Gutendorf erklärt die Welt #1

Lagerfeuern in Ruanda

Rudi Gutendorf hat fast alles gesehen! Auf seinen 55 Trainer-Stationen hat er weltweit Erfahrungen gesammelt. Ab sofort schreibt der Weltenbummler bei 11FREUNDE über seine schönsten Anekdoten. Und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Rudi Gutendorf

Wenn ich auf meine abenteuerlichsten Stationen zurückschaue, denke ich direkt an Ruanda. Das war eine Zeit!

1999 trainierte ich die Nationalmannschaft. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was da im Land abging. Es gibt zwei soziale Schichten, die sich abgrundtief hassen: Auf der einen Seite die Tutsis, der gehobenere Stand, die Intelligenten. Ihnen stehen die Hutus gegenüber, das einfache Volk. Die beiden Gruppen schlachteten sich 1994 im Krieg gegenseitig ab und sorgten für einen der schlimmsten Völkermorde weltweit.

Wie angespannt die Situation im Land auch fünf Jahre danach noch war, erfuhr ich schon an meinem ersten Arbeitstag. Als ich morgens im Hotel auf meinen Chauffeur wartete, der mich zum Trainingsplatz bringen sollte, standen plötzlich zwei Soldaten vor mir. Ich schaute sie mit großen Augen an. Mit diesem persönlichen Fahrdienst hatte ich nicht gerechnet. Auf einem offenen LKW brachten mich die beiden Männer zum Platz.

»Rudi, was machst du hier?«

Während der ganzen Fahrt hielten sie ihr Gewehr im Anschlag, weil sie nicht wussten, wie Hutus und Tutsis auf mich reagieren würden. Ihr müsst wissen: Der Weiße hat in Ruanda immer noch keinen einfachen Stand. Die Ankündigung der Soldaten, hinter jedem Baum könne jemand stehen und auf mich schießen, machte mir Angst. Ich habe nur gedacht: »Rudi, was machst du hier?« An den ersten Tagen setzte ich mir das Ziel, beide Gruppen im Fußball so gut es geht zu versöhnen.

Für das Nationalteam habe ich immer neun vom einen und neun vom anderen Stamm nominiert. Fußballspielen konnten sie übrigens alle. Die Abwehr war eisenhart, echte Schlachtrösser. Wenn die eingestiegen sind, flogen die Fetzen. Leider haben sich die Spieler damals aber vor allem untereinander bekriegt. Das erlebte ich schon in einer meiner ersten Trainingseinheiten.

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