Halvorsens Widerstand gegen die Nazis

Umjubelt, gequält, benutzt

Einige Monate vor Halvorsens Ankunft in Neuengamme hatte Fritz »Tull« Harder das Lager verlassen. Halvorsens einstiger Freund war dort in der Lagerverwaltung tätig gewesen. Begegnet sind sich die beiden in den Kriegsjahren wohl nicht. Während Halvorsen mit Unterernährung und Krankheit zu kämpfen hatte, war Harder Kommandant des Außenlagers in Hannover-Ahlem.

Die dortigen Zustände »waren, selbst im Vergleich mit gewöhnlichen Konzentrationslagerstandards, grässlich«, befand die Kommission der Alliierten später. Die Hygienebedingungen waren unsäglich, Unterernährung und Misshandlungen durch Aufseher an der Tagesordnung. Im Curiohaus-Prozess 1947 befand das Gericht, dass der Kommandant Harder davon gewusst haben musste, und verurteilte ihn zu 15 Jahren Zuchthaus.

Rückkehr in die Heimatstadt

Halvorsen verließ Neuengamme im April 1945 in einem weißen Bus des schwedischen Roten Kreuz. Doch selbst auf der Fahrt gen Skandinavien waren die Norweger nicht sicher, weil Deutsche auf die Fahrzeuge schossen. Fast verstört reagierten manche, als die Rückkehr tatsächlich wahr wurde. Der bereits erwähnte Odd Nansen schrieb: »Jetzt sitze ich hier, ohne Verbindung mit der Wirklichkeit, weil sie tatsächlich so ist, dass ich nicht daran glauben kann.«

Halvorsen kehrte in seine Heimatstadt Sarpsborg zurück, arbeitete wieder für den norwegischen Fußballverband und heiratete 1951. Die Ehe blieb kinderlos. Im gleichen Jahr wurde »Tull« Harder vorzeitig aus der Haft entlassen. Bei seiner Rückkehr zum HSV soll er frenetisch gefeiert, gar auf Händen getragen worden sein. Von der Nazizeit wollte niemand etwas wissen. Es ist unklar, ob Halvorsen und Harder sich noch einmal begegnet sind, zumindest waren sie bei einem Länderspiel 1953 zum selben Bankett eingeladen.

WM-Qualifikation mit Norwegen gegen Deutschland

In der WM-Qualifikation empfing Deutschland am 22. November 1953 die Auswahl Norwegens. Für Halvorsen, zu dieser Zeit Generalsekretär des norwegischen Fußballverbandes, wurde es eine Reise in die Vergangenheit, das Spiel fand in Hamburg statt. Für viele Funktionsträger war das Wiedersehen eine willkommene Gelegenheit, mit allen Mitteln Bilder der Versöhnung zu entwerfen. »Trotz bitterer Unbill überwand dieser Kämpfer für Gerechtigkeit alles kleinliche Denken und reichte uns und dem deutschen Sport wieder die Hand«, hieß es in der Rückschau in den »Vereinsnachrichten« des HSV.

Der »Kicker« berichtete von einem Treffen zwischen Halvorsen, Nationaltrainer Sepp Herberger und dem DFB-Generalsekretär Dr. Georg Xandry. Der Artikel betonte, dass sich die beiden Funktionäre während des Krieges für Halvorsens Befreiung eingesetzt hätten, und folgerte aus einem Handschlag der Männer: »Das Geschehene war vergessen.«

»Ersehnter Schlussstrich«

Der Publizist und Politikwissenschaftler Arthur Heinrich schrieb in einem Text über den Umgang der Deutschen mit Asbjørn Halvorsen dazu: »Dass sich die Repräsentanten des DFB tatsächlich um die Freilassung Halvorsens bemüht hätten, (...) darf bezweifelt werden.« Und niemand könne die Schrecken der NS-Haft vergessen, so Heinrich. Den damaligen Autoren sei daran gelegen gewesen, »den ersehnten Schlussstrich unter die Vergangenheit von den Opfern ziehen zu lassen. Und weil diese das nicht taten, unterstellte man eben, sie hätten das Geschehene vergessen.« Asbjørn Halvorsen wurde in Deutschland erst umjubelt, dann gequält, schließlich benutzt.

Er starb am 16. Januar 1955 während einer Dienstreise für den norwegischen Verband, vermutlich an den Folgen seiner Flecktyphus-Erkrankung. »Tull« Harder starb ein Jahr später, eine Fahne des HSV bedeckte seinen Sarg.

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