Gutendorf erklärt die Welt #2: Dünnpfiff auf den Fidschis

»Komm Rudi, wir trinken einen!«

Rudi Gutendorf hat auf seinen 55 Trainer-Stationen verrückte Dinge erlebt. Auf den Fidschi-Inseln musste er Wurzel-Suppe trinken und den Schiedsrichter vor Schlägen der Spieler schützen. Bei 11FREUNDE erzählt der Weltenbummler seine Anekdoten.

Rudi Gutendorf

Besonders schöne Momente habe ich auf meinen Stationen in der Südsee erlebt. Speziell meine Trainerstation auf den Fidschi-Inseln 1987 habe ich genossen. Freunde, das war eine Zeit!

Die Hintergründe auf den Fidschi-Inseln sind ähnlich vertrackt wie in Ruanda. Die Bevölkerung besteht zur einen Hälfte aus eingeborenen Insulanern und zur anderen aus vor 150 Jahren eingewanderten Indern. Als die Engländer noch in der Südsee das Sagen hatten, schifften sie etliche Frauen und Männer aus ihrer indischen Kolonie auf die Insel. Sie sollten für wenige Penny pro Tag Zuckerrohr schneiden. Ich fand also eine extrem aufgeladene Stimmung unter den Einwohnern vor. Das spürte ich auch beim Fußball.

Trotzdem wurde ich bei meiner Ankunft auf den Fidschi-Inseln von den Leuten gefeiert. Ich war der Star, sie wussten, dass ich ihnen fußballerisch viel beibringen konnte. Das beruhigte mich etwas, hieß es doch gleichzeitig, dass der Konflikt der beiden Gruppen meine Arbeit nicht beeinträchtigen sollte. Den endgültigen Respekt erlangte ich aber durch ein anderes spezielles Ritual: das Kava-Trinken.

Die Königin und der Dünnschiss

Kava ist ein Nationalgetränk, eine Art Wurzelsuppe. Die Frauen mahlen Wurzeln eines Pfeffergewächses und füllen es dann mit Wasser auf. Kava ist kein Doping, wenn man es aber getrunken hat, fühlt man sich irgendwie aufgepuscht. Nicht umsonst heißt die Pflanze, aus der das Getränk hergestellt wird, auch »Rauschpfeffer«. Der Haken an der ganzen Sache: Die Kava-Suppe schmeckt abscheulich.

Es schüttelt mich heute noch, wenn ich daran denke. Jedes Mal, wenn mich meine Freunde beim Nationalteam freundlich lächelnd mit einem Becher in der Hand heranwinkten, wäre ich am liebsten weggelaufen. Es gab jedoch kein Entkommen, auf den Fidschis gehört das gemeinsame Trinken zum guten Ton. Das Getränk schmeckt ein bisschen wie Cola mit Erdgeschmack, fürchterlich! Ich habe das Zeug gehasst, vielleicht auch, weil es in unheimlicher Hitze hergestellt wurde. Mehrfach habe ich gesehen, wie der Schweiß der Frauen in die Suppe tropfte. Dementsprechend reagierte mein Körper auf die Kava-Brühe: Immer wenn ich sie trank, habe ich sofort Dünschiss bekommen. Ihr könnt euch vorstellen, wie angenehm das ist. So erging es übrigens auch der englischen Königin Elizabeth. Kaum hatte sie eine halbe Kokusnussschale ausgetrunken, verdünisierte sie sich. Ich wusste wohin...

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