Ghanas Dauerthema Boateng

Der Medien-Star

Zwar ist Kevin-Prince Boateng in der Ghanaischen Presse ein Dauerthema, doch der wahre Glamour-Star ist Asamoah Gyan.

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Es ist nie einfach für einen Trainer, seinen Star auf die Bank zu setzen. Erschwert wird die Angelegenheit vor allem dann, wenn der Star Kevin-Prince Boateng heißt. Und so verwendete der Schalker nach seinem Teilzeiteinsatz gegen die USA auch nicht allzu viel Mühe darauf, seinen Frust zu verbergen. »Normalerweise spielen bei einer WM die Besten. Unser Trainer hatte wohl einen anderen Plan.«

Der Adressat dieser Worte, Ghanas Trainer Kwesi Appiah, wollte sich zur Causa nicht mehr auslassen. In einem Interview mit 11FREUNDE vor der WM artikulierte er allerdings bereits seine Zweifel an Boateng: »Es war gut, dass er zum Play-off-Spiel und zum Testspiel gegen Serbien und Montenegro angereist ist. Andernfalls hätte ich seine Nominierung nicht rechtfertigen können.«

Im Training vor dem Deutschland-Spiel soll Boateng vor allem durch zur Schau getragene Lustlosigkeit aufgefallen sein, Meldungen über eine von ihm geplante Meuterei wies der Verband aber zurück. Die Berichte der ghanaischen Presse legen indes nahe, dass Boateng in seiner Heimat nicht unumstritten ist. »Seine fußballerische Klasse ist unbestritten. Aber über seine Persönlichkeit fehlen mir die Worte«, sagt Godfred Akoto Boafo, der für die ghanaische Sportseite »Allsports« aus Brasilien berichtet. Nun gelten die ghanaischen Medien in ihrer Beurteilung allerdings nicht unbedingt als milde. Kapitän Asamoah Gyan sah sich sogar gezwungen, an die Medienvertreter zu appellieren: »Die Presse soll aufhören, die Spieler derart anzugehen. Denn manche können damit umgehen, andere nicht.« Auch die Gerüchte über einen Spieler-Aufstand wegen ausstehender Prämien verstand er nicht: »Niemand hat sich hier beschwert. Uns geht es nicht ums Geld, sondern nur um das Spiel gegen Deutschland.«

Gyan nimmt eigentlich genau die Rolle ein, die die Öffentlichkeit Boateng zugedacht hatte. Der Stürmer ist der Anführer der Mannschaft, wohlgelitten und respektiert im Mannschaftskreis und beim Trainerstab. Seit 2011 spielt er in den Vereinigten Arabischen Emiraten, vorher war er in Italien, Frankreich und England aktiv. Mit 40 Treffern ist er der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, auch wenn ihm der wohl wichtigste seiner Laufbahn verwehrt blieb: Im Viertelfinale der WM 2010 verschoss er gegen Uruguay einen Elfmeter – in der Nachspielzeit. Ghana schied im Elfmeterschießen aus.

Seiner Popularität tat das daheim keinen Abbruch. Gyan hat ein eigenes Plattenlabel, erreichte mit dem Hit »African Girls« die Nummer eins der ghanaischen Charts, sammelt Autos und veranstaltet große Boxkämpfe. »Er ist sehr erfolgreich, sein Verdienst sollte pro Jahr bei elf Millionen Dollar liegen«, sagt Boafo. Immerhin in puncto Extravaganz stehen sich Gyan und Boateng in nichts nach.

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