Geburtstag mit Uli Hoeneß

Das wäre doch nicht nötig gewesen

Muss er ins Gefängnis? Wie viel Steuern hat er hinterzogen? Geklärt. Was Uli Hoeneß mit dem ganzen Geld gemacht hat, blieb jedoch unbeantwortet. Dirk Gieselmann hat eine Idee.

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An dieser Stelle erwähnte ich bereits vor einiger Zeit einen Kollegen, der Mitglied des FC Bayern ist. Als solchem gratuliert ihm Präsident Uli Hoeneß alljährlich per Email zum Geburtstag. »Persönlich!«, frohlockt der Kollege jedes Mal aufs Neue. »Und guck mal«, japst er dann und weist auf die Uhrzeitangabe, »der Uli ist extra um sieben Uhr aufgestanden, um mir zu schreiben!« Nun muss man den Zufall als würdig erachten, Herr über unser Schicksal zu sein. Und so kam es, dass der Sechsunddreißigste des Kollegen heuer auf jenen Tag fiel, an dem in München der Gerichtsprozess begann, in dem Uli Hoeneß sich wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung verantworten muss. Dass die Glückwunsch-Email dennoch eintraf, rührte meinen Kollegen beinah zu Tränen. »Dass er trotz allem an mich gedacht hat...«, hauchte er. Er streichelte den Ausdruck, bevor er ihn, wie jedes Jahr, an die Wand hängte, zwischen das Hansi-Pflügler-Autogramm und das Zettelchen mit dem längst verpassten Zahnarzttermin. Was Hoeneß wohl mit dem Gewinn gemacht habe, der sich hinter der Steuerschuld von 3,6 Millionen Euro verberge, fragte ich meinen Kollegen, der inzwischen mit der Stirn auf der Schreibtischplatte, in sich hinein schluchzend, dasaß. Er schnellte hoch: »Geschenke gekauft!« heulte er plötzlich und laut. »Für mich!« Als dann im Laufe dieses Montags die Steuerschuld auf fast 20 Millionen anwuchs, winselte er nur noch: »Ach, Uli. Das wäre doch nicht nötig gewesen!« Und da musste ich ihm, obwohl ich weder Mitglied des FC Bayern bin noch Geburtstag hatte, dann doch zustimmen.

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