Handshake mit Van Bommel

Fußball in 3D

Fußball in 3D soll das bessere Public Viewing werden. Doch Sportschau-Chef Steffen Simon spricht kurz vor dem Start von einem »großen Fake«. Wir besuchten schon während der WM 2010 ein Fußballspiel in einem 3D-Kino. Handshake mit Van Bommelimago

Fussball in 3D, hat die Welt darauf gewartet? Man weiß es nicht, aber neugierig macht es ja schon. Ein Elektronik-Gigant aus dem asiatischen Raum überträgt in diesem Jahr erstmalig ausgewählte WM-Spiele – deutschlandweit in 27 Kinos. Drei davon befinden sich in meiner Heimat Berlin. Zum Halbfinale Uruguay - Niederlande ist endlich mal kein überragendes Wetter und so ergreife ich die Chance und besuche das Astra-Kino in Oberschöneweide, um mir einen Eindruck von dieser technischen Innovation zu verschaffen. Und wie war es? Interessant allemal. Will ich nie wieder Spiele im zweidimensionalen Raum sehen? Das nun auch nicht.

[ad]

Ausgerüstet mit Bier und Popkorn nehme ich im Saal Platz und sehe die verschwommenen Umrisse eines Spielfeldes. Dann setzte ich die 3D-Brille auf und befinde mich im Handumdrehen IM STADION. Die Kamera zeigt die bereits gut gefüllte Haupttribüne und ich bin mittendrin. Hinter mir, neben mir, unter und über mir – Palaver, Gesänge und natürlich auch Getröte. Dann werden die Spieler beim Aufwärmen gezeigt. Ich stehe tatsächlich auf dem Platz. Mit Diego Forlan, Wesley Sneijder und all den anderen. »Gib mich die Kirsche« (o.ä.) möchte man rufen. Beeindrucktes Staunen.

Arjen Robben sprintet auf mich zu

Beim Schwenk über die Gesichter der Spieler während der Hymnen möchte man jedem noch einen aufmunternden Klaps mit auf den Weg geben, so nah fühlt man sich. Und dann beginnt das Spiel – übrigens ohne Kommentar. Acht Spezialkameras wurden an den Seitenlinien positioniert und das macht sich schnell bemerkbar.

Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um auf eine Spielfeldrand-Perspektive zu wechseln. Spätestens als Arjen Robben auf mich zusprintet, muss meine Begleitung mir den Mund wieder zuschieben. So eine Dynamik habe ich – wenn überhaupt – nur im Stadion erlebt.

Kein Eindruck von der Mannschaftsleistung

Man befindet sich mit den Spielern quasi auf Augenhöhe und ist naturgemäß mit einer ganz anderen räumlichen Tiefe konfrontiert, als in der »Totalen«, die ihren Namen in diesem Fall allerdings kaum verdient hat. Genau da liegt nämlich der Hund begraben. Die 3D-Totale zeigt höchstens ein Drittel des Spielfeldes und wird vergleichsweise selten eingesetzt. Ja sicher, man möchte das 3D-Feeling so gut wie möglich zur Geltung bringen, aber was ist mit dem Spiel als solches? Es ist nahezu unmöglich, sich einen Eindruck von der Mannschaftsleistung zu machen. Wie bewegen sich die Stürmer, wenn sie den Ball verloren haben, wie verschieben sich die einzelnen Mannschaftsteile und wo gibt es freie Räume für die Angreifer? All das kommt zu kurz. Sowas interessiert ja eh nur die Fussball-Nerds? Möglicherweise.

Das Spiel ist vorbei. Ich nehme die Brille ab und lege rund 10.000 km in einem Wimpernschlag zurück. Eben noch in Südafrika, inmitten von tausenden Zuschauern und abklatschend mit Mark van Bommel. Jetzt in »Oberschweineöde« in einem nicht mal halb gefüllten Kino und das Bier ist auch noch alle.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!