Gladbach - Mainz in der Analyse

Schlecht spielen, knapp gewinnen

Lucien Favre sprach vor wenigen Wochen: »Der nächste Schritt muss es sein, nicht stark zu spielen und trotzdem zu gewinnen.« Gesagt, getan: Gegen Mainz überzeugten die siegreichen Gladbach nicht vollends, zeigt die 11FREUNDE-Spielanalyse. Gladbach - Mainz in der Analyse

Wehmütig waren die Blicke der Bundesliga-Fans am Sonntag nach Gladbach gerichtet: Das Duell Borussia gegen den FSV Mainz war die letzte Paarung vor der Winterpause. Noch ehe sich taktische Formationen herauskristallisieren konnten, erzielte Herrmann nach tollem Zuspiel von Reus hinter die Abwehr bereits den Führungstreffer (5.). Mainz schien im vorweihnachtlichen Tiefschlaf.

Gladbach aus dem Spiel genommen

Es sollte der einzige gelungene Angriff der Gladbacher für lange Zeit sein. Die Mainzer Mittelfeldraute nahm den Gegner aus dem Spiel: Durch die drei offensiven Kräfte, die beiden Stürmer plus Zehner Malli, konnten sie viel Druck auf die gegnerischen Innenverteidiger ausüben.



Auf der Gladbacher linken Seite wurde Arango stets von Baumgartlinger und Sechser Kirchhoff unter Druck gesetzt. Mainz isolierte hierdurch die beiden wichtigsten Aufbauspieler der Borussia, Dante und Arango, von ihren Kollegen. Stattdessen musste der Tabellenvierte den eigenen Spielaufbau vermehrt über rechts laufen lassen. Rechtsverteidiger Jantschke, der die meisten Ballkontakte seines Teams aufwies (79), war jedoch oft damit erfordert, das Favre’sche Vertikalspiel umzusetzen.

Dies hatte auch mit der effektiven Verteidigung der Mainzer zu tun: Diese versperrten den Gegenspielern stets den Passweg nach vorne. Sie konnten so gleichzeitig Druck auf den Ballführenden aufbauen und Bälle hinter ihre eigene Mittelfeldreihe verhindern. Reus, Herrmann und Hanke hingen so weitestgehend in der Luft, nach dem frühen 1:0 bekamen sie kaum noch Zuspiele.

Mainz ohne Kreativität im letzten Drittel

In der Defensive überzeugten die Mainzer, doch im Offensivspiel gab es Defizite. Eines ihrer größten Probleme diese Saison ist das Spiel im letzten Drittel. Gegen Gladbach sollte sich daran wenig ändern: Die hochstehenden Viererketten der Borussia verdichteten durch geringe Abstände das Mittelfeld, so dass Zehner Malli keine Freiräume fand. Viel hing von den Halbspielern ab, allerdings spielte gerade Polanski viele Fehlpässe (nur 73% Passgenauigkeit).

Die größte Schwachstelle waren aber die schwachen Schnittstellenpässe der Mainzer. Obwohl sie mit Choupo-Moting und Allagui zwei sehr schnelle Stürmer haben, konnten diese nur selten hinter die gegnerische Viererkette geschickt werden. Oft kam das Zuspiel zu spät bzw. zu ungenau. Auch das Spiel über die Flanken war ausbaufähig: Die Raute war im Mittelfeld recht zentral ausgerichtet, für die Breite müssen die Außenverteidiger sorgen. Pospech und Fathi konnten allerdings wenige Akzente setzen. Zu selten wagten sie sich in die gegnerische Hälfte vor, gerade einmal fünf Flanken konnten beide in den 90 Minuten schlagen, nur eine fand den Mitspieler.

Mainz hatte zwar ein Plus an Spielanteilen, wirklich hochkarätige Möglichkeiten konnten sich aber nicht erspielen. Kurz vor Schluss warf Mainz alles nach vorne: Mit der Einwechslung der Offensivkräfte Müller und Ujah änderte sich das System zu einem 4-2-4. Doch auch die zahlreichen Anspielmöglichkeiten in der Spitze halfen nichts, Mainz fehlten Ideen gegen Gladbachs Blockverteidigung. So kann sich die Borussia trotz einer durchschnittlichen Leistung über drei Punkte für die Weihnachtsfeier freuen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!