Gibt es zu viele Länderspiele?

Ausflüge nach Marginalien

Thomas Müller beklagt das Länderspiel gegen San Marino als überflüssigen Pflichttermin. Gehören Partien dieser Art abgeschafft?

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In Länderspielpausen entrüsten wir uns gerne darüber, wie überflüssig viele Partien der Nationalmannschaft außerhalb der großen Turniere doch seien. Nach dem Match in San Marino war es Thomas Müller, der Wasser auf die Mühlen aller Kritiker schüttete, als er nach dem 8:0-Sieg mit der Binse aufwartete, »mit professionellem Fußball« habe das Gekicke gegen die Amateure aus dem Zwergstaat nichts zu tun gehabt. Zudem fürchtete der Münchner auf dem nassen Geläuf im Stadio Olimpico wohl um seine Gesundheit: »Bei solchen Spielen und Verhältnissen auf solch schmierigem Platz ist man einer Gefahr ausgesetzt, die vielleicht nicht nötig ist.«

Qualifikations- und Freundschaftsspiele sind für die Exponenten des feudalen Fußballadels wie der Türsteher vor einem hippen Nobelklub. Sie nerven, wenn man mit ihnen zu tun bekommt. Doch sobald man das nervige Prozedere am Eingang hinter sich gelassen hat, ist man froh, dass draußen einer aufpasst, damit der Pöbel nicht auch mit reinkommt. 
Müllers Aussagen sind nachvollziehbar. Der Spitzenprofi absolviert seit Jahren wacker fast jedes Spiel für seine Teams. Er ist in der Liga genauso gesetzt, wie in der Champions League, im Pokal, sowie bei allen Terminen der Nationalelf. Es ist nur legitim, dass er ein Spiel vor 3851 Zuschauern im Dauerregen von Serravalle in seinem überfüllten Kalender nicht auch noch gebraucht hätte. 

Fußball an sieben Tagen in der Woche

Fans und Medien neigen dazu, ihm Recht zu geben, weil Fußball inzwischen ohnehin an sieben Tagen in der Woche gespielt wird und selbst Nerds an Grenzen stoßen, wenn sie auf allen relevanten Ebenen auf dem neuesten Stand bleiben wollen. 

Nur ist es eine Mär, dass der Nationalspieler von heute über Gebühr von seinem Fußballverband belastet wird. Zum Vergleich: In der Post-EM-Saison 1984/85 trat die DFB-Auswahl zu zehn Ländervergleichen (davon vier Freundschaftsspiele) an, 1994/95 waren es elf, 2004/05 sogar 16 Spiele. In der Spielzeit 2016/17 werden es 13 Partien (drei Freundschaftsspiele) sein. So gesehen: Business as usual.

Als Profi ist Müller einer hohen körperlichen Belastung in Verbindung mit den berufsbedingten Gefahren ausgesetzt. Allerdings hat diese nicht mit den veränderten Anforderungen durch Länderspiele zu tun. Der Grund, warum die Stars des deutschen Fußballs ihre Reisen für den Verband in die Provinz als bretthartes Schwarzbrot empfinden, hängt viel mehr damit zusammen, dass Akteure der Spitzenklubs durch die englischen Wochen in den nationalen und internationalen Wettbewerben kaum noch Entspannungsphasen haben. Hinzu kommt, dass der FC Bayern sich als globale Marke inszeniert und seine Stars auch abseits des Rasens zunehmend repräsentative Aufgaben übernehmen müssen. 

Nur eine bessere Aufwandsentschädigung

Es ist nun mal, wie es ist: Viele Einsätze in der Königsklasse sorgen wie eine hohe Zahl an potenten Sponsoren für fette Umsätze bei den Vereinen – und sichern so den Spielern ihre enormen Gehälter. Länderspiele hingegen absolvieren diese nur für eine bessere Aufwandsentschädigung. Zählbaren Ruhm und Geld kann ein deutscher Nationalspieler nicht in San Marino oder Aserbaidschan einheimsen, sondern in der Regel erst ab dem Halbfinale bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft.

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