06.06.2014

Gesicht der neuen Holland-Generation: Bruno Martins Indi

Van Gaal spricht von Liebe

Bruno Martins Indi ist ein Entertainer mit einer bewegten Kindheit. Bei der WM darf er sich erstmals auf der großen Fußballbühne beweisen, vermutlich als Stammspieler der »Elftal«.

Text:
Bart Vliestra
Bild:
imago

Sogar in den Niederlanden äußerst streng geltende Trainer wie Ronald Koeman oder Co Adriaanse müssen lachen, wenn sie auf Bruno Martins Indi angesprochen werden. Adriaanse, Indis langjähriger Jugendtrainer bei Feyenoord Rotterdam, erinnert sich sofort an eine Anekdote: »Einmal lief dieser stämmige Verteidiger nach einem Tor wie ein junger Hund freudestrahlend über den Platz, direkt auf mich zu und brüllte: ›Onkel Corrie, Onkel Corrie, lass mich dich umarmen! Da habe ich schon Angst bekommen‹.

Von einem anderen Trainer wurde Martins Indi, der im Schatten des Estadio da Luz in Lissabon als Sohn einer portugiesischen Mutter und einem guineischen Vater zur Welt kam und in jungen Jahren nach Rotterdam zog, mit dem seltenen Zitat »Ich liebe Sie, Bruno« bedacht. Selten ist dieser Ausspruch deshalb, weil er aus dem Mund von niemandem geringerem als dem aktuellen Bondscoach Louis van Gaal stammt. Der ehemalige Bayern-Coach steht eher nicht unter Verdacht, sich gerne derart offensiv über junge Spieler zu äußern.

»Ich denke, dass ich sehr gut mit van Gaal kann. Und das, ohne vor ihm zu Kreuze zu kriechen«, sagte Martins Indi kürzlich in einem Interview voller Respekt. Welche Wertschätzung er dem Bondscoach entgegenbringt, wollte der 22-Jährige ihm nach seinem wichtigen Tor in der WM-Qualifikation gegen die Türkei beweisen. Wie ein Verrückter lief er auf van Gaal zu, sprang ihm in die Arme und riss den Trainer mit zu Boden. Das sei »pure Spontanität« gewesen, er habe einfach nicht darüber nachgedacht, dass der Coach gerade erst an der Hüfte operierte worden war, sagte Martins Indi später. Van Gaal konterte die unbedachte Aktion gewohnt lässig: »Ich denke, ich habe ihn ganz gut von mir gleiten lassen.«

»Vielleicht schreibe ich ein Buch darüber«

Martins Indi ist ein Entertainer. Einer, der für jeden Spaß zu haben ist. Als Mario Balotelli im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland seine berühmte Oben-Ohne-Pose zeigte, imitierte ihn Martins Indi einen Tag später im Trainingsspiel bei Feyenoord. Und als das Nationalteam kürzlich ein Golfturnier besuchen musste und die meisten Spieler mit verschränkten Armen darauf hofften, möglichst bald abreisen zu können, forderte er die Kollegen vor versammelter Presse dazu auf, doch bitte in die Kameras zu lächeln. Seine simple Begründung: »Wir sind gesegnet, dass wir hier sein dürfen. Also zeigen wir das auch.«

Das Leben spielte dem Linksfuß aber nicht immer in die Karten. Lange Zeit hatte Martins, der am liebsten in der Innenverteidigung spielt, wenig zu lachen. Nachdem er aus Portugal in die Niederlande kam, war er auf sich alleine gestellt. Ohne seine Eltern versuchte er sich in Slinge durchzubeißen, dem Stadtteil Rotterdams mit der höchsten Verbrechensrate. Heute möchte er nicht mehr darüber sprechen, erklärt mit einem Grinsen auf dem Gesicht: »Ich muss den Fokus auf das Hier und Jetzt legen. Vielleicht schreibe ich später mal ein Buch darüber – es wäre aber kein besonders glückliches.”

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden