Gladbachs Einspruch gegen Spielwertung

Eine Frage der Moral

Die Affäre um die beiden zu spät zur Doping-Kontrolle erschienenen Hoffenheimer Spieler weitet sich aus. Borussia Mönchengladbach hat Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt – und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Gladbachs Einspruch gegen SpielwertungImago Was schafft der Mensch in zehn Minuten? Er kann einen Hamburger mit Pommes verputzen, Fast Food eben. Er kann sich »Child in Time« von Deep Purple anhören, die Live-Version. Er kann sich in Bochum in einen Intercity setzen und bis Dortmund fahren. Und wenn er Fußballprofi ist und nach Spielschluss zur Doping-Kontrolle gebeten wird, kann er zehn Minuten vertrödeln, dadurch einen Skandal auslösen und sich der Gefahr aussetzen, möglicherweise ein ganzes Berufsjahr durch eine Sperre zu verlieren.

[ad]

Die Affäre um die beiden Hoffenheimer Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, die nach dem 1:1 in Mönchengladbach nicht direkt in den Kontrollraum durchstarteten, spitzt sich weiter zu. Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick überrascht mit der Behauptung, Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien seien in der Bundesliga an der Tagesordnung. Spieler hätten wiederholt die Erlaubnis erhalten, sich in der Kabine ein frisches Trikot anzuziehen.

Völler und Beiersdorfer beklagen sich

In der Liga wird aber nicht mehr nur über die Fahrlässigkeit der Hoffenheimer diskutiert, sondern auch über die Reaktion der Gladbacher. Die haben Einspruch gegen die Wertung des Spiels eingelegt und sich damit bei einem Teil der Konkurrenz unbeliebt gemacht. Denn es kann der Eindruck entstehen, die Gladbacher erhofften sich, von dem Formfehler der Hoffenheimer profitieren zu können – schließlich wurden die beiden Spieler negativ getestet.

»Das ist ein Witz, das gehört sich nicht«, meint Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, und sein Hamburger Kollege Dietmar Beiersdorfer gibt ihm Recht: »Das hat mit Solidarität nichts zu tun, da sollte man eine sportliche Lösung finden.« Ein Einspruch ist nach der DFB-Rechtsordnung möglich, »wenn in einem Spiel ein gedopter Spieler mitgewirkt oder sich ein Spieler schuldhaft geweigert hat, sich einer Doping-Kontrolle zu unterziehen«.

Medaille mit zwei Seiten

Einer der Konkurrenten der Gladbacher im Abstiegskampf ist der VfL Bochum. Dessen Aufsichtsratsvorsitzender Werner Altegoer erklärt, die Medaille habe zwei Seiten. »Borussia Mönchengladbach hat seinen Mitgliedern gegenüber die Pflicht, alles zu versuchen, die Liga zu erhalten«, meint er. »Die Verantwortlichen müssen deshalb so handeln.«

Die Rückseite der Medaille bringt den moralischen Aspekt zum Vorschein: »Mir würde ganz flau im Magen, wenn die Gladbacher dafür drei Punkte zugesprochen bekämen«, betont Werner Altegoer. »Das darf nicht sein, das wäre eine weitere Wettbewerbsverzerrung – wir leiden schon unter der ungerechten Verteilung der TV-Gelder.«

Peter Peters, Geschäftsführer des FC Schalke 04 und Vizepräsident der Deutschen Fußball-Liga, hält es für »klug, diesen Fall sehr differenziert zu bewerten«. Zunächst einmal sei das Einhalten der Doping-Vorschriften »extrem wichtig, um die Unangreifbarkeit unseres Sportes sicherzustellen«. Alles andere sei nachrangig – also auch das Verhalten von Borussia Mönchengladbach, das Peter Peters grundsätzlich nicht verurteilt: »Jeder Verein wahrt doch in einer unklaren Rechtssituation seine eigene Rechtsposition«, sagt er. »Und mehr ist doch noch gar nicht passiert. Wenn nachher alles auf dem Tisch liegt, kann man sich immer noch entscheiden. Wer aber Fristen versäumt hat, für den ist alles vorbei.«

Ungenaue Rechtslage

Mit ähnlicher Begründung verteidigen die Mönchengladbacher Verantwortlichen ihr Vorgehen. »Uns ist es wichtig zu erklären, dass wir in keiner Weise den Klub 1899 Hoffenheim oder die beiden Spieler angreifen oder beklagen«, sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl. Wegen der ungenauen Rechtslage sei es seinem Verein lediglich darum gegangen, Zeit zu gewinnen. »Nicht mehr und nicht weniger haben wir getan«, erklärt Eberl. »Wir sind nur ein Anhängsel der ganzen Sache. Als Angestellte von Borussia Mönchengladbach müssen wir die Interessen des Klubs wahren. Wir haben nur reagiert, das hätte jeder andere Klub auch getan. Auf die zwei Punkte sind wir gar nicht aus.«

Eberl wird wissen, dass in dieser Aussage ein diskussionswürdiger Widerspruch steckt.
 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!