Hannover-HSV oder: Die Rache des Artjoms Rudnevs

Don’t look back in anger!

In Polen halten sie ihn für besser als Robert Lewandowski. Dem Hamburger SV war er nicht gut genug, also wechselte Artjoms Rudnevs zu Hannover 96. Am Samstag gibt es ein Wiedersehen.

imago

Artjoms Rudnevs war einmal der beste Stürmer der Welt. Vor zwei Jahren, als er noch für Lech Posen spielte, schrieben polnischen Zeitungen jedenfalls von einem Torjäger, der Robert Lewandowski locker in die Tasche stecken würde. Sie erzählten von einem Bomber, den die Welt noch nicht gesehen hatte, von einem Angreifer, der in der polnischen Ekstraklasa in 56 Spielen 33 Tore gemacht hatte. Rudnevs sollte der nächste europäische Superstar werden. Einmal, in einem Europa-League-Spiel gegen Juventus Turin schoss er in zwei Spielen vier Tore. Eines war besonders schön, aus 24 Metern, mit links unter die Latte. Später sagte er: »Der Moment des Tores, das sind Gefühlswellen, die unkontrollierbar sind. Das ist pures Adrenalin.« Nach diesem Tor rannte er also über den Platz, drehte sich um und zeigte auf den Rücken seines Trikots. Lech Posen hatte dank seines Dreierpacks Juventus Turin ein 3:3 abgetrotzt, und nun sollten sich alle seinen Namen merken: Artjoms Rudnevs!

Der Pole Miroslav Okonski, der in den späten achtziger Jahren für den HSV spielte, schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als Rudnevs verkündete, nach Hamburg wechseln zu wollen. »Ich rate von diesem Transfer ganz entschieden ab«, sagte Okonski. »Der Hamburger SV ist nicht mehr die Klassemannschaft wie zu meiner Zeit. Artjoms Rudnevs sollte zu einem Spitzenklub wechseln!« Das war vor beinahe zwei Jahren.
 
Damals äußerte sich auch der ehemalige HSV-Verteidiger Pawel Wojtala zu dem bevorstehenden Wechsel, und er war ebenfalls voll des Lobes: »Rudnevs ist eine typische Nummer 9, der seine Stärken im Strafraum hat. Seine Technik ist gut, er ist sehr beweglich.« In der polnischen Liga, so Wojtala weiter, gebe es keinen besseren Angreifer.

Seine Referenz: Ein Dreierpack gegen Juventus Turin
 
In der Rückrunde 2011/12 ließ der HSV den 24-jährigen Russland-Letten in jedem einzelnen Spiel beobachten. Am Ende der Saison wurde er mit 22 Treffern Torschützenkönig der Ekstraklasa. Sportdirektor Frank Arnesen war begeistert, und so spielte er dem Aufsichtsrat ein Best-of-Video von Rudnevs’ Toren vor. Die Kontrolleure gaben ihr Okay für den Transfer. Auch weil Arnesen seinen Wunschstürmer für 3,5 statt 5,5 Millionen Euro bekam. Arnesen hatte danach für jeden Skeptiker den passenden Satz. Für die Finanzexperten, die ein bisschen Sorge hatten, dass der Transfer nicht zu stemmen sei: »Wir haben einen Preis erzielt, der deutlich unter dem Marktwert liegt. Weil wir schneller waren als die anderen.« Und für die Fans, die von Toren und Titeln träumten: »Artjoms ist ein Knipser, er geht richtig steil! Schon ein Blick in seine glänzenden Augen reicht, um zu erkennen, dass er hungrig nach Erfolg ist!«

Damals war allerdings auch klar, dass mit Rudnevs kein Zauberer an die Elbe wechselte, sondern einer, den man im Fußball traditionell einen »Arbeiter« nennt. Aleksandrs Kohans, sein erster Trainer, erklärte in einem Interview, dass Rudnevs früher nicht talentiert gewesen sei. Doch er habe gekämpft bis zum Umfallen und einen größeren Willen als seine Mitspieler gehabt.

»Artjoms war unser Dschungelkönig«
 
Schon nach wenigen Wochen mehrten sich allerdings die Zweifel am Stürmer. Dabei hatte die Saison nicht mal angefangen. Doch weil Rudnevs in der Vorbereitung das Tor nicht traf, sorgte sich die Hamburger Presse. »Das Rätsel Rudnevs«, vermeldete das »Hamburger Abendblatt« im August 2012. Immerhin, so vermelden die Reporter aus dem Trainingslager in Schweden, konnte Rudnevs abseits des Platzes überzeugen. In den Wäldern, bei Team-Bonding-Maßnahmen, sei Rudnevs in bester Arved-Fuchs-Survival-Manier durchs Dickicht gekrochen. »Artjoms war unser Dschungelkönig«, sagte Fink. Das war doch auch was.
 
Zurück auf dem Platz gelang allerdings wieder nicht viel. Vielleicht lag es daran, dass er die Sprache nicht verstand, oder daran, dass seine Familie noch nicht da war. Dem »Hamburger Abendblatt« verriet er sein Erfolgsgeheimnis: »Die Kette ist leicht: Familie, Wohlfühlen, Tore machen, noch wohler fühlen, dadurch noch mehr Tore machen und noch wohler fühlen, was den Erfolg mit der Mannschaft wahrscheinlicher macht.«
 
Als sie beim HSV schon vom großen Fehleinkauf sprachen, machte er gegen Borussia Mönchengladbach am fünften Spieltag sein erstes Tor, es folgten elf weitere Treffer. Häufiger hatte in den Jahren zuvor nur Ivica Olic getroffen. In der Saison 2007/08 gelangen dem Kroaten 14 Tore.

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