Geschichten aus der ersten Pokalrunde

Menschen, Tiere, Beinahe-Sensationen

Neunzehn Tore in Chemnitz, Krawall und Remmidemmi in Würzburg, eine Beinahe-Sensation in Illertissen, Grablichter in Nürnberg, Katzenjammer in Gelsenkirchen. Die besten Geschichten aus der ersten DFB-Pokalrunde.

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Wann hat es das zuletzt gegeben? Der Chemnitzer FC war am Samstag Gespräch in sämtlichen Fußballspelunken der Republik. Vorausgegangen war ein Spiel, für das es leider keine adäquaten Adjektive gibt, dafür aber einen passenden Titel: »120 Minuten Hardcore, echte Gefühle«. Es war alles dabei: Eigentore, Traumtore, Glückstore, Torwartfehler, Verlängerung, Elfmeterschießen, und ein Mainzer, Johannes Geis, der in der zweiten Minute der Nachspielzeit aus 55 Metern zum 5:5-Ausgleich traf. Wir wären nicht verwundert gewesen, wenn danach noch ein jonglierender Elefant das Spiel per Fallrückzieher entschieden hätte. Doch es ging ins Elfmeterschießen, wo Chemnitz mit 5:4 gewann. Unseren Edel-Praktikanten belohnten wir danach mit einer besonders tollen Aufgabe: Er sollte zählen, wie häufig in der Stunde nach dem Spiel der Satz »Der Pokal hat seine eigenen Gesetze« fiel. Ergebnis: 54.292 Mal.
 
Eigene Gesetze stellte auch der Hamburger Oberligist USC Paloma auf. Der musste sein Pokalspiel gegen die TSG Hoffenheim an die Hamburger Hoheluft verlegen, wo normalerweise Palomas Liga-Konkurrent SC Victoria seine Heimspiele austrägt. Das Stadion hat ein Fassungsvermögen von 8000 Zuschauern. Seltsamerweise machten die Kassenhäuschen aber schon dicht, als nicht mal 5000 Fans im Stadion waren. Der Grund: Für den Auswärtsblock, der recht überschaubar gefüllt war, musste man einen Personalausweis mit einer Meldeadresse in der Rhein-Neckar-Region vorweisen. Etliche Fans kamen daher nicht ins Stadion, selbst solche, die mit Hoffenheim-Trikot am Kassenhäuschen vorsprachen. Es erschien den Kartenverkäufern schlichtweg unmöglich, dass es auch in Hamburg TSG-Fans gibt. Besonders Abenteuerlustige schlichen sich daraufhin ins anliegende UKE-Krankenhaus und fuhren mit dem Fahrstuhl in den fünften Stock, von wo aus man das Spielfeld sehen kann. Nach fünf Minuten war der Spaß aber auch da vorbei. Ein Arzt erklärte den Fans, dass sie sich in einem Krankenhaus befänden. Die Fans verließen das Gebäude im Wissen, dass es manchmal doch ganz hilfreich sein kann, einen Zweitwohnsitz in Sinsheim oder Zuzenhausen anzumelden.

Die Beinahe-Dieter-Müllers
 
Besonders tragisch: Die ausgeschlossenen Fans sahen nicht, wie Sven Schipplock beinahe den Dieter Müller machte. Dem Hoffenheimer Stürmer gelangen beim 9:0 gegen Paloma nämlich fünf Buden. Danach ließ er sich zu der Wahnsinnsaussage »Es hat Spaß gemacht!« hinreißen. Ebenso treffsicher war Stefan Kießling, der beim 6:0 gegen Alemannia Waldalgesheim ebenfalls fünfmal traf. Beiden gelang dabei ein lupenreiner Hattrick. Kießling machte vier seiner fünf Treffer sogar in einer Halbzeit. Zumindest in Waldalgesheim kann man die Sache auch positiv sehen: Streicht man Kießling aus der Aufstellung, sieht das Ergebnis richtig gut aus.
 
Mit den ganz großen Sensationen tat sich die erste DFB-Pokalrunde äußerst schwer: Kein Vestenbergsgreuth, kein Eppingen. Dafür aber ein paar kleinere Überraschungen: Der VfL Bochum gewann 2:0 gegen den VfB Stuttgart. Dabei traf wieder einmal Simon Terodde, der nun fünf Tore in drei Pflichtspielen gemacht hat. Als die VfL-Spieler die Stuttgarter danach mit einem »So-gehen-die-Stuttgarter/Bochumer-Tanz« verhöhnten, räumten wir schon unsere Feuilleton-Seiten für ein achtseitiges Essay über Nationalismus und Chauvinismus im Fußball frei. Weil unser Autor aber krank wurde (Seitenstrangangina), können wir euch nur dieses mittelmäßige Foto präsentieren:


Für eine echte Überraschung sorgte derweil Regionaligist FC Magdeburg, der 1:0 gegen den FC Augsburg gewann. Der Magdeburger Matthias Steinborn wollte auch was von den eigenen Gesetzen erzählen, besann sich dann aber und gab diesen nie gehörten Satz zum Besten: »Jeder hat für jeden gespielt. Je länger das Spiel dauerte, umso überzeugter waren wir, dass was geht. Uns ist egal, was als nächstes kommt. Aber ein Bundesligist wäre sicher wieder der Knaller.«

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