Groundhopping mit Uwe Fellensiek: Das Jahrhundertspiel

Inkybaby reagiert nicht mehr

Der Schauspieler Uwe Fellensiek hat eine bewegte Karriere als Fan des VfL Bochum auf dem Buckel. Hier erinnert er sich an das legendäre 5:6 seines VfL gegen den FC Bayern am 18. September 1976. Mit von der Partie: Die schöne Inky. Ein Drama in zwei Halbzeiten.

imago

Es war der 18. September 1976. In Bochum wurde das Stadion an der Castroper Straße Schritt für Schritt zum Ruhrstadion ausgebaut. 40.000 Zuschauern sollte das Schmuckkästchen nach seiner Fertigstellung Platz bieten. Zum heutigen Bundesligaspiel fanden gerade mal 17.000 Fans Einlass, da große Teile der Tribünen wegen der umfassenden Bauarbeiten gesperrt waren. Der VfL trat mit einer Rumpfmannschaft an. Stars wie Eggeling, Fromm und Köper waren verletzt, Trainer Heinz Höher wollte mit einer stark defensiv ausgerichteten Aufstellung zumindest eine klare Niederlage oder gar ein Debakel verhindern. Immerhin ging es gegen den FC Bayern München. Nichts deutete also darauf hin, dass dieser Tag einmal als »Das Jahrhundertspiel« in die Fußballgeschichte Bochums eingehen sollte.

Das war Inky: High Heels, Hot Pants, enges Oberteil

Trotz größter Nachfrage hatte ich über Umwege noch zwei Karten ergattern können. Eine davon hatte ich meiner damaligen Freundin Inky geschenkt. Sie sah toll aus. Mit ihren schlanken langen Beinen hätte sie gut und gerne auch als Unterwäsche-Model für den Ottoversand arbeiten können. Ich war davon überzeugt, dass ich mit diesem außergewöhnlichen Geschenk einen echtenTreffer bei ihr landen würde. Ich wußte zwar, dass Sport sie nicht sonderlich interessierte und dass sie Fußball im Besonderen für eine primitive Männersache hielt. Aber zum einen stand sie auf gute Kerle, sodass 44 knackige Männerschenkel und Waden ihre Wirkung auf sie sicher nicht verfehlen würden. Und zum anderen legte sie Wert darauf, mir und der Welt zu zeigen, wie cool sie war. Sie hatte sich angemessen in Schale geworfen. Bei über 30 Grad Celsius bedeutete das High Heels, Hot Pants und ein Oberteil, dass seiner eigentlichen Funktion nur unzulänglich gerecht wurde und sich wie eine zweite Haut über ihre kleinen festen Brüste spannte.

Das Spiel wurde mit leichter Verspätung angepfiffen. Wir hatten unsere Stehplätze in meiner angestammten Ostkurve eingenommen, leicht seitlich vom harten Kern der Bochumer Fans. Die Reihen standen dicht gedrängt. Inky hatte sich bei mir eingehakt. Ihre strohblonden Haare fielen ihr lässig über die nackten Schultern. Ich gab ihr eine kleine Einweisung ins Fußball-Einmaleins. Sie lächelte mich an und verschloss meine Lippen mit einem heißen Kuss. Ich hatte ein gutes Gefühl.
 
Jupp Kaczor, der neue Held

Entgegen der allgemeinen Erwartung kam unsere Mannschaft gut ins Spiel und bereits nach einer Viertelstunde lag der Ball zum überraschenden 1:0 durch ein Eigentor eines Münchener Abwehrspielers im Tor von Sepp Meier. Wie selbstverständlich warf Inky sich jubelnd in meine Arme und küsste mich stürmisch. Na bitte, alles richtig gemacht, dachte ich, drückte sie fest an mich und genoss diesen besonderen Moment der Zweisamkeit inmitten der johlenden Menge.

Auf dem Rasen machte der VfL das Spiel. Wie selbstverständlich lief der Ball durch die Bochumer Reihen. Nachdem in der Saison 1974/75 mein Lieblingsspieler Hans Walitza, der wunderbare Mittelstürmer des VfL, für die damalige Rekordsumme von 660.000 Mark an den 1.FC Nürnberg transferiert worden war, sollte nun ein Nobody vom Landesligisten Eintracht Hamm-Heesen die Kohlen für uns aus dem Feuer holen: Jupp Kaczor war sein Name. In seiner ersten richtigen Aktion spielte er Beckenbauer den Ball durch die Beine, ließ Katsche Schwarzenbeck gekonnt aussteigen und hämmerte den Ball kurz und trocken in den Winkel. Bumm! Dieses Tor, vor allem die Art wie es erzielt wurde, ließ die Fans das erste Mal richtig ausflippen. Sie brüllten haltlos vor Freude und drängten von oben herab. Es wurde enger, als uns lieb war. Inky bekam kaum noch Luft und ich bemühte mich, ihr die schwitzenden Leiber so gut es ging fern zu halten. Es war stickig. Die brutale Hitze lag wie eine Glocke über dem Stadionkessel.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!