Gerardo Martino: Der neue Trainer des FC Barcelona

Tito-Tata

Der Argentinier Gerardo »Tata« Martino ist neuer Trainer des FC Barcelona. Eine Überraschung? Eigentlich nicht.

Zuletzt kursierten in der spanischen Presse eine ganze Reihe Namen, doch nur einer schien die Fans des FC Barcelona wirklich zu interessieren: der von Jupp Heynckes.
 
Er war für sie der Unbesiegbare geworden, denn er hatte mit dem FC Bayern alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gab. Er hatte den FC Barcelona besiegt und blieb trotzdem sachlich und nüchtern und ein wenig schüchtern. Erst am vergangenen Freitag vernahm die Fußballwelt ein wenig Überschwang, als Heynckes auf der 11FREUNDE-Meisterfeier verkündete: »Ich hätte nun jeden Verein der Welt übernehmen können.« Die Gäste applaudierten, ein bisschen amüsiert, aber auch wissend, dass er vermutlich Recht hatte.
 
Zumindest hat sich Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta mit einer möglichen Verpflichtung beschäftigt. Die beiden kennen sich aus Heynckes’ Tagen in Spanien. Doch dann sagte der Deutsche, dass er sich in den kommenden Monaten um seinen Garten kümmern will. Ein bisschen ausspannen. Ein bisschen das Leben genießen. Der Spanier verstand das.
 
Nun hat Zubizarreta einen Trainer präsentiert, der bislang nicht mehr als ein Geheimtipp war: Gerardo »Tata« Martino. Ein Argentinier, der noch nie eine große europäische Klubmannschaft trainiert hat, geschweige denn überhaupt mal in Europa als Trainer tätig gewesen war.

Was wissen die Spieler von Martino?
 
»Wir kennen seine Karriere, er ist ein guter Trainer«, sagte Carles Puyol nach Martinos Verpflichtung in einem Interview mit dem »Guardian«. Er habe ihn zuletzt als Trainer beim WM-Viertelfinale 2010 erlebt, als die Spanier Martinos Paraguayer knapp mit 1:0 besiegten. »Das war hart«, sagte Barcelonas Kapitän. Und sonst? Er soll Barcelonas Spielstil schätzen und die Stadt schön finden.
 
Wer ist dieser Mann?
 
Bis vor zwei Tagen gab es vor allem zwei Fixpunkte in Martinos Leben: Paraguays Hauptstadt Asunción und vor allem Rosario, die Stadt im Nordosten Argentiniens, dort, wo alles begann. Schon als Kind spielte Martino für Rosarios besten Klub: Zwischen 1979 und 1995 machte er über 500 Spiele für die Newell’s Old Boys, er gewann dreimal die argentinische Meisterschaft und zog zweimal, 1988 und 1992, ins Finale der Copa Libertadores ein. Martino ist bis heute der erfolgreichste Spieler der Vereinsgeschichte.
 
In seinen besten Spielerjahren, Ende der Achtziger, hatte Martino eine prägende Begegnung, vielleicht war es sogar die wichtigste seines Lebens: Er lernte Marcelo Bielsa kennen. Martino gefiel, dass der Trainer, Typ Lehrer mit Hang zur überbordenden Emotion, das attraktive und dominante Spiel liebte. Bielsa ließ seine Mannschaft schnell spielen, oft nur mit einer Ballberührung, er war einer, der den Ballbesitz predigte, aber nicht um den Ballbesitz willens, sondern um den direkten Weg zum Tor zu finden. Jahre später erfand man dafür den Begriff »Tiki-Taka«.

Die zentrale Figur bei den Old Boys
 
Für den Trainer war Martino der ideale Spieler in seinem Pressing-System, denn der Junge aus Rosario war technisch versiert und explosiv im Antritt. Martino wurde zur zentralen Figur bei den Old Boys. »Er ist ein Ausnahmespieler, ein Denker, ein Leader. Einer, zu dem die Jungen nach Niederlagen aufblicken«, sagte Bielsa einmal.
 
Martino wurde zu einer Vielzahl von Bielsa-Jüngern. Ein Bielsista. So wie später Tito Vilanova. So wie auch Pep Guardiola. Vor seinem Amtsantritt in Barcelona reiste der Bayern-Trainer sogar nach Argentinien, um Bielsa, damals Nationaltrainer Chiles, zu treffen. Bei einem reichhaltigen Asado, einem argentinischen Barbecue, sprachen die beiden Männer über die Philosophie des Fußballs – und über die Zubereitung von Fleisch.
 
Martino war einer seiner ersten Schüler. Er verinnerlichte Worte wie »Verticalidad« oder »Rapido«, er trug die gleichen Trainingsanzüge und die gleiche Brille wie Bielsa, und er hüpfte durch die Coaching-Zone, wie er es bei seinem Mentor gesehen hatte. Als ihm jemand nach einigen Erfolgen sagte, dass er Bielsa längst übertroffen habe, sagte Martino: »Der Vergleich ehrt mich, alles andere ist Nonsens.«

Martinos Fußball-WG
 
Als Martino 2002 in Asuncion ankam, war er dennoch ein Unbekannter. Jedenfalls als Trainer. Er hatte sich bis dahin bei argentinischen Erst- und Zweitligisten verdingt, richtig gut lief es nirgends. In Paraguay sollte alles anders werden, mit den beiden Hauptstadtklubs Libertad und Cerro Porteño gewann er innerhalb von fünf Jahren viermal die nationale Meisterschaft. Martino arbeitete dabei wie in einem Labor. Während seine Familie weiterhin in Rosario lebte, bezog Martino mit seinen zwei Co-Trainern, die er noch aus Old-Boys-Tagen kannte, ein Haus in Asuncion. In dieser WG gab es nichts als Fußball – und Gespräche darüber.

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