Gladbach-Schalke in der Spielanalyse

Der Borussen-Express rollt

Lucien Favre bleibt auf Kurs, denn auch Schalke 04 kann den Gladbacher Express nicht stoppen. Die 11FREUNDE-Taktikanalyse sucht nach Gründen für den klaren Klassenunterschied zwischen beiden Teams. Gladbach-Schalke in der Spielanalyse

Nach dem Spitzenspiel am 21. Spieltag war Stevens sichtlich genervt. Kein Wunder, machte sein Team doch so ziemlich alle Fehler, die man gegen die Kollegen aus Gladbach nicht machen darf. Besonders das Pressing der Schalker war in den ersten 20 Minuten zu zaghaft und inkonsequent. Da Dante und Co. nicht direkt attackiert wurden, konnten sie sich die Verteidiger über Querpässe die Schalker Defensive zurechtlegen, bis ihre Mitspieler sich freigelaufen hatten. Das altbekannte Gladbacher Ein-Kontakt-Spiel mit Vertikalpass-Ablage-Vertikalpass kam ins Rollen.

Die Schalker Stürmer verpassten es, die gegnerischen Verteidiger frühzeitig unter Druck zu setzen. Scheinbar hat sich nach Gelsenkirchen nicht rumgesprochen, dass besonders Dante äußerst scharf bewacht werden sollte – mit 78 Pässen zum Mitspieler erreichte er am frühen Samstag Abend seinen zweitbesten Saisonwert.

Gladbach nutzt Raum auf den Flügeln

Besonders auf den Flügeln hatten die Gladbacher ein klares Übergewicht. Die Königsblauen kamen nicht mit den zahlreichen Positionswechseln ihrer Gegenspieler klar. Hanke und Reus tauschten ständig mit Herrmann und Arango. Das  würfelte die Schalker Zuordnung nahezu komplett  durcheinander, die Außenverteidiger reagierten viel zu spät und verfehlten es andauernd, die Deckung der herausrückenden Stürmer zu übernehmen. Erschwerend hinzu kam, dass Jefferson Farfan und Chinedu Obasi es mit dem Thema Defensivarbeit nicht immer so genau nahmen – vor allem Farfans 6,75 gelaufene Kilometer in seine 63 Minuten Einsatzzeit sind alles andere als ein Ehrenwert für einen Fußballprofi. Gladbach war sich dieser Lücken zwischen Außenverteidigern und –stürmern bewusst, sie bespielten in der ersten Halbzeit konsequent diesen verwaisten Bereich. Sowohl das 0:1 als auch das sehr sehenswerte 0:2 wurden über die Flügel eingeleitet.



Und auch im eigenen Spielaufbau ließen sich Stevens Spieler den Schneid abkaufen. Gladbachs 4-4-2 Verteidigung ist sehr engmaschig und darauf bestrebt, die Passwege im Zentrum zu schließen und dem Gegner Passwege auf Außen aufzuerlegen. Dort isolieren sie die gegnerischen Akteure durch konsequentes Verschieben: Ein Stürmer sichert den Passweg nach hinten ab, ein Sechser den in die Mitte, der Außenverteidiger den Weg nach vorne und der Außenstürmer attackiert konsequent. Über 80% der Schalker Angriffe wurden über die Außen eingeleitet – Rekordwert an diesem Spieltag. Mehr als einmal wurden Farfan und Obasi in unlösbare Situationen gebracht, auch weil das Aufbauspiel der Schalker zu überhastet war – ein Quer- oder Rückpass mehr wäre empfehlenswert gewesen, um über Spielverlagerungen Löcher in die Gladbacher Defensive zu reißen.

Gladbach zu keiner Zeit gefährdet

Durch den eindimensionalen Spielaufbau blieb Stevens Elf nach vorne harmlos – knapp die Hälfte ihrer Torschüsse gingen auf das Konto von Jurado, dessen Fernschüsse allerdings die Streuung einer mittelalterlichen Schusswaffe hatten. Folgerichtig wurde er zur Halbzeit ausgewechselt, die Einwechslungen Draxlers und später Hooglands deuteten aber darauf hin, dass Stevens eher um Schadensbegrenzung als um Aufholjagd bemüht war. Der einzige Vorwurf, den man Favres Truppe nach der guten Leistung machen muss: Kontersituationen wurden in der zweiten Halbzeit halbherzig ausgespielt. Ihnen reichte am Ende eine Leistung auf Sparflamme, um das 3:0 halten zu können. Auch dies ist ein Beleg dafür, wie stark die Borussia mittlerweile ist.

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