Haifischbecken Bundesliga

Wer hat die Macht?

Wo soviel Erfolg und Geld sind wie in der Fußball-Bundesliga, wollen viele ihren Krümel vom Kuchen abbekommen. Aber wer bestimmt, wie das Spiel auf dem Platz und abseits des Rasens zu laufen hat? Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Imago
Heft #69 Sonderheft 2007/08
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69
Fußball ist immer Hypothese. Es ist einfach zu behaupten, wenn der ginge und jener käme, liefe es besser. »Beweisen lässt sich das nie« schlussfolgerte schon Gerhard Mayer-Vorfelder. Wer also der Frage auf den Grund gehen will, wer in der Bundesliga die Strippen zieht und wahre Macht ausübt, übernimmt eine Sisyphos-Arbeit. Denn eine umfassend richtige Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Zu vielfältig sind die
Möglichkeiten, im Zirkus des Profifußballs Einfluss zu nehmen, zu verzweigt die Pfade derer, die an der Bundesliga, in welcher Form auch immer, partizipieren. Kein Wunder also, dass Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt und bis 2003 Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), auf die Fragestellung dieser Reportage fast mitleidig ulkte: »Sowas können sich auch nur Journalisten ausdenken.«

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Die »Bild« hat es da leichter. Das Blatt lebt – laut Sportchef Matthias Brügelmann – wie alle Boulevardzeitungen »von Übertreibung und Zuspitzung«. Für ihn und seine Kollegen gibt es deshalb auch keinen Zweifel, wer im Ranking der 50 Wichtigsten im deutschen Fußball nach wie vor die Spitzenposition innehat: Franz Beckenbauer.

Auch wenn sich der leutselige Fußball-Kaiser längst ebenso wenig ernst nimmt, wie die geistige Elite dies tut. Die »Bild«-Kolumne des Münchner Selfmademans geht wöchentlich als Agenturmeldung über die Ticker, und so besitzt auch ein achtlos dahin geworfener Halbsatz des Bayern-Präsidenten – der anschließend von »Bild«-Redakteuren kunstvoll polemisiert und korrigiert wird – mitunter mehr öffentliche Tragweite als manch investigative Hintergrundreportage. Beckenbauer ist der beliebteste Deutsche der Welt – und der erfolgreichste. Im Gegensatz zum Mann auf der Straße lupft er nicht nur Bälle vom Weißbierglas durch die Torwand, sondern holt auch mit bajuwarischer Lässigkeit Weltmeisterschaften ins Land. Die Fußballbranche lebt von den Zitaten des Kaisers, auch wenn selbst das Fußvolk unter den Funktionären längst nur noch nachsichtig schmunzelt, wenn er wieder einen raus haut. »Bild« ernennt den Kaiser natürlich auch deshalb zum Regenten über den deutschen Fußball, weil er seine Deklarationen allwöchentlich in Springers Massenblatt druckt und nicht irgendwo anders. Die Medien brauchen Beckenbauer, aber er braucht sie auch. Ohne die Öffentlichkeit wäre es ihm wohl nie gelungen, inzwischen für den vierten Telekommunikationskonzern und den zweiten Stromlieferanten als Werbetestimonial zu dienen. Beckenbauer ist der Inbegriff des Siegertypen. International kann er als Repräsentant des deutschen Fußballs seinen Einfluss bei Entscheidungen geltend machen. Aber, mal ehrlich, würde die Liga anders laufen, wenn es ihn nicht gäbe?

Vor allem der Resonanzboden von täglich über 12 Millionen »Bild«-Lesern ist es, der Beckenbauers Bundesliga-Kolumne Wahrnehmung verschafft. Im Gegensatz zu Konkurrenzblättern wie der »Abendzeitung« in München, dem »Express« in Köln oder der »Morgenpost« in Hamburg, besitzt die Berichterstattung in der »Bild« und »Bild am Sonntag« republikweit Durchschlagskraft. Thomas Helmer, vom Top-Spieler zum DSF-Medienmann avanciert, sagt: »Wenn ein Medium großen Einfluss hat, dann die ›Bild-Zeitung‹.« Die Noten, die »Bild am Sonntag« nach dem Spieltag an die Profi s vergibt, sind trotz aller Subjektivität ein Gradmesser für die Verfassung eines Spielers. Helmer: »Wenn die ›BamS‹-Zensur am Sonntag schlecht ist, melden sich plötzlich Verwandte und fragen, ob alles in Ordnung ist.«

Wie stark die Benotung Auswirkungen auf den deutschen Fußball nimmt, zeigt beispielhaft die Nationalmannschaftskarriere von Lothar Matthäus. Dessen enge Bindung zum damaligen »Bild«-Korrespondenten Wolfgang Ruiner war in München allgemein bekannt. Im Vorfeld der Euro 2000 schnitt Matthäus wochenlang in fast jedem Heimspiel auffällig gut in der Benotung ab. Jeder neue Spieltag, jede weitere gute Note brachte schließlich auch die Öffentlichkeit zu der Überzeugung: Dieser Matthäus ist in der Form seines Lebens. Bundestrainer Ribbeck nahm den alternden Star schließlich mit zur EM nach Belgien und Holland. Inwieweit »Bild« diese Entscheidung beeinflusst hat und sie aufgrund öffentlichen Drucks erfolgte, weiß niemand. Matthäus’ Nominierung jedenfalls wurde ein Fiasko für den Teamgeist, das Turnier zum Tiefpunkt in der Geschichte des DFB. Podolski-Berater Kon Schramm erklärt dazu: »Das Perverse ist, dass Präsidenten oder Trainer sich unter Druck der Medien mehr den Kopf darüber zerbrechen, was sie Journalisten nach Niederlagen erzählen, als über die eigentlichen Probleme des Spiels.«

Eine »Bild«-Zeitung ohne den FC Bayern ist keine »Bild«-Zeitung

Zugegeben, die Machtposition von »Bild« fußt auf akribischer Recherche und zuverlässiger Informantenpflege durch die Reporter. Matthäus bedankte sich für das Entgegenkommen auf seine Art. Ruiner: »In München haben sich alle Kollegen darüber aufgeregt, dass die Geschichten von Lothar Matthäus immer in »Bild« stünden. Da hat der Lothar gesagt: Der Wolfgang ruft mich am Tag drei-, viermal an, würdest du so oft anrufen, hättest du genauso die Geschichten.« 100 fest angestellte Redakteure beliefern täglich den Sportteil der »Bild« mit Informationen. Bei jedem Training eines Bundesligisten ist ein Reporter vor Ort. Die Kollegen haben ihr Handy rund um die Uhr auf Empfang. Sportchef Brügelmann: »Ein Bildreporter hat nie Feierabend.« Allein drei Berichterstatter beobachten die Aktivitäten des FC Bayern. Der Klub von der Isar polarisiert. Sein Star-Ensemble produziert Nachrichten am Fließband. Die Geschichten entstehen nicht nur an der Säbener Straße, sondern auch nach Dienstschluss am Tresen der Nobeldisko P1. Brügelmann: »Eine ›Bild‹ ohne eine Meldung über den FC Bayern ist keine ›Bild‹.« Kaum ein Journalist kennt die Top-Stars der Liga länger und genauer als Alfred Draxler, der langjährige Sportchef und jetzige Stellvertreter des »Bild«-Chefredakteurs.

Ballack-Berater Dr. Michael Becker bemerkt: »Bild berichtet über Stimmungen, die sie selbst geschaffen hat.« Den Transfer von Michael Ballack von Bayern München zum FC Chelsea habe »Bild« etwa mit der Frage an seine Leser begleitet, ob der Kapitän der Nationalmannschaft »geldgeil« sei. Die meisten Leser bejahten diese rhetorische Frage gern.

Tatsache ist, dass »Bild« fast immer schneller ist als die Kollegen. Zwei Monate vor dem Transfer von Miroslav Klose zum FC Bayern München war dem Blatt bereits bekannt, dass der Stürmer seinen Mietvertrag in Bremen gekündigt hatte. »Bild«-Reporter sondieren das Umfeld der Stars wie Kriminalisten. Als in Bremen Gerüchte über Kloses Privatleben ruchbar wurden, sprach die »Bild« mit dem Anwalt des Spielers eine Geschichte ab. Sie erschien unter dem Titel: »Wer streut die fiesen Ehegerüchte?«

Die Spieler nutzen die Presse, um gratis Stellengesuche aufzugeben

Nur wenige Funktionäre haben den Mumm, sich dem Druck zu stellen, der durch die Boulevardmedien entsteht und auf diese Weise kurzfristig in Volkes Meinung umschlägt. Heribert Bruchhagen hat in der letzten Saison trotz massiven Beschusses durch die Medien in Frankfurt zu seinem Trainer Friedhelm Funkel gehalten. Bruchhagen kann es sich erlauben: »1989 hätte ich als junger Manager einen Konflikt mit der Journaille um jeden Preis vermieden. Inzwischen sind meine Kinder erwachsen, und meine Familie ist wirtschaftlich abgesichert. So gesehen muss ich keinem Konflikt mehr aus dem Weg gehen.« Andreas Rettig, heute Manager des FC Augsburg, konnte der geballten Front von »Bild« und »Express« im Medienumfeld des 1. FC Köln bei der Personalie Marcel Koller nicht standhalten: »Ich sagte zum Trainer, zur Not setzen wir den Stahlhelm auf und stehen das durch. Aber ein Coach, der von den Medien als ›Schweizer Käse‹ verhöhnt wird, und bei dem die Zuschauer schon pfeifen, wenn er den Trainingsplatz betritt, wird mürbe gemacht.«

Doch den Einfluss der Boulevardmedien machen sich viele Liga-Protagonisten auch zu Nutze. Spieler geben durch geschickt lancierte Infos in der Presse kostenlose Stellengesuche auf. Thomas Brdaric nutzte seine guten Kontakte zu den bunten Blättern für einen Wechsel vom VfL Wolfsburg zurück zu Hannover 96. Ein befreundeter Journalist brachte ihn mit entsprechenden Schlagzeilen in der niedersächsischen Landeshauptstadt ins Gespräch. So wird auch die Sportpresse zum Transfermarkt umgemodelt. Auf die Titelstory der Sportbild von Anfang Juni 2007 »Bochum jagt Poldi« bekam der Berater von Lukas Podolski, Kon Schramm, postwendend für seinen Star sieben Angebote aus dem In- und Ausland. Wer die Gerüchte gestreut hat, weiß am Ende dann keiner mehr so genau.

Eintracht-Boss Bruchhagen sagt über diesen faustischen Pakt mit der Berichterstattung: »Den Großteil unserer Gehälter beziehen wir durch die Medien.« Denn jede Schlagzeile, jede noch so unsinnige Geschichte über die Bundesliga verschafft dem Ligabetrieb Öffentlichkeit und macht sie attraktiv für Sponsoren. In der Saison 2005/06 setzte die Bundesliga insgesamt 1,2 Milliarden Euro um. Bei Sponsoreneinnahmen und Zuschauerzahlen ist sie die erfolgreichste Liga in Europa. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers Deloitte profitieren die Klubs hierbei von der frühzeitigen Verwertung im frei empfangbaren Fernsehen. Dass die Bundesliga mit rund 38 500 Besuchern pro Spiel im Schnitt mehr Zuschauer hat als jede andere Liga in Europa, ist ebenfalls der Medienpräsenz zu verdanken.

Den Inhabern der TV-Rechte ist es gelungen, zumindest teilweise den Fußball ihren Bedürfnissen anzupassen. Auch wenn jeder Spieler die Interviews mit den Feldreportern nach Abpfiff hasst, gehört es zum TV-Deal, vor dem Verschwinden noch einen sinnfreien Kommentar in die Kameras zu sprechen. Das Fernsehen bewirkt, dass die Bundesliga über das ganze Wochenende verteilt spielt, wobei gerade die Sonntagsspiele die Attraktivität des Stadionbesuchs mindern. In den unteren Ligen ist der Einfluss noch deutlicher: Die 2. Liga muss am Freitag schon um 18 Uhr anstoßen, sonntags um 14 Uhr und am Montagabend um 20.15 Uhr. Ungünstige Zeiten für Arbeitnehmer. Die Regionalliga spielt am Samstag schon um 14 Uhr, damit die Vereine auch am Topf der Fernsehgelder partizipieren dürfen.

Als Gegenleistung nimmt die DFL bis Juli 2009 allein mit TV-Rechten 420 Millionen Euro pro Saison ein. Der Kabelnetzbetreiber Arena hatte vergangenen Sommer Premiere nach 14 Jahren als TV-Partner im Pay-TV abgelöst. DFL-Vorstand Christian Seifert wurde für den Abschluss gefeiert, der allein 220 Millionen Euro pro Jahr in die Kassen der Fußballklubs spülte, aber kaum Kompromisse bei den Spielansetzungen erforderte. Das erste Signal, dass die Preisspirale nach oben geht, setzte vor Jahren Uli Hoeneß, als er publicitygerecht lancierte, bald werde die DFL mehr als eine Milliarde Euro jährlich für die TV-Rechte kassieren. Womöglich glaubte Arena mit dem Deal regelrecht ein Schnäppchen gemacht zu haben. Nach nur einer Saison musste der Pay-TV-Kanal nun mangels Umsatzes die Übertragungsrechte an Premiere weiter verkaufen.

Die ARD steuert für ihre Rechte im Free-TV zusätzlich 95 Millionen Euro im Jahr bei – und darf ab 18.30 Uhr am Samstag Zusammenfassungen der Spiele senden. Der Rest der TV-Einnahmen verteilt sich auf DSF, ZDF und die VDSL-Netze der Telekom. Die teure Investition wirkt sich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen auf die Präsentationsform der Ware Fußball aus. Die »Sportschau« wird durch mehrere Werbeblöcke unterbrochen. Selbst für das übelste Gekicke findet die Redaktion noch einen Dreh, warum die Zusammenfassung eine besondere Brisanz besitzt. Wie würde es auch klingen, wenn die elegante Monika Lierhaus die Partie Energie Cottbus gegen MSV Duisburg mit dem Satz ankündigen würde: »… und nun zur langweiligsten Begegnung des heutigen Spieltags.« Reporter wie Waldemar Hartmann, der mit seinem legendären »Weißbier«-Interview mit Teamchef Rudi Völler einst TV-Geschichte schrieb, kommen weder als Feldreporter zum Zuge, noch als Moderator der Samstagssendung in der ARD.

Kritik ist nicht erwünscht. Selbst Uli Hoeneß ist sich nicht zu schade, für die sanft ironischen Schnacks des Kommentators Reinhold Beckmann am Montag ab und an eine Beschwerde in dessen Hamburger Büro einzureichen. Die Bundesliga ist ein Event, das gut vermarktet werden soll.


Für die nächste Verhandlungsrunde kündigt die DFL erneut Kompromissbereitschaft an, was den Termin für die Ausstrahlung der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen anbetrifft. Doch im Grundlagenvertrag der DFL ist klar geregelt, dass eine zeitnahe Übertragung im Free-TV erfolgen muss. Schließlich sträuben sich die Vereine, obwohl sie mit Pay-TV gutes Geld verdienen, gegen einen frei empfangbaren Termin erst nach 22 Uhr am Samstagabend. Denn klar ist: Die Bundesliga muss – damit sie umfassend vermarktbar bleibt – auch Otto Normalverbrauchern zugänglich gemacht werden. Nur durch eine zeitnahe Ausstrahlung der Spiele im Free-TV bleibt der Fußball das mediale Gemeinschaftserlebnis, das alle Generationen und Klassen eint.


Dass sich die Bundesliga bislang den Wünschen des Pay-TV entziehen konnte, liegt auch an der Struktur der DFL, in der Leute das Sagen haben, die aus dem Fußball kommen. Den Vorsitz im Aufsichtsrat der DFL hat Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen. Ihm zur Seite stehen erfahrene Vereinsfunktionäre wie Karl-Heinz Rummenigge, Heribert Bruchhagen, Michael Meier oder Andreas Rettig. Seit 2000 bündelt die DFL als Verband die Interessen der Profiklubs. Ihr operatives Geschäft unterteilt sich in die Bereiche Spielbetrieb, Lizenzierung und Vermarktung. Es gibt klare übergeordnete Vorgaben, wie sich die Liga und die ihr angeschlossenen Vereine positionieren wollen, um die Marke Bundesliga profitabler zu machen. Zur Vermarktung der DFL gehört neben dem Handel der TV-Rechte im In- und Ausland auch die Akquisition von Liga-Sponsoren. Wer in den Ausschüssen der DFL in den meisten Fällen das letzte Wort hat, liegt auf der Hand. Andreas Rettig sagt: »Wenn die DFL die Mannschaft ist, dann ist Bayern München der Kapitän.« Kein Vertreter eines Profivereins zweifelt ernsthaft an, dass der Klub von der Isar das Maß aller Dinge im deutschen Fußball ist. In der internationalen Vermarktung der Liga liefert weit vor allen anderen der FCB die schlagenden Argumente. Es kommt deshalb auch vor, dass der Vorstand des Edel-Klubs Alleingänge initiiert. FCB-Vorstand Rummenigge drohte dem DFB beispielsweise, zukünftig keine Nationalspieler mehr abzustellen, wenn der Verband die Offerte des Ausrüsters Nike annehme, das DFB-Team durch den US-Konzern ausstatten zu lassen. Hintergrund: Nike-Konkurrent Adidas hält beim FC Bayern Anteile an der Profi AG. Die Drohung der Bayern aber war ein grober Verstoß gegen das einheitliche Auftreten der Vereine durch die DFL.

Wenn Bayern München sich irgendwann einmal gegen das herrschende Solidaritätsprinzip aussprechen würde, nach dem alle Profi vereine zu ausgewogenen Teilen an den Gewinnen der DFL partizipieren, könnte das für viele kleinere Klubs verheerende Folgen haben. Vielleicht ist es ein Segen, dass die Bayern-Protagonisten Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer immer wieder in Eigenregie und zu unterschiedlichen Zeiten Meinungen aus der Hüfte schießen und nur selten mit einer Stimme sprechen. Denn der FC Bayern ist die Lokomotive, die bei Entscheidungen das Tempo vorgibt.

Der Etat des FC Bayern ist viermal so hoch wie der von Eintracht Frankfurt

Heribert Bruchhagen sagt: »Alfred Draxler von der Bild hat vielleicht Macht, aber Uli Hoeneß hat viel mehr Macht.« Was passiert, wenn der Bayern-Manager in seinem Ego angekratzt ist, haben die Konkurrenten vor der neuen Saison erlebt. Von den Medien schon aufs Altenteil geschrieben und in Frage gestellt, reagierte der sensible Geschäftsmann aus der Säbener Straße höchst emotional. Die Folge: Er machte das, was er jahrelang vermieden hatte. Betrat seine Bank, ging geradeaus durch zum Festgeldkonto seines Klubs, kaufte der Konkurrenz die besten Spieler weg: Schalke 04 musste Hamit Altintop gehen lassen. Gladbach verlor Marcel Jansen, Aachen den phlegmatischen Schlaudraff, und auch Klaus Allofs machte bei 15 Millionen Ablöse in der zweiten Verhandlungsrunde schlapp und ließ Miroslav Klose ziehen. Hinzu kommen bewährte Kräfte aus dem Ausland: Franck Ribéry und Luca Toni. Egal, wie Bayern am Ende der Saison auch abschneiden mag, die Konkurrenz hat ordentlich Federn gelassen und muss sich neu sortieren. Das kann nur, wer über die entsprechenden Geldmittel verfügt. Einem Klub wie Alemannia Aachen fällt es schwer, ein Top-Talent wie Schlaudraff nahtlos zu ersetzen. Die Folge: Die Liga wird zunehmend zur Drei-Klassen-Gesellschaft. So überraschend am Ende der Saisonverlauf 2006/07 auch war, Eintracht- Boss Bruchhagen hat seine Wette mit dem »Welt«-Reporter Udo Muras trotzdem gewonnen. »So blöd es klingt: Geld schießt nun mal Tore. Der FC Bayern verfügt heute über einen Etat, der viermal so groß ist wie der von Eintracht Frankfurt.« Daraus resultiert eine Vorhersehbarkeit für die Liga. Bruchhagen prophezeite dem Journalisten vor der Saison sieben Klubs, von denen sechs die Spitzengruppe in der Abschlusstabelle ergaben.

Derweil wächst beinahe ungeachtet die Macht der Marketingleute in den Geschäftsstellen und Vorstandsetagen der Vereine. Die Marke Bundesliga wird peu à peu auf Hochglanz gewienert. Für eine leichter verständliche »corporate identity« modifizieren sogar Traditionsklubs ihre eigentlich zeitlosen Wappen. So verabschiedete zum Beispiel der VfB Stuttgart von dem Gründungsjahr »1893« unter dem altdeutschen »VfB« und ersetzen es durch »Stuttgart«, damit auch der internationale Kunde versteht, mit welchem Verein er es zu tun hat. Vereine hingegen, die erst Fuß fassen müssen im Profigeschäft, dichten sich rückwirkend eine nicht vorhandene Tradition an: Zweitligaaufsteiger Hoffenheim legt neuerdings wieder besonderen Wert auf sein Gründungsjahr im Vereinsnamen und nennt sich auf seiner Homepage nicht mehr »TSG«, sondern vornehmlich »1899 Hoffenheim«.

Nur wenige Fans begehren noch auf, wenn ihr Verein die Namensrechte am Stadion verkauft. Die Meldungen über zahlungsunfähige Klubs haben die Anhängerschaft gefügig gemacht. Während früher in den Vereinsgaststätten vornehmlich über die Leistung der Spieler und des Trainers diskutiert wurde, kreisen die Stammtischtalks inzwischen eher um die News aus dem Wirtschaftsteil. Aus Angst, von einem ähnlichen Schicksal ereilt zu werden wie der Reviernachbar Dortmund, hat der treue Anhang von Schalke 04 sogar den Einstieg von Gazprom, eines russischen Energieriesen mit äußerst zweifelhaftem Ruf, beinahe widerstandslos gebilligt. Mit 25 Millionen Euro jährlich füllen sie die Kassen der klammen Knappen.

Die Profitmaximierung geht beim KSC und dem VfB Stuttgart soweit, dass es auch Lokalrivalen nichts mehr ausmacht, dass sie denselben Trikotsponsor haben. Beide Klubs tragen das Logo der Energie Baden- Württemberg (EnBW) auf dem Jersey. Die DFL hat das Aufeinandertreffen der beiden Klubs im ersten Drittel der Hin- bzw. Rückrunde terminiert, damit kein Manipulationsverdacht aufkommen kann, sollte ein Verein um die Meisterschaft mitspielen oder in Abstiegsgefahr schweben. Wie das Bundesliga-Unternehmen mit der derzeitigen Ansetzung der Partie VfL Bochum gegen Hansa Rostock verfährt, ist noch unklar: Die Klubs werden beide vom Textilunternehmen Kik gesponsert – und treffen aller Voraussicht nach am letzten Spieltag aufeinander.

Wie stark die Hauptsponsoren ihren Einfluss auch in sportlicher Hinsicht geltend machen, hängt vom Einzelfall ab. Es muss ja nicht immer so laufen wie beim HSV 1994, als Hauptsponsor »TV Spielfilm« mehr oder weniger in Eigenregie den mondänen Argentinier Sergio Zarate einkaufte, damit das biedere Star-Ensemble ein wenig Glamour bekam. Zarate spielte in elf Liga-Spielen kein einziges Mal durch. Oder wie zuletzt in Wolfsburg, wo Finanzier Volkswagen (VW ist 90-prozentiger Anteilseigner am Klub) die Demission des glücklosen Coachs Augenthaler bestimmte, weil VW Konzernchef Martin Winterkorn – offiziell ohne Tätigkeitsfeld beim VfL – seinen Kumpel Felix Magath gern in der sportlichen Verantwortung sehen wollte.

Inwieweit Gazprom irgendwann seinen Einfluss auf Schalke geltend macht, bleibt abzuwarten. Mafia-Experte Jürgen Roth aber prophezeit: »Gazprom ist der größte Energiekonzern der Welt, er verfügt gleichzeitig über unglaubliche Macht. Entsprechend verhält sich das Unternehmen: Gazprom handelt erpresserisch.«

Große Teile der Fanszene stehen solchen Entwicklungen machtlos gegenüber. Matthias Bettag, Sprecher des Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF), bringt die Rolle der Anhängerschaft auf den Punkt: »In der wirtschaftlichen Kalkulation der Vereine spielt die Fanszene keine Rolle. Wir können gar nichts tun, wir können nur unsere Kritik offen artikulieren.« Wenn die Verantwortlichen von »Fans« reden, deren Anliegen ihnen am Herzen liegen, meinen sie damit in aller Regel die Kunden des Vereins und nicht explizit diejenigen, die durch Fanarbeit außerhalb sowie Choreographien und Gesänge innerhalb des Stadions, die wahren Unterstützer der Mannschaft sind. Bettag: »Das einzige, was hin und wieder interessiert, ist die von Fans erzeugte Stimmung und Atmosphäre.«

Ein wichtiger Grund für den Mangel an Einfluss durch die Fans ist die fehlende Homogenität. Ultras oder vergleichbare Gruppierungen wollen sich fast nie mit den Ansichten der gemäßigten Fans gemein machen. Bettag: »Vielen Fans fehlt die Fähigkeit zur Selbstreflexion: Wenn es um die Belange ihres Vereins geht, engagieren sie sich. Beim Thema Rassismus wird es schon schwieriger, gemeinsame
Diskussionsgrundlagen zu finden. Das Thema Schwulenfeindlichkeit im Stadion wird von den meisten überhaupt nicht reflektiert.«

Zumindest in der Fanarbeit ist der FC Bayern Schlusslicht


Während der FC Bayern sonst das Flagschiff der Liga darstellt, gilt er in der Fanintegration als Schlusslicht. Seit 2003 werden nach dem Gießkannenprinzip Stadionverbote gegen Mitglieder missliebiger Fangruppen ausgesprochen. Zuletzt wurde 530 Fans pauschal die Dauerkarte verweigert, weil der Verein sie im Dunstkreis der Ultra-Gruppierung »Schickeria« vermutete. Einige Mitglieder dieser Gruppe waren zuvor in gewaltsame Ausschreitungen verwickelt worden. Solche Maßnahmen vergrößern natürlich die Kluft der Fanszene zu einem Verein, der sich auch sonst weitreichend der Kommerzialisierung geöffnet hat. Ein Versagen der Fanabteilung. BAFF-Sprecher Bettag sagt: »Raimond Aumann beim FC Bayern ist ein perfektes Beispiel von einem Fanbeauftragten, der keinerlei Bezug zur Fanszene hat.« Viele altgediente Bayern-Fans fühlen sich vom einstigen Torhüter-Idol verraten.

Es geht auch anders. Der Supporters Club des HSV (HSV-SC) genießt Vorbildfunktion dafür, wie organisierte Fans bei der Politik ihres Klubs mitbestimmen können. Mit 43 000 Mitgliedern ist der HSVSC Deutschlands größte Fanorganisation. Durch diese Stimmgewalt ist es der Gruppe im Juni 2005 gelungen, die geplante Ausgliederung der HSV-Fußballprofi s in eine Kapitalgesellschaft zu verhindern. Sie haben aktiv beim Stadionneubau mitgewirkt und eine Vielzahl an Stehplätzen und eine fanfreundliche Bewegungsfreiheit in der Arena erhalten. Der Supporters Club hält zudem die Kontrolle über sämtliche Auswärtstickets, womit verhindert wird, dass diese Tickets etwa zur Promotion von Sponsoren an deren Kunden verteilt werden können. Mit Delegierten im Aufsichtsrat und einem Vertreter im Vorstand sind die HSV-Supporters direkt in die Entscheidungsfindung miteinbezogen. Als der Vorstand 2006 die Sponsoreninitiative »Der Hamburger Weg« ohne Absprache mit den Fans beschloss und überdimensionale Werbebanden im Stadion installierte – noch dazu in vereinsfernem Rot – schlugen die Abteilungsleiter des HSV-SC Alarm. Nach nur einem Treffen mit dem Vorstand war ein Kompromiss erwirkt: die Banden wurden in Größe und Farbgebung den Fanvorstellungen angepasst. Auch wenn 43 000 Mitglieder beileibe keine homogene Meinung besitzen, ist es den Fan-Verantwortlichen doch gelungen, die Vielzahl an Anliegen aus der Fanszene zu bündeln. Sogar rund 95 Prozent der HSV-Ultras sind Mitglied im Supporters Club.

Im Juni initiierte der DFB nun seinen ersten Fankongress in Leipzig. Ob die Gespräche, die dort von Fans und Verbandsund Vereinsfunktionären geführt wurden, auch zu einem Mitspracherecht der Fanszene innerhalb der Klubs führen, wird sich zeigen. Nicht nur das Beispiel Bayern München zeigt, dass viele Vorstände sich gar nicht mit den Fans an einen Tisch setzen wollen. Dr. Wolfgang Klein, der Ex-Präsident des HSV und Rechtsanwalt, brachte es nach der Mitgliederversammlung im Dezember 2006 wie folgt auf den Punkt: »Dass dieser Sportverein von Fußballfans regiert wird, ist absolut unerträglich.« Wenigstens ein klares Statement, wem die Macht in der Bundesliga offensichtlich am allerwenigsten zugestanden wird.

Dass auch Spieler – zumindest im Kollektiv – Möglichkeiten haben, Einfluss auf das Spiel zu nehmen, ist hinlänglich bekannt. Otto Rehhagel wurde als Trainer beim FC Bayern in der Saison 1995/96 letztlich in einer Sitzung von fünf Spielern aus dem Amt gedrängt. Rummenigge und Hoeneß hörten sich mit versteinerter Miene an, wie die Kicker über den Coach, der wie ein Angeklagter mit im Raum saß, urteilten. Bei Arminia Bielefeld entschied der Kader in der Saison 1993/94 mit 23 zu 0 Stimmen für eine Entlassung des Trainers Wolfgang Sidka. Im Gegensatz dazu hielt beim HSV in der vergangenen Saison der Vorstand, auch aufgrund eines Votums des Spielerrats, lange, fast zu lange am glücklosen Trainer Thomas Doll fest.

Aber hat auch ein einzelner Spieler genug Bedeutung, um das Spiel zu beeinträchtigen? Der Klose-Transfer vom SV Werder nach München hat viele Fußballfans ratlos gemacht. Die Bremer verlieren mit ihm einen wichtigen Mann. Fragt sich also, ob der Stürmer, der in Interviews mitunter etwas einfach gestrickt rüberkommt, alle an der Nase herum geführt hat? 15 Millionen Euro Ablöse lassen viel Raum für Spekulationen. Hat er gut gepokert und am Ende die Vereine gegeneinander ausgespielt? Die Wahrheit ist leider sehr oft ernüchternd. Vieles wirkt von außen professioneller als es in Wahrheit ist. Jetzt, da sich der Rauch verzieht, wird deutlich, dass auch beim Klose-Transfer einiges im Argen lag. Vieles deutet darauf hin, dass Kloses neuer Berater Alexander Schütt seinen Schützling unbedacht über die Medien als Wechselkandidat positionierte und von der Wucht des Echos überrascht wurde. Der Druck, in der Folge auch einen spektakulären Wechsel vollziehen zu müssen, um nicht als Hochstapler da zu stehen, wurde so groß, dass Berater und Klose selbst am Ende dankbar sein können, dass Uli Hoeneß die Ablösesumme noch deutlich erhöhte und sich der Stürmer nun zumindest in das Münchner Star-Ensemble einreihen kann.

Nur wenige Spieler sind so mündig wie Christoph Metzelder, der von Dortmund zu Real Madrid wechselt, weil der Transfer ins Ausland langfristig in seiner Karriereplanung vorgesehen war, und er punktgenau von seinem Berater bei einem Top-Klub untergebracht werden konnte.

Aber kein Sport erzeugt heterogenere Gruppierungen als der Profifußball. In Bundesligaklubs spielen Menschen elegante Doppelpässe miteinander, von denen der eine keinen klaren Satz formulieren kann, und der andere nach dem Training ein BWL-Studium an der Fern-Uni absolviert. David Odonkor verlieh sein Auto schon an »Freunde«, von denen er nicht einmal den Nachnamen kannte. Die Kripo stellte den Wagen erst nach langen Recherchen an der ukrainischen Grenze sicher. Leasingautos gefallen dem WM-Star in der Regel nach zwei Monaten nicht mehr, aber er kann nicht einsehen, warum das Autohaus weiter auf sein Geld pocht.

Selbst Top-Stars geraten also in die Hände von ahnungslosen Beratern, was die Machtlosigkeit – besser gesagt Naivität – vieler Spieler widerspiegelt. Was zur Entlassung von Dick van Burik bei Hertha BSC geführt hat, zeigt allerdings, dass auch manche Spieler wissen, wo der Barthel den Most holt. Der Holländer hat offensichtlich jungen Kollegen seinen Vater als Berater angedient, der Teilen der Boy-Group um die Brüder Boateng lukrative Verträge bei Liga-Konkurrenten verschaffte. Eine solche Unterwanderung kann einem Verein erheblichen Schaden zufügen.

Das Beraterwesen in Zeiten der Globalisierung führt mitunter zu bizarren Konstellationen. Bei den Profis des FC Schalke 04 kicken insgesamt sieben Spieler, die vom Mannheimer Spielerberater Roger Wittmann und dessen Unternehmen Rogon vermittelt werden. Eine gefährliche Situation, findet auch Heribert Bruchhagen: »Ich sehe zu, dass nicht zu viele Spieler von einem Berater in unserem Team sind.« Als René C. Jäggi 2002 als Sanierer zum 1. FC Kaiserslautern kam, hatte Rogon zehn laufende Verträge (Gesamtvolumen: 30 Millionen Euro) mit dem Verein. Rudelbildungen dieser Art können im Extremfall die Vereinspolitik mitbestimmen: Spieler von einem Vermittler glucken in den Teams oft zusammen und bilden Allianzen gegen Mitspieler. Was aber viel schlimmer ist: Der Berater kann bei auslaufenden Verträgen von wichtigen Spielern Druck auf die Vereinsführung machen. Jäggi berichtete der Zeitschrift »Matador« wie die Zusammenarbeit mit einem Berater funktioniert, der einen Großteil des Kaders stellt: »Etwa so, dass man sich mit dem Mann unterhält, und der sagt: Wir werden schon dafür sorgen, das wir nicht absteigen. Das kriege ich mit meinen Spielern hin.« Vorstellbar sei, »dass so eine Aussage auch andersherum laufen kann.«

Es soll Spielervermittler geben, die in Verhandlungen subtil nachfragen, ob sich die Vereinsführung auch vorstellen könne, bei einem weniger interessanten Spieler ins Geschäft zu kommen, wenn man sich über den Vertrag eines Stars einig werde. Dr. Michael Becker: »Wenn eine Klubführung zulässt, dass ein Berater eine groteske Anhäufung von Spielern bei einem bestimmten Verein hat, so ist dies sicher kein Zufall. Wenn der halbe Kader bei einem Berater eingekauft wurde, könnten Gründe dahinter stehen, die nicht nur im sportlichen Bereich liegen.«

2004/05 gingen 30 Millionen Euro von den Profiklubs an Spielerberater


Es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass namhafte Berater bereits einem Spieler das Angebot eines Bundesligisten vorenthielten und an einen Zweitligisten vermittelten, weil es dort eine höhere Provision zu kassieren gab. Manche Beraterverträge schließen sogar eine Beteiligung am Gehalt des Spielers mit ein, obwohl der Vermittler bereits eine Provision vom Verein für den Transfer erhalten hat. Sogar unter Trainern und Sportdirektoren gibt es schwarze Schafe, die bei Transfers die Hand aufhalten. Sie regeln im Vorfeld mit dem Berater, welche Summen sie bekommen, wenn es ihnen gelingt, einen Spieler bei ihrem Verein unterzubringen. Dieses so genannte Kick-Back-Verfahren wird natürlich allseits bestritten. Seriösen Vertretern der Berater-Zunft, wie Kon Schramm, Norbert Pflippen (u.a. Torsten Frings) oder Dr. Michael Becker machen solche Deals das Leben schwer, weil sie den Ruf ihres Geschäftszweigs schädigen. Sie bekommen ihr Geld auf legalem Weg für durchgeführte Transfers in Form einer Provision, die vom Käufer auf Rechnungsbasis gezahlt wird, sowie einen Prozentanteil bei Abschluss von Sponsorenverträgen.

Da jeder Mensch in Deutschland unter Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes oder Steuerberaters de facto als Spielerberater tätig sein kann, ist das Business offen für zahlreiche Abzocker. Und es ist ja auch nicht so, dass die Spitzenvereine die Verhandlungen etwa mit Klose-Berater Schütt oder Roger Wittmann ablehnen. Die DFL arbeitet derzeit Lösungen aus, um das Beraterwesen transparenter zu gestalten, weil es oft auf nicht genau nachvollziehbaren Wegen hohe Geldbeträge aus dem Ligabetrieb abzieht. 30 Millionen Euro sollen in der Saison 2004/05 von deutschen Profiklubs in die Taschen von Beratern geflossen sein. Geht es nach der DFL, sollen Spieler zukünftig erfahren, was ihr Berater für einen Transfer als Provision verdient hat. Andreas Rettig: »Sie wollen doch auch wissen, was ihr Zahnarzt für die Behandlung bei der Kasse abrechnet.« Die Macht in der Bundesliga liegt also in vielen Händen. Irgendwo im Spannungsfeld zwischen Funktionären, Marketing, Medien, Fans, Beratern und Spielern. Es gibt keine Illuminaten, keine Templer oder Logen, die in geheimen Sitzungen entscheiden, wie der Ball rollt oder welche Spieler in welchem Jersey auflaufen. Im Übrigen, die sportlichen Ergebnisse rufen immer wieder Reaktionen innerhalb dieses Gefüges hervor, die hinterher von den handelnden Personen nur als himmelschreiende Unvernunft oder schlichte Affekthandlungen erklärt werden können.

Das ist ja das Schöne, denn so bleibt Fußball stets Hypothese. Trainer, Spieler, Berater, Manager, Reporter und Präsidenten – sie kommen und gehen. Augsburg-Manager Andreas Rettig aber dräut, dass in letzter Konsequenz nur eine Instanz entscheidet, ob und wie der Ball auf dem Rasen der Bundesligastadien rollt: »Der Wettergott!«



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