Giggs wechselt sich bei seinem letzten Spiel selbst ein

Cryin' for Ryan!

Was für ein Karriereende: Ryan Giggs wechselt sich bei seinem letzten Spiel in Old Trafford selbst ein. Wir sind zu Tränen gerührt.

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Ryan Giggs ist bereit. Er steht an der Seitenlinie. Die Hose über die Hüften gezogen, das Trikot mit der Nummer 14 flattert am Körper, als habe ihm jemand ein kleines Zelt übergestreift. Dann gibt ihm der Linienrichter einen Klapps auf den Hintern, Ryan Giggs läuft aufs Feld, und 45.000 Fans gucken auf diesen Spieler, diesen Schuljungen, der doch eben noch mit seinen Boys an einer Straßenecke stand und die neuesten Smiths-Songs auf seinem Walkman gehört hat.
 
Selbst Alex Ferguson ist skeptisch. »Spindeldürr« hat er ihn vor diesem Spiel gegen den FC Everton mal genannt. Doch den Trainer plagen Verletzungssorgen, einige wichtige Spieler fallen aus, und nun muss auch noch Außenverteidiger Denis Irwin vom Platz. Ferguson hat in einfach keine Alternativen mehr. Also gibt er Giggs ein kurzes Zeichen, dann ein paar Worte, schließlich rennt der 17-Jährige aufs Feld.

Bei Giggs' Debüt war Mario Götze noch nicht geboren
 
Es ist der 1. März 1991. Das Jahr, in dem der 1. FC Kaiserslautern Deutscher Fußballmeister und Kevin de Bruyne geboren wird. Das Jahr, in dem in Deutschland noch von Helmut Kohl regiert und die Kids auf den Straßen immer noch zu Vanilla Ice tanzen. Es ist der Tag, an dem Giggs sein erstes Spiel als Fußballprofi bestreitet. Sein erstes von über 1000.
 
Bald sind alle Zweifel verflogen, denn der spindeldürre Schuljunge spielt fantastisch. Er rennt, passt und schießt Tore. Vor allem schlägt er Flanken wie kein Zweiter. Ferguson erkennt, dass Giggs wie ein »Cocker-Spaniel ist, der einem Fetzen Silberpapier im Wind hinterherjagt«. Und Steve Bruce, der Anfang der neunziger Jahre gemeinsam mit Giggs bei Manchester United spielt, sagt: »When he ran, he ran like the wind. You couldn’t hear him, he was that light on his feet.«

23 Jahre lang. One Man. One Club.
 
Giggs wird Kapitän der erfolgreichsten United-Mannschaft aller Zeiten, er gewinnt zwölf Mal die Meisterschaft, zweimal die Champions League und einmal den Weltpokal, er stellt 2008 Bobby Charltons Rekord von 758 Spielen für Manchester United ein. Er sieht hunderte Spieler kommen und gehen. Er sieht ganze Fußball-Epochen beginnen und enden. Er spielt mit Eric Cantona und Mark Hughes. Mit David Beckham und Cristiano Ronaldo. Mit Wayne Rooney und Robin van Persie. Ryan Giggs ist immer da. 23 Jahre lang. One Man. One Club.
 
Am 6. Mai 2014 steht Giggs wieder an der Seitenlinie. Vor einigen Wochen hat er den erfolglosen David Moyes abgelöst. Giggs ist nun Spielertrainer. 75.000 Fans sind an diesem Dienstagabend ins Old Trafford gekommen, denn sie haben geahnt, dass sich Giggs heute von ihnen verabschieden wird.
 
Doch Giggs steht nicht in der Startelf. Er dirigiert von der Seitenlinie. So vergehen die Minuten, so vergeht die erste Halbzeit. Nemanja Vidic kommt für Phil Jones und Robin van Persie für James Wilson. Nach einer Stunde führt Manchester United 2:1 gegen Hull City.
 
Ryan Giggs ist trotzdem nicht zufrieden. Er guckt ein bisschen skeptisch, fast apathisch, ein bisschen wie sein Ziehvater Alex Ferguson. Es braucht ein bisschen Kreativität aus dem Mittelfeld. Den tödlichen Pass, den letzten Punch, das 3:1.

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