsvermögens des Busfahrers, der als einziger Verletzungen davontrug, verhinderte eine Katastrophe.

Die Geschichte mit dem Bus spielte in der polnischen Sportberichterstattung jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Ganz im Gegenteil zum Saisonauftakt. 1:2 verlor Slask gegen den Traditionsverein aus Lodz, der in den achtziger und neunziger Jahren eine große Nummer nicht nur im polnischen sondern auch europäischen Fußball war, heute jedoch nur vom Glanz ehemaliger Tage lebt. Das Stadion ist veraltet, die Vereinskassen leer und sportlich gehört der Klub seit Jahren zu den Abstiegskandidaten, auch wenn Widzew diesem Schicksal bisher immer irgendwie entkommen konnte.

Und auch wenn Niederlagen gegen sportlich schwächere Gegner im Fußball immer wieder vorkommen, so ist die Auftaktniederlage gegen Widzew für Slask eine Katastrophe. Von den letzten sieben Pflichtspielen hat Breslau nur drei gewonnen. Ein mickriges 1:0 im Pokal gegen Gornik Polkowice, ein unverdientes 2:0 gegen den montenegrinischen Meister Budocnost Podgorica in der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation und ein glücklicher Sieg im Polnischen Supercup gegen Legia Warschau – im Elfmeterschießen. In der regulären Spielzeit bedeutet dies eine ernüchternde Torbilanz von 5:10.

Ein unverdienter Meister?

Viele Kritiker fühlen sich durch die Ergebnisse der vergangenen Wochen bestätigt. Schon im Mai sagten viele polnische Experten, dass Slask der schwächste Polnische Meister seit Jahrzehnten ist. »Breslau ist nicht deshalb Meister geworden, weil die Mannschaft so stark ist, sondern weil die Konkurrenz in der vergangen Saison so schwach war«, sagt Andrzej Iwan, ehemaliger polnischer Nationalspieler und heutiger TV-Experte.

Ein Blick in die vergangene Saison bestätigt diese These. Wisla Krakau, mit acht Meisterschaften die Übermannschaft der letzten 20 Jahre, war im letzten Jahr, nach dem Aus in der Champions-League-Quali gegen APOEL Nikosia, mehr mit sich beschäftigt als mit der Liga. Legia Warschau, bis zum drittletzten Spieltag Tabellenführer, schwächte sich in der Winterpause mit den Verkäufen von Ariel Borysiuk (1. FC Kaiserslautern) sowie Maciej Rybus und Marcin Komorowski (Terek Grosny) selbst und verspielte so die schon sicher geglaubte Meisterschaft.

 
 
 
 
 
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