14.09.2012

Gemeinsam Bundesliga: Düsseldorfs Lumpi Lambertz und Axel Bellinghausen sind am Ziel

Gassi gehen mit Lumpi & Bello

Seite 2/3: Sieben Jahre getrennt
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Lambertz wirkt manchmal noch wie der junge Lumpi. Zumindest wenn er vom Platz kommt, die Schuhe auszieht und die Socken qualmen.
Wenn man mit ihm am Tisch sitzt, merkt man aber schnell, dass er genau das ist, was manche Trainer einen Führungsspieler nennen. Sein erster Weg, nachdem er Kapitaän geworden war, führte ihn in das Büro von Sportsamtsleiter Udo Skalnik. Seitdem dürfen die Fortuna-Spieler vor ihrer Umkleidekabine parken, statt hinter dem Schwimmbad oder neben der Tartanbahn. Wenn der Oberbürgermeister zum Training kommt, früher Erwin, jetzt Elbers, ist er ein Meister des Smalltalks. Und als es beim Relegationsspiel gegen Hertha BSC zum vorzeitigen Fan-Erguss kam, hat er in vorderster Front versucht, die Fans wieder zurück auf die Tribüne zu schicken. Es gibt ein berühmtes Foto, auf dem er einen jungen Mann in einem alten Fortuna-Trikot anschreit. So wütend hat man ihn eigentlich selten gesehen.

»Würde auch eher Rivaldo anspielen als den Lumpi.«

Lambertz wächst mit den Herausforderungen, das war schon immer so. Er hat sein größtes Spiel 2005 bestritten, als »local player« in einer Weltauswahl. Nach dem Benefizkick gegen Zinedine Zidane in der damaligen LTU-Arena sagte er: »Ich wäre nur gerne häufiger an den Ball gekommen, aber ich kann die Jungs verstehen. Wenn ich ein Profi aus Russland oder Serbien wäre, würde ich auch eher Rivaldo anspielen als den Lumpi.« 2014, wenn sein Vertrag endet, wäre Lambertz elf Jahre bei der Fortuna. »Wo soll ich denn hin«, fragte er nach der neuerlichen Signatur und ergänzte: »Und warum sollte ich jetzt wechseln?« Der Mann, der in Grevenbroich aufgewachsen ist, hat in der vergangenen Saison wunderbare Tore geschossen, aber er hat auch viele leichte Fehler gemacht, wie immer. In Düsseldorf trägt ihm die Fehler keiner nach. Fortuna-Manager Wolf Werner bemerkte bereits im Sommer 2008, ein Jahr zuvor von Werder Bremen gekommen: »Selbst als wir schlecht gespielt haben, wurde er aus den Blöcken gefeiert.« Die Fans sagen: Ein Spieler, der so viel läuft wie der rot-weiße Kenianer, macht eben auch häufiger etwas falsch. Lambertz legte in der vergangenen Spielzeit die Kilometer zurück, die ältere Fortuna-Helden nicht mehr schafften. Ob er bei der Fortuna bleibt, war ein ständiges Thema. Im Winter 2006 sagte Finanzvorstand Werner Sesterhenn: »Ein Verkauf Lumpis kommt nicht in Frage. Den fesseln wir an einen Baum.« Im Sommer 2008, nach einer schwachen Serie, riefen die Fans: »Außer Lumpi könnt ihr alle gehen.« Doch der war sich schon mit dem VfL Osnabrück einig, damals eine Klasse höher als die Fortuna.

Gassi gehen mit Jörg Albertz

Trainer Pele Wollitz hatte ihn bei einem Treffen überzeugt. Lambertz ließ sich von Geschäftsführer Paul Jäger noch einmal umstimmen, in einem Telefonat. Er wollte nicht liegen lassen, was er sich aufgebaut hatte, sagt er heute. Kurz darauf machte ihn Trainer Norbert Meier zum Spielführer, zum Mann mit der Schleife, wie Bellinghausen sagen würde. Bevor er im vergangenen Herbst noch einmal verlängerte, traf er sich häufiger mit Jörg Albertz, dem besten Spieler, mit dem er je bei Fortuna zusammenspielte. Lambertz gerät ins Schwärmen, wenn er von dessen Laufbahn erzählt. Dabei ist der frühere Kollege das genaue Gegenteil von ihm: Er hat beim Hamburger SV, bei den Glasgow Rangers und in Shanghai gespielt. Lambertz sagt: »Ali ist auch ein großer Hundefreund und wohnt bei mir in der Nähe. Bei einem Spaziergang kann man viel besprechen.«

Während Lambertz das Trikot mit dem Zeichen der Stadt-Sparkasse Düsseldorf zu Markte trug, warb Bellinghausen für die Deutsche Vermögensberatung, den Sportshop SC24.com und AL-KO. Er hat seinen früheren Klub im Herzen getragen. Einmal, als er mit dem 1. FC Kaiserslautern mit dem Bus nach Freiburg fuhr, wollten seine Kollegen eine DVD sehen. Er aber entschied, dass sie Fortunas Aufstiegsfinale gegen Werder Bremen II sehen wollten. Als der Aufstieg perfekt war, gratulierten ihm seine Mitspieler, als sei er mit aufgestiegen. Beim Schlusspfiff brüllten alle: »Jawoll, Axel!«

»Oh, Scheiße! Reh!«

Bellinghausen spielte auch für den FC Augsburg so, dass man ihn eigentlich gar nicht gehen lassen wollte. Im ersten Jahr standen sie als Zweitligist im Pokal-Halbfinale, im zweiten stiegen sie in die Bundesliga auf und im dritten schafften sie den Klassenerhalt, den ihnen niemand zugetraut hatte. Und als er mit dem FC Augsburg gegen den FC Bayern spielte, sprach ihn Bastian Schweinsteiger an – auf sein amtliches Kennzeichen. Freundin Silvana, gebürtige Düsseldorferin, fuhr mit A - FD 1895 durch Augsburg, er mit A – XL 1895, das hatte sich bis zum Nationalspieler herumgesprochen. Der Publikumsliebling mit dem linken Fuß, ebenfalls Hundefreund, unterhielt zuletzt sogar eine tägliche Radio-Kolumne auf »Radio Fantasy«. Titel: Gassi gehen mit Bello. Immer wenn er mit seinem Hund unterwegs war, ließ er sich telefonisch zu seinem Tag befragen. Einmal nahm dieser während des Gesprächs Witterung auf. Bellinghausens einzige Worte, die über den Sender gingen, waren: »Oh, Scheiße! Reh!« Es war das kürzeste Interview in der Geschichte des schwäbischen Lokalfunks.

 
 
 
 
 
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