Germania Windeck vor dem Pokalspiel gegen Hoffenheim

Die fetten Jahre sind vorbei

Germania Windeck vor dem Pokalspiel gegen Hoffenheimimago

Stolz wie Oskar zeigte sich Germania Windecks Präsident Heinz Georg Willmeroth vergangenen Jahres im Sportstudio. In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals wurde dem damaligen NRW-Ligisten gerade der FC Bayern zugelost. Ein Glückstreffer, könnte man meinen, hätte die Losfee im Jahr davor nicht schon Schalke 04 aus der Trommel gezogen. Beide Spiele wurden im Kölner Rhein-Energie-Stadion ausgetragen und spülten ordentliche Einnahmen in die Vereinskasse. »Luis van Gaal war mächtig sauer«, erinnert sich Willmeroth. Die Bayern taten sich in Bestbesetzung beim Fünftligisten schwer, kamen am Ende nur auf einen 4:0-Arbeitssieg.

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Hoffenheim ist nicht das große Los

Weil es der Zufall so will, trifft Windeck in diesem Jahr erneut auf einen Bundesligisten. Am kommenden Sonntag wird die TSG 1899 Hoffenheim zu Gast sein. Doch die Euphorie hält sich Grenzen. Hatte man letztes Jahr noch über 40.000 Zuschauer zu Gast, so lohnt sich beim Spiel gegen die Kraichgauer noch nicht mal der Gang ins Rhein-Energie-Stadion. »Wir haben bis jetzt nur 1800 Karten verkauft« sagt Willmeroth. »Hoffenheim ist eben kein Verein mit großer Tradition.« Das Spiel wird deshalb im Sportpark Höhenberg, dem Stadion des FC Viktoria Köln ausgetragen. Dort finden nur 10.000 Zuschauer Platz. 

Die Auswahl dieser Spielstätte überrascht wenig. Zwischen Viktoria Köln und Germania Windeck gibt es eine eigenartige Verbindung, die sich mit der Person Franz-Josef Wernze erklären lässt. Der Mäzen wird oft als »Dietmar Hopp des bergischen Lands« beschrieben. Ein Titel, den er selbst nicht sehr gerne hört. Wernze, der ganz nebenbei noch Anteile an den Transferrechten von Lukas Podolski und Geromel besitzt, führte seinen Heimatverein Windeck aus den Niederungen der Kreisliga bis in die fünftklassige NRW-Liga. Dort gelang der Mannschaft in der vergangenen Saison sogar der Aufstieg. Doch das Stadion genügte den Ansprüchen des DFB nicht und Windeck verzichtete auf den Aufstieg, ließ sich sogar in die Verbandsliga zurückversetzen, um die Mannschaft neu aufzustellen.  

Wachablösung durch Viktoria Köln

Auch auf das Geld von Wernze wird Windeck jetzt verzichten müssen, denn der Mäzen öffnet sein Portemonnaie zukünftig für Viktoria Köln, ebenfalls NRW-Ligist. Im Gepäck hatte er neben dem Trainerstab um Heiko Scholz und Markus Kurth gleich sieben Windecker Spieler. Bei Germania wurde der Kader deshalb größtenteils mit Personal aus der eigenen U-23 aufgefüllt. Die Mannschaft gleicht einer Wundertüte, die erste Elf ist auch wenige Tage vor dem Pokalschlager noch nicht gefunden. Nur noch zwei Spieler des aktuellen Kaders liefen im letzten Jahr gegen Gomez, Klose und Ribéry auf. Auch deshalb wird, ganz bescheiden, ein einstelliger Tabellenplatz in der Verbandsliga als Saisonziel ausgegeben. »Allzu hoch werden wir gegen Hoffenheim wohl nicht gewinnen«, scherzt Trainer Hermann-Josef Werres. »Wir wollen in der Defensive gut stehen und schnelle Konter fahren«, nennt er die Strategie, die sich bei Underdogs schon oft bewährt hat. Dass gegen Hoffenheim der große Coup gelingt, mag aber keiner so recht glauben.  

Am Dienstagabend dann die letzte Generalprobe gegen Viktoria Köln. Wenn man so will, ein Spiel gegen die eigene Mannschaft aus vergangenen, glorreichen Tagen. Trotz des Klassenunterschiedes zeigt Windeck eine ansprechende Leistung und erkämpft sich ein solides 1:1. Innerhalb des Teams wird noch um die letzten Startplätze für die erste Elf am Sonntag gekämpft. Die Spieler machen sich bereits Gedanken, ob der direkte Gegenspieler dann Ryan Babel oder Sejad Salihovic heißen wird. Für den Verbandsligisten könnte es das vorläufige Abschiedsspiel aus einer aufregenden DFB-Pokal-Ära werden. »Wenn wir unter zehn Gegentoren bleiben, ziehe ich vor jedem der Jungs den Hut«, schätzt Präsident Willmeroth die Ausgangslage ein und bietet den Spielern dennoch einen Anreiz: »Der Torschütze des Ehrentreffers darf sich auf eine dreistellige Sonderprämie aus meiner eigenen Tasche freuen.«

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