25.07.2013

Guillermo Cóppola, Manager und Seelenpartner von Diego Maradona

Stellvertreter Gottes

Seite 2/3: »Sie hätten Diego umgebracht!«
Text:
Robin Hartmann
Bild:
Imago

»Das ganze Stadion hat damals unsere Namen gesungen«, erinnert sich Cóppola an die Premiere von Maradona. Ganz Neapel empfängt das Paar mit einer grenzenlosen Liebe, die noch gesteigert wird, als der Club 1987 mit Maradona zum ersten Mal überhaupt in seiner Geschichte die italienische Meisterschaft gewinnt. 1986 führt der Goldjunge die Albiceleste in Mexiko zum Weltmeistertitel und wird zum überragenden Spieler des Turniers, sein zweiter Treffer gegen England wird später zum »Tor des Jahrhunderts« gewählt. Für Maradona und Cóppola stehen danach alle Türen offen, sie wohnen in den edelsten Suiten, haben in Neapel einen festen Tisch im Nobelrestaurant »La Sacrestia«, eine Ehre, die sonst nur den lokalen Camorra-Bossen vorbehalten ist. Der SSC besorgt Maradona den weltweit ersten schwarzen Ferrari Testarossa, um ihn zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, denn längst sind Begehrlichkeiten bei einem Mann geweckt, der es gewohnt ist, zu bekommen, wonach er verlangt.

»Elton hat mir ein eindeutiges Angebot gemacht«

Der damals noch junge, aber schon genauso windige Geschäftsmann und Politiker Silvio Berlusconi, Präsident des AC Mailand, möchte Maradona zu seinem Verein locken - und bietet seinem Manager Cóppola neben einem Apartement für eine Millionen Dollar auch einen Dienstwagen im Wert von 250.000 sowie ein Monatsgehalt von 50.000 Dollar. Als die Presse in Neapel von dem möglichen Wechsel Wind bekommt, legt jemand eine Bombe auf dem Gelände des Fernsehsenders »Canal 5« ab, der ebenfalls Berlusconi gehört. »Wäre Diego damals gewechselt, hätten sie ihn wohl umgebracht«, erinnert sich Cóppola in einer Dokumentation über sein Leben, das er selbst produziert und eingesprochen hat. Maradona und Cóppola bleiben in Neapel, verdienen an der Vertragsverlängerung Millionen, und umgeben sich noch mehr als vorher mit Leuten aus der High Society, feiern beispielsweise mit Rod Stewart oder Elton John – ein Treffen, um das sich noch heute Legenden ranken. »Elton hat mir ein eindeutiges Angebot gemacht«, so Cóppola. »Er wollte, dass ich mit auf sein Zimmer komme. Das habe ich aber höflich abgelehnt mit der Begründung, am nächsten Tag früh aufstehen zu müssen.«

Doch der lockere Lebenswandel hinterlassen auch Spuren. Bei der WM 1990 in Italien ist Maradona bereits übergewichtig und außer Form, Argentinien verliert das Finale gegen Deutschland mit 1:0. Damals ist Diegos Kokain-Sucht bereits ein offenes Geheimnis, und es gibt nicht wenige, die vermuten, Cóppola sei für die Beschaffung der Drogen zuständig. Aus der Sommerpause kehren beide Tage verspätet zurück, und als Maradona das erste Mal offen über Wechsel-Absichten spricht, kippt die Stimmung in Neapel. Er und sein Manager werden von den Fans jetzt ausgepfiffen, Steine fliegen durch Fenster, auf Cóppolas Auto wird geschossen, woraufhin er vorübergehend aus Italien flieht. Maradona fühlt sich im Stich gelassen und trennt sich am 12. Oktober 1990, wiederum an Cóppolas Geburtstag, zum ersten Mal von seinem Berater. Am 17. März 1991 wird Maradona beim SSC Neapel entlassen, nachdem ihm bei einer Dopingprobe die Einnahme von Kokain nachgewiesen wird.

 
 
 
 
 
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