Hamburgs Ur-Brasilianer Nando

»Besser als nix«

Der HSV und seine Brasilianer – eine wechselvolle Geschichte. Ob aktuell Alex Silva oder einst Ailton, heimisch wurden wenige. Auch Nando, der Beau vom Zuckerhut, war kein Glückspilz. Ihm sollen sogar die Ersparnisse verschimmelt sein. Hamburgs Ur-Brasilianer NandoImago Die ausgehenden Achtziger waren graue Zeiten am Hamburger Volkspark. Man weinte Trainerikone Ernst Happel zahlreiche Tränen nach und konnte mit seinen glücklosen Nachfolgern nur wenig anfangen. Auch andere Protagonisten der »goldenen Ära« traten so langsam ab: das bananenflankende Idol Manfred Kaltz zog es nach Frankreich, Keeper Uli Stein boxte sich über Jürgen Wegmann den Weg nach Frankfurt frei, und Abwehrchef Ditmar Jakobs verletzte sich im Derby gegen Werder Bremen so schwer, dass er aufhören musste.

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Das erfolgsverwöhnte Hamburger Publikum ließ sich in der ebenso riesigen wie leblosen Betonschüssel namens Volksparkstadion nur noch spärlich blicken und erinnerte sich stattdessen lieber der nur wenige Jahre zurückliegenden Triumphzüge. Wenn dieser lähmenden Phase eine Farbe zugeordnet werden müsste, gäbe es nur eine Alternative – grau.

Hackentricks, Beinschüsse, Fallrückzieher

Ein neuer Anstrich musste dringend her; nichts Mattes, sondern Hochglanz. Der HSV erinnerte sich an den Sommer 1989, an den »Hafen-Pokal«, einem internationalen Fußballturnier im Rahmen des 800. Geburtstags des Hamburger Hafens. Ein junger Brasilianer in Diensten des Turniersiegers Flamengo Rio de Janiero verzückte dort das Publikum und erregte das Aufsehen des HSV. Allein schon dieser allesversprechende Name - Fernando Pereira Pinho Nando. Das klang nach Hackentricks, Beinschüssen und Fallrückziehern. In der Winterpause der Saison 1989/90 griff der HSV zu und hoffte, sein Sturmproblem damit gelöst zu haben.

Natürlich gab es Zweifel, Trainer Willi Reimann wollte Nando eigentlich nicht und hätte lieber einen Angreifer verpflichtet, der seine Bundesligatauglichkeit bereits nachgewiesen hatte. Reimanns Meinung war nach seiner Entlassung aber schnell obsolet, und sein Nachfolger Gerd-Volker Schock dachte sich: »Besser als nix«.

Nandos Debüt widerlegte die Zweifel des Ex-Trainers – zwei Treffer steuerte der Hoffnungsträger aus Rio bei, wenn auch nur die letzen beiden beim ungefährdeten 6:0 gegen Bayer Uerdingen. Auch im nächsten Spiel traf Nando, und in Hamburg glaubte man, ein Juwel gefunden zu haben.

Danach wurde es aber um einiges ruhiger, der Hype um den vermeintlichen Wunderstürmer verebbte, und die als wenig zimperlich geltenden Bundesligaverteidiger vermittelten Nando schnell ihr holzfällerisches Fußballverständnis.

In der folgenden Saison fand sich der Angreifer etwas besser zurecht. In erster Linie lag dies allerdings am vom BFC Dynamo gekommenen Thomas Doll, der es glänzend verstand, den Brasilianer in Szene zu setzen. Elf Treffer erzielte Nando im Laufe dieser Saison – zu viele, um als Fehleinkauf zu gelten, aber gemessen an seinen Chance auch zu wenige, um wirklich zu überzeugen.

Als Doll nach nur einem Jahr weiterzog, um bei Lazio Rom einzuschlagen, hing Nando plötzlich in der Luft. Nichts gelang und der Brasilien sehnte sich nach seiner Heimat. Im Sommer 1992 hielt der Möbelwagen, den Nando womöglich auch aus zwei Metern nicht getroffen hätte, vor seiner Wohnung. Eines musste zuvor allerdings noch erledigt werden. Die Hamburger Presse berichtete damals von Ersparnissen, die Nando aus Angst vor Einbrechern, der brasilianischen Steuerbehörde und Mißtrauen gegenüber deutschen Banken in seiner Hauswand eingemauert hatte. Nun sollten sie freigelegt werden. Dumm nur, dass das so gut versteckte Geld in der Wand verschimmelt war.

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