Gladbacher Neuaufbau dauert an

Der Umbruch vom Umbruch

In der Bundesliga steht Borussia Mönchengladbach nach 25 Spieltagen auf dem angestrebten einstelligen Tabellenplatz und befindet sich in Schlagdistanz zu den Europapokalplätzen. Trotzdem ist man am Niederrhein nur bedingt zufrieden und plant einen erneuten Umbruch zum Sommer.

Er war der wohl fraglos größte Glücksfall für Borussia Mönchengladbach seit vielen, vielen Jahren: Marco Reus hatte nicht nur erheblichen Anteil am Last-Minute-Klassenerhalt, er schoss die Borussia auch zurück nach Europa. Doch nach seinem Wechsel zum BVB hat sich sein Name im Borussia-Park fast schon zu einem Fluch verwandelt. Wie ein Damokles-Schwert schweben die einstigen Gala-Auftritte des »Rolls Reus« über einer Mannschaft, die neben ihrem Shootingstar mit Roman Neustädter und Dante noch zwei weitere Säulen verlor.

Trainer Lucien Favre will über den Verlust seines Lieblingsschülers schon gar nicht mehr reden und hat ihn zum Tabu-Thema erklärt. Sobald ein Journalist auch nur versucht dessen Namen auszusprechen, grätscht der Schweizer galant dazwischen. »Das ist vorbei. Wir dürfen nicht mehr darüber sprechen«, säuselt er dann mit seinem charmanten französischen Akzent und versucht seine sichtliche Genervtheit zu überspielen. Die Trauer verbirgt sich vielmehr hinter den Lieblingsbegriffen aus dem Fußball-ABC des einstigen Mittefeld-Virtuosen von Servette Genf. Von »fehlender Durchschlagskraft« und »Spielintelligenz« ist dann die Rede.

Hausmannskost statt »Haute cuisine«

Wie sehr der Ästhet und Barcelona-Verehrer unter dem derzeitigen Ergebnisfußball seiner Mannschaft leidet, ist ihm am Spielfeldrand anzumerken. Mit hektischen Handbewegungen versucht er immer wieder Einfluss auf die taktische Ordnung zu nehmen. Denn statt fußballerischer »Haute cuisine« mit Tempofußball und Kurzpassspiel, serviert die Borussia derzeit deutsche Hausmannskost in Form von mannschaftlicher Geschlossenheit sowie Tugenden wie Effektivität und Moral. Standardsituationen, die vom Schweizer noch vor einem Jahr als »nicht so wichtig« angesehen worden, sind in dieser Saison zur Lebensversicherung geworden. Trotz der Tatsache, dass den Gladbachern momentan lediglich drei Punkte auf einen Europapokalplatz fehlen, ist der Fußball-Perfektionist dementsprechend nur bedingt zufrieden: »Olalala... Es gibt viel zu tun«, sagt er deshalb selbst nach erfolgreichen Spielen.

Die Ursachen für diese ästhetische Rückentwicklung liegen neben dem Verlust der drei Leistungsträger ebenso in den personellen Veränderungen im letzten Sommer begründet. Denn mit Ausnahme von Alvaro Dominguez konnten bislang weder Luuk de Jong noch Granit Xhaka an die Leistungen ihrer Vorgänger anknüpfen. Dass solche jungen Spieler aus eher unterklassigen europäischen Ligen eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen, steht dabei außer Frage. Nicht umsonst hat die Gladbacher Führung bereits vor Saisonbeginn versucht, die Erwartungshaltung einzudämmen und somit die kommende Spielzeit zu einer »Aufbausaison« deklariert. Dennoch haben sich nicht nur die Anhänger, sondern auch die Verantwortlichen mehr von ihren millionenschweren Neuzugängen versprochen.

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