Gladbacher Erfahrungen mit Zypern

Party in der Goldfish-Bar

Heute Abend startet Borussia Mönchengladbach beim zypriotischen Vertreter AEL Limassol in die Europa-League-Saison. Schon einmal machte der Klub Erfahrungen mit der Mittelmeer-Insel. Damals allerdings eher unfreiwillig...

Gut möglich, dass bei der der ein oder anderen Vereinsikone von Borussia Mönchengladbach feuchtfröhliche Katerstimmung aufkommt, wenn die Borussia heute Abend um 19 Uhr auf Zypern gegen AEL Limassol die Europa-League-Saison eröffnet. Zypern? Da war doch mal was. Erinnerungen an eine Notlandung im Mittelmeer, die legendäre Goldfish-Bar und ein schmerzhaftes Freundschaftsspiel in Ägypten.

Für die Winterpause der Saison 1984/85 hatten sich die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach etwas ganz Besonderes für ihre Angestellten einfallen lassen: Um die Herren Fußballer nach den trägen Weihnachtstagen wieder in Form zu bekommen, hatte die Borussia zwei Freundschaftsspiele im fernen Ägypten vereinbart. Die Hauptstadt-Teams vom SC Zamalek und Al Ahli Kairo warteten schon sehnsüchtig auf den namhaften deutschen Vertreter, als die Maschine der Gladbacher am 17. Januar 1985 vom Flughafen Düsseldorf abhob.

Ein Sandsturm vor Ägypten – Notlandung auf Zypern!

Stunden später, der Flieger überquerte gerade das Mittelmeer, die Spieler läuteten soeben die nächste Runde Rommé ein, krachte es plötzlich fürchterlich in der Kabine, Lichter erloschen, die Maschine sackte einige hundert Meter ab. Panik machte sich breit, ehe sich die Lage Sekunden später normalisierte und der Kapitän seine verängstigte Fracht zu beruhigen versuchte: »Meine Damen und Herren, kurz vor der ägyptischen Küste tobt ein Sandsturm, der auch unser Flugzeug kurz durchgewirbelt hat.« Die Maschine, von der Naturgewalt arg angekratzt, müsse auf Zypern notlanden.

Gesagt, getan. Auf einem einsamen Rollfeld entließ die Crew die immer noch reichlich verdadderten Fußballer ins Freie. »Da standen wir nun«, erinnert sich der damalige Gladbacher Uli Borowka, »20 Fußballer in Trainingsanzügen ohne einen Plan.« Als die Kicker freundlich um ihre Taschen baten, lehnte die Besatzung ab. Keine Sorge, lange werde das hier nicht dauern, in ein paar Stunden gehe es schon weiter.

Viele Stunden später stand das Flugzeug noch immer unberührt auf dem Hangar, der inzwischen reichlich genervte Fußballertross hatte sich längst im nahe gelegenen Supermarkt mit einer Notration Zahnbürsten und Unterhosen eingedeckt und eine Unterkunft für die Nacht organisiert. Weiterflug? Ungewiss. Als die Sonne langsam am Horizont verschwand, suchten die Fußballer Zerstreuung – und fanden sie am Strand in Flughafen-Nähe. »Dort stand sie: Die Goldfish-Bar. Jeder Spieler von damals wird sich an diese Kneipe erinnern«, sagt Borowka. Die Gladbacher Profis, von Turbulenzen geschockt und auf Zypern gestrandet, machten spontan die Nacht zum Tag. Die verrückte Situation ließ selbst stille Bankdrücker zu wilden Partymäusen mutieren, bis zum Morgengrauen grölten die Deutschen altbekannte Schlager durch die zypriotische Nacht und tranken dabei die Theke leer. Erst um fünf Uhr morgens wankte die Truppe glückselig untergehakt zurück ins Hotel.

Heldenhafter Kampf gegen Promille und Gegner

Dort wartete bereits die frisch geduschte Flugzeugcrew mit erstaunlichen Nachrichten: Abflug in 30 Minuten, die Maschine ist wieder fit! Entsetzen bei den sichtlich angeschossenen Fußballern um Trainer Jupp Heynckes, die sich schließlich ihrem Schicksal ergaben, in den Flieger hockten und am Morgen des 18. Januars den Flughafen von Kairo erreichten. Völlig übernächtigt kam der Tross im Hotel an. »Wir wollten nur noch eines: Ein schnelles Frühstück und dann ab ins Bett.« Von wegen: Kaum war der erste Kaffee serviert, stand auch schon eine Delegation des ersten Testspielgegners SC Zamalek vor den Tischen. Das gestern aus bekannten Gründen abgesagte Spiel werde heute Mittag, also in wenigen Stunden, nachgeholt. Die ersten Zuschauer seien bereits im Stadion! Katastrophenstimmung im Gladbacher Lager.

Das Ende der Geschichte: Borussia Mönchengladbach stand an diesem 18. Januar 1985 tatsächlich auf dem Rasen des Cairo International Stadium, um seiner Pflicht gegen den SC Zamalek nachzukommen. Heldenhaft stemmte sich die Mannschaft gegen Promille und motivierten Gegner, verlor lediglich mit 0:3 und verabschiedete sich als anständiger Verlierer ins Bett. Lediglich die Edeltechniker Uwe Rahn und Christian Hochstätter fielen aus der Rolle, schleppten sich 45 Minuten lang durch den Mittelkreis und ließen sich schließlich zur Halbzeit »verletzungsbedingt« auswechseln. Der Goldfish-Bar auf Zypern sei Dank.

PS: Drei Tage später, erholt und ausgenüchtert, schlug Borussia Mönchengladbach Al Ahli Kario mit 3:0.

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