Gescheiterte Regeländerungen der Fußballgeschichte

Zehn Mann, vier Viertel, eine Strafbank

Immer mal wieder denkt die Fifa laut über neue Regeln nach, immer mal wieder empören sich Experten und Presse. Dabei ändert sich doch selten etwas. Oder gibt es mittlerweile den Kick-In, den fliegenden Wechsel und die Strafbank?

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Vier Auswechselsspieler? Nach den buchstäblich krampfhaften Verlängerungen in Brasilien will ein Fifa-Gremium in Zukunft eine zusätzliche Einwechslung erlauben.  »Das Spiel kontinuierlich zu verbessern«, so lautet das Ziel der »Tactical Study Group«, in dem sich so illustre Ex-Kicker und -Trainer wie Gérard Houllier, Ioan Lupescu und Ka Ming Kwok tummeln. Die Sportressorts widmen dem Vorschlag große Geschichten, Alt-Schiedsrichter diskutieren über Sinn oder Unsinn des Vorstoßes und in England echauffiert man sich über die Absenz englischer Experten – das ginge ja nicht, schließlich habe England dem Fußball erst seine Regeln gegeben.

Was viele vergessen: Die Geschichte des Sports ist reich an Regelvorschlägen, an Reformen und Reförmchen. Umgesetzt werden wenigsten, meistens heftet man sie nach dem Test bei einem U17-Turnier in der Akte »So gut war die Idee doch nicht« ab. Wir blicken zurück auf die besten Rohrkrepierer der Fußballregelgeschichte.

Der Einschuss
»Ob man den Ball mit einer Hand, mit beiden Händen oder mit dem Fuß ins Spiel bringt, das ist doch völlig egal«, behauptete einst Pelé. Die Forderung nach der Einführung des Kick-Ins anstelle des Einwurfs wird seit Jahrzehnten diskutiert. In den Neunzigern kam das Thema wieder in Mode, der damalige BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld sah schon »grandiose Änderungen« auf den Sport zukommen. Bundestrainer Berti Vogts prognostizierte ein »völlig neues Spiel« mit Kontern, die am eigenen Strafraum durch 60-Meter-Einschüsse eingeleitet werden. Bei einer Nachwuchs-WM in Japan experimentierte man mit dem Kick-In. Erfolglos.

Die Zerstückelung
1994 versuchte der Privatsender RTL, damals Champions-League-Rechteinhaber, die Fifa von der Einführung der Viertel anstelle der Halbzeiten zu überzeugen. Ohne die zusätzlichen Werbegelder sei Spitzenfußball für das TV nicht mehr als eine Prestigeveranstaltung. Der damalige Generalsekretär Blatter lehnte ab. Später versuchten es RTL und SAT1 gemeinsam mit heruntergeschraubten Forderungen: Aber auch die gewünschte Aufsplittung des Spiels in Drittel blieb eine Wunschvorstellung der Werbespotverkäufer.

Das amerikanische Versuchskaninchen
Das Fußball-Entwicklungsland Nordamerika experimentierte schonungslos mit den altehrwürdigen Regeln. 60 Minuten reine und per Hand gestoppte Spielzeit? Bei Unentschieden ein Sieg per Eckenverhältnis? Statt eines Elfmeters das vom Eishockey übernommene Anlaufen des Spielers von der 35-Yard-Linie? Durchgesetzt hat sich auf der großen Fußballbühne nichts.

Die Strafbank
Vor der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien plädierte ein Fifa-Sprecher für das Absitzen von Zehn-Minuten-Zeitstrafen auf einer Strafbank. Damit sollten leichtere Vergehen geahndet werden, der Platzverweis nur bei einem richtig groben Foul zur Anwendung kommen.

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