Gladbach - Stuttgart im Taktikcheck

Der Lohn der Ungenauen

Gladbachs Höhenflug geht weiter, Stuttgarts Krise spitzt sich zu und Reus hat Nerven aus Stahl: Unser Taktikexperte Tobias Escher erklärt, wieso sich beide Teams lange Zeit neutralisierten und Gladbach am Ende doch als Sieger vom Platz ging. Gladbach - Stuttgart im TaktikcheckImago / spielverlagerung.de

Wenn zwei Mannschaften mit der gleichen Formation antreten, ergibt sich oft ein ausgeglichenes Spiel. Die Zuteilungen der einzelnen Spieler sind klar, es ergeben sich auf jeder Position eins gegen eins Duelle. Langeweile ist so oft vorprogrammiert. So war es auch in der Anfangsphase des Sonntagsspiels zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach.

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Bruno Labbadia und Lucien Favre schickten beide ihr Team in einer 4-2-2-2 Formation aufs Feld. Durch die direkte Zuteilung konnten beide Teams wenig Raumgewinn verbuchen, es gab viele direkte Duelle im Mittelfeld. Zu den entscheidenden Faktoren für das Gladbacher Defensivspiel wurden die beiden Sechser, Neustädter und Nordtveit. Beide schoben sehr aggressiv nach vorne und setzten ihre direkten Gegenspieler im zentralen Mittelfeld unter Druck. Mit jeweils über dreizehn gelaufenen Kilometer waren sie neben dem nimmermüden Lars Bender die fleißigsten Akteure der Bundesliga an diesem Spieltag. Dank ihnen konnten die Stuttgarter nie zu ihrem Aufbauspiel aus dem zentralen Mittelfeld finden. 

Stuttgarts Offensividee verpuffte

Dies schmerzte die Hausherren umso mehr, als dass ihr Spielsystem auf Akzente aus dem Mittelfeld angewiesen ist. Oftmals sind bis zu vier Angreifer an der Abseitsgrenze, um hier eine Überzahl zu schaffen. Mit Flanken und langen Bällen sollen die großen Stürmer eingesetzt werden. Allerdings fehlt durch die Fokussierung auf die Spitze die Staffelung – Überzahlsituationen für Kombinationen durch die Mitte gab es nicht. Stuttgart musste sich einseitig auf hohe Bälle in den Strafraum verlassen. Von den zehn geschlagenen Flanken kam jedoch nur eine zum Mitspieler. Stuttgart blieb gegen die zwei gut sortierten Viererketten der Gladbacher weitestgehend harmlos.

Gladbach kam erst nach der Pause zum Kombinieren

Obwohl in der Defensive überlegen, blieben die Gladbacher nach vorne lange Zeit blass. Ihre risikoarme Offensivtaktik mit selten mehr als zwei Spielern vor dem Ball reichte nicht aus, um wachsame Stuttgarter, die Kontersituationen um jeden Preis verhindern wollten und nach Ballverlust schnell in die eigene Ordnung wiederherstellten, in Verlegenheit zu bringen.



In einer solch engen Partie war es keine Überraschung, dass eine Freistoßflanke den Führungstreffer besorgte, Hanke köpfte in der 31. Minute ein und das Unglück nahm seinen Lauf. Der VfB bleibt somit ein Paradoxon: Sowohl bei den nach Standards erzielten als auch den gefangenen Treffern gehören sie zur Top 5 der Bundesliga. Nach der Pause musste Stuttgart auf den Außenverteidigerpositionen und im zentralen Mittelfeld das Spiel öffnen. Durch die Einwechslung Okazakis (für Kuzmanovic) verlor Stuttgart noch stärker den Zugriff im zentralen Mittelfeld. Gladbach spielte geschickt hinter die nun öfter aufrückenden Außenverteidiger, um von dort Bälle in den freien Raum im zentralen Mittelfeld vor der gegnerischen Abwehr zu spielen. 

Dass sie das Spiel erst in der 81. Minute und 84. Minute durch Tore von Reus und Herrmann entscheiden konnte, hatte weniger mit Stuttgarter Gegenwehr als mit eigener Ungenauigkeit zu tun. Um den Strafraum nahm ihre Passgenauigkeit auf schwache 40% (sonst über 80%) ab. Am Ende fuhren sie doch noch zwei präzise Konter und sorgten für ein versöhnliches Ergebnis. Das 3:0 ging nach dem Spielverlauf in Ordnung, auch weil Stuttgart nie so recht zu einem Kombinationsfluß fand.

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