Grafite geht nach Dubai – das sind seine Vorgänger

10 Dinge über Wüstenfußball

Grafite wechselt vom VfL Wolfsburg zu Al-Ahli nach Dubai. Neben Hitze und Ölgeld warten auch andere Unwägbarkeiten. Um den Brasilianer vor einem Kulturschock zu bewahren, präsentieren wir zehn Anekdoten aus der Wüste. Grafite geht nach Dubai – das sind seine Vorgänger

1.
Wer in die Wüste geht, muss auch leben wie ein Prinz. Dachte sich vermutlich Stefan Effenberg, als er bei Al-Arabi in Kater anheuerte. Der Tiger checkte für seinen gesamten Aufenthalt in die Amiri-Suite vom Hotel Ritz-Carlton ein: 151 Quadratmeter feiner Luxus, Jacuzzi, Sauna, im TV alle deutschen Sender – und jeden Dienstag heimische Küche mit Knödeln, Sauerkraut und Griesnockerlsuppe.



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2.
Wo Wüste ist, das ist auch Geld. Usbekistan kratzt zwar nur an der Grenze zum Orient, besteht aber trotzdem größtenteils aus Sand, Staub und Brache. Der FC Bunyodkor lockte dann auch eine lange Liste illustrer Spieler zu Verhandlungen in die Hauptstadt Taschkent: Samuel Eto'o, Andrés Iniesta, Carles Puyol, Rivaldo und Cesc Fàbregas wurden schon vorstellig. Verpflichtet werden konnte keiner. Geld ist vielleicht doch nicht alles.

3.
Ab Juni 2011 wird auch Diego Armando Maradona zum Wüstenfuchs. Den Argentinier, nach der enttäuschenden WM 2010 bei der »Albiceleste« gefeuert, treibt indes nicht nur die Freude auf finanziellen Gewinn, sondern auch die Angst vor finanziellem Verlust: In Italien, wo er eigentlich anheuern wollte und sollte, drücken noch 38 Millionen Euro Steuerschulden aus seiner Zeit beim SSC Neapel. »El Diez« entschied sich gegen die Serie A und hält die Hand Gottes bei Al-Wasl in Dubai auf, wo er innerhalb von zwei Jahren »die Strukturen professionalisieren« soll.

4.
Weniger als zwei Monate dauerte das Engagement von Dick Advocaat als Teamchef der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Im Juli 2005 unterschrieb der »kleine General« in der Wüste, nur um sich schon im September des gleichen Jahres wieder freizukaufen. Ihm war vom südkoreanischen Verband angetragen worden, die Nationalmannschaft zur WM 2006 zu trainieren. In den Emiraten reagierten sie verstimmt auf den plötzlichen Abgang und auch die Bilanz von Advocaat konnte nicht trösten: Zwei Spiele betreute der Belgier, beide fanden im Rahmen eines Freundschaftsturniers statt – einem 7:6 (1:1 nach 90 Minuten) im Elfmeterschießen gegen Kuwait folgte gegen Ägypten ein 4:5, auch vom Punkt, nach 0:0 in regulärer Zeit.

5.
Nicht nur das Salär, auch die Kontrakte heben sich in der Wüste von der Norm ab. Als Wolfgang Sidka im Jahr 2000 vor versammelter Pressemeute als neuer Nationaltrainer Bahrains vorgestellt wurde, glaubte er das Vertragswerk eigentlich zu kennen. Er hatte das mehrseitige Dokument in Deutschland immerhin etliche Male gelesen und auch von seinem Anwalt absegnen lassen. Im Blitzlichtgewitter aber entdeckt Sidka eine neue, später beigefügte Klausel der Bahrainis: Sieben Monate Laufzeit, davon die ersten drei mit täglicher Kündigungsfrist. Der deutsche Übungsleiter staunte und unterschrieb. Mit Unterbrechungen blieb er bis 2007 im Ölstaat aktiv. 

6.
Die WM 2022 findet in Katar statt. Eine Idee der FIFA, die nicht nur Fußballfans aller Kontinente auf die Barrikaden treibt, sondern auch den baldigen Gastgeber vor die Aufgabe stellt, eine Mannschaft zu bauen. Nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung stammen tatsächlich aus Katar. Ein Engpass, den man auch mit fremden Spielern zu kitten gedachte. Ärgerlich nur, dass sich der Weltverband in diesem Anliegen ausnahmsweise mal nicht ganz so großzügig zeigte und untersagt hat, Ailton, Leandro und Dedé einzukaufen. Jetzt muss Katar doch auf den Nachwuchs setzen.  

7.

Was ein echter Basler ist, ändert sich auch in der Wüste nicht. In seiner Zeit bei Qatari al-Rayan legte sich Super-Mario mehrfach mit den Schiedsrichtern an. Trotz oder gerade wegen üppigem Gehalt fühlte sich der ehemalige Lauterer dem sportlichen Ehrgeiz verpflichtet. Den Rekord schaffte Basler, als er vehement gegen eine rote Karte protestierte: Sechs Spiele Sperre und 5000 Riyals (umgerechnet 14.600 Euro) Strafe waren die Folge.

8.
Gut, dass Gabriel Batistuta bei Al-Arabi anheuerte und nicht in Saudi-Arabien. Er hätte sonst nämlich seine Mähne lassen müssen. Die strengen religiösen Sitten des Landes schließen die Haarlänge ein (beziehungsweise: aus). Im Januar 2006 begann das Ligaspiel zwischen Al-Ittihad Jiddah und Al-Shabab Riad mit neun Akteuren auf der einen und zehn auf der anderen Seite. Drei Kickern war das Mitwirken wegen unangemessener Frisuren verweigert worden, Nationalspieler Mohammed Noor musste gar 2000 Dollar Strafe zahlen und drei Begegnungen aussetzen. Seit dem skandalösen Vorfall steht bei jedem Spiel ein Friseur bereit.

9.
Auch Al-Saadi Gaddafi hat sein Spuren hinterlassen im Wüstenfußball. Anno 2000 verkündete der Sohn des Diktators als Präsident des libyschen Fußballverbandes die Verpflichtung von Doping-Sprinter Ben Johnson, Trainer-Urgestein Carlos Bilardo und natürlich Diego Maradona. Letzterer musste wegen Reha-Termine leider absagen, Bilardo aber trainierte das Nationalteam für einige Wochen und auch Johnson blieb die vereinbarten drei Monate in dubioser Funktion irgendwo zwischen Motivator, Fitnesscoach und Maskottchen.

10.
Lange bevor Mario Basler und Stefan Effenberg gen Südosten exilierten, buhlten und baggerten die Scheichs schon um Berti Vogts. Der Terrier weilte 1986 als Trainer der deutschen U-18 für ein Turnier in Katar. Sultan Khalid Al-Suwaidi zögerte nicht und rief ein Angebot auf, O-Ton: »Bei der Summe dürfte er eigentlich lange überlegen.« Vogts überlegte kurz – und sagte dann höflich ab: »Ich kann meine Jungs nicht im Stich lassen.« Treu und pflichtbewusst reiste er zurück in die graue Heimat. Heute würde Vogts vielleicht anders antworten, aber weil kein Angebot aus der Wüste mehr einfliegt, lässt er sich als Coach von Aserbaidschan nach Pressekonferenzen mit Toilettenpapier bedrohen.

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