Grönland will in die FIFA

Grün ist die Hoffnung

Seit Jahren sucht Grönland den Anschluss an den Weltfußball. Um in den erlesenen Kreis der FIFA zu kommen, geht die Insel der »Polar-Teddybären« neue Wege. Facebook-Nutzer kämpfen für einen »Rasen für Grönland«. Grönland will in die FIFA Wenn der kleine Mann in das große Land kommt, gebührt ihm alle Aufmerksamkeit. So sehen das die Grönländer. Denn der FIFA-Präsident höchstpersönlich kommt zu Besuch. Um sich Schnee und Eisberge auf der größten Insel der Welt anzuschauen. Aber vor allem, so hoffen die Grönländer, um das Land endlich in den Kreis von Sepp Blatters FIFA-Familie aufzunehmen.

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Seit Jahren bemühen sich der nationale Fußballverband GBU und das Auswärtige Amt, den Fußballweltverband von der Sportbegeisterung in Grönland und der Ernsthaftigkeit der Bemühungen zu überzeugen. Bisher ohne Erfolg. Die FIFA fordert internationale Spielbedingungen. Für das Land am Rande des Polarkreises sind das nahezu unüberwindbare Hürden. Kaum Spielstätten, kein Geld. Helfen sollen jetzt virtuelle Fans aus aller Welt. Mit der Facebook-Aktion »Rasen für Grönland« versucht das Land einen weiteren Schritt auf dem langen Weg in den Weltfußball.

Der Hauptinitiator der Kampagne, Allan Olsen, hat selbst lange Fußball gespielt und arbeitet mittlerweile als Berater für die grönländische Regierung. »Als ich erfuhr, dass Sepp Blatter nach Grönland kommt, schien mir das eine gute Gelegenheit, um Leute zu gewinnen, die sich für uns stark machen«, sagt Olsen. Er selbst hat von seinem Arbeitsplatz keinen Zugriff auf die Facebook-Seiten. Eine strenge Kontrolle des Internets zwingt ihn dazu, sich vom Erfolg seiner Aktion größtenteils von einer deutschen Agentur berichten zu lassen. Olsen hatte die Agentur beauftragt, in Deutschland die Kampagne ins Rollen zu bringen.

Neue Hoffnung auf Kunstrasen

Mittlerweile mehr als 700 Fans und Fotos aus 20 Ländern sind kein überbordender Erfolg. Aber Olsen sieht sich und sein Land auf dem richtigen Weg. »Wir wollen zeigen, dass wir nicht die einzigen sind, die sich für einen Rasen in Grönland einsetzen.« Als »Kuriosität am Rande« wollen die Grönländer den FIFA-Delegierten vor Augen führen, welchen Stellenwert eine Mitgliedschaft für sie hat. »Ich bin mir nicht sicher, wie sehr sich Sepp Blatter für Facebook interessiert«, räumt Olsen ein. Dennoch, im Kampf um die Aufmerksamkeit der FIFA will er nichts unversucht lassen. Das Internet bietet ihm die notwendigen, kostengünstigen Möglichkeiten. »Wer weiß, vielleicht ist das ja nur der erste Schritt einer noch viel größeren Kampagne.« Vieles hängt vom Besuch der FIFA ab. Und von der Entscheidung der hohen Gesandten.

Während drei Tagen besucht Blatter Mitte September die Stadt Qaqortoq, wo der erste Kunstrasenplatz Grönlands steht, die Hauptstadt Nuuk und die Stadt Ilulissat, um sich dort Sportanlagen und einen der größten Gletscher der Welt zeigen zu lassen. Grönland lebt vom Fischfang und Extremurlaubern, die sich auf Tiersafaris als echte Abenteurer rühmen können. Die Eisberge – und nicht zuletzt die voranschreitende Eisschmelze – laden zu Naturschauspielen ein. Grönland gilt als übereistes Versteck von Bodenschätzen. »Aber mit diesen Dingen können wir uns hier fußballerisch nicht weiter entwickeln«, sagt Olsen. Zu weit entfernt vom großen Fußball ist man südlich des Polarkreises. Auch der Nationaltrainer der »Polar-Teddybären«, Jens Tang Olesen, hofft deshalb auf »ein tieferes Verständnis für die Anliegen Grönlands« bei der FIFA. »Ich weiß, dass der nationale Fußballverband große Hoffnungen in diesen Besuch setzt«, sagt Allan Olsen.


Seit vergangenem Jahr gibt es zumindest einen Kunstrasenplatz. Die Maße entsprechen zwar nicht der internationalen Norm. Aber zumindest  können Fußballer in der Stadt Qaqortoq auf meist rutschigem Teppich, statt bisher auf Schlamm und Sand spielen. Auf sattes Grün muss Tang Olesen mit seiner Mannschaft verzichten. »Oft liegen die Temperaturen auch im Sommer nahe dem Gefrierpunkt. So wächst kein Halm«, sagt der Nationaltrainer. Den Bau des Kunstrasenlatzes hat die FIFA mit unterstützt. Nachdem seit 2004 laut FIFA-Regeln internationale Fußballspiele auch auf Kunstrasen ausgetragen werden dürfen, ist in Grönland neue Hoffnung erwacht.

Im Klub der Inselnationen

Eine Mitgliedschaft bei der FIFA könnte auch die nationale Liga verändern. Bisher trägt der Verband die Meisterschaft in einem zweiwöchigen Entscheidungsturnier in der Hauptstadt Nuuk aus. Die Mannschaften qualifizieren sich in ihren Regionen für die Finalrunde. Namhafte Begegnungen wie Malamuk gegen K 1933 oder N 85 gegen K’ingmek’-45 könnten in Zukunft das ganze Jahr über stattfinden – in großen Fußballhallen. Die Grönländer erhoffen sich viel, falls sie in die FIFA aufgenommen werden sollten. »In jedem Bereich könnte es professioneller zugehen. Allein die Möglichkeit von Seminaren für Trainer und Schiedsrichter«, ist sich Olsen sicher, würde den Fußball in Grönland auf ein ganz anderes Niveau heben. Die Erwartungen sind groß, vielleicht zu groß. »Ich denke, dass wir irgendwann mal ein Nationalstadion in der Hauptstadt Nuuk brauchen«, blickt Olsen in die Zukunft.

Zu den entfernten Nachbarn im Süden blicken die Grönländer voller Neid. Schon einige Breitengrade südlicher wird trotz strenger Winter Fußball in Hallen gespielt. »In Norwegen oder Island ist es ja auch möglich, wie man sieht«, sagt Olsen. Stattdessen müssen sich die Grönländer regelmäßig darum bemühen, sich überhaupt mit anderen Nationen im Fußball messen zu können. Allan Olsen hat als Kind bei Turnieren mitgespielt, die speziell für kleine Inselnationen organisiert wurden. Der dänische Fußballverband hatte eine Teilnahme Grönlands unterstützt. Eine Farce angesichts der Größe Grönlands. Doch die jungen Fußballer freuten sich, ein Stück Weltfußball mitzuerleben.

Brasilien am Nordpol

»Wir sehen die großen Fußballnationen immer nur im Fernsehen. Aber live vor Ort bekommen wir nie jemanden zu Gesicht«, sagt Olsen. Dabei ist die Sportbegeisterung, insbesondere für den Fußball bei den knapp 60.000 Einwohnern riesig. Einige Sportler spielen für den selben Verein im Winter Handball und im Sommer Fußball. Große Erfolge von ausländischen Vereinen im europäischen Fußball feiern die Grönländer mit Autokorsos und Fahnen, als ob sie selbst gewonnen hätten.

Auch deswegen ist Allan Olsen vor dem Besuch von Sepp Blatter optimistisch. »Bei uns spielen Kinder genauso auf der Straße Fußball wie in Brasilien. Nur ist es hier halt ein bisschen kälter.« Die Facebook-Kampagne will er, unabhängig von der FIFA-Entscheidung weiter laufen lassen, vielleicht in verschiedenen Fremdsprachen. Portugiesisch sollte dabei auf keinen Fall fehlen.

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