Fußballer und ihre Mütter

Männer, die auf Ferkeln reiten

Das Brüderpaar Bernd und Karlheinz Förster war in den achtziger Jahren so gefürchtet wie Beulenpest. Lange Jahre wahrten sie den Schein der harten Schale – bis Mama Marianne aus dem Nähkästchen plauderte. Eine schweinische Geschichte. Fußballer und ihre Mütter
Heft#115 06/2011
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Bernd und Karlheinz Förster. Namen, wie aus Granit geschlagen. Der liebe Gott hatte den Förster-Brüdern einst Gesichter aus Zuckerguss verpasst: Schön, glatt und irgendwie süß. Zum Dank dafür trugen die Fußballer brav ein Kreuz auf der Brust spazieren. Ein perfider Trick. Denn unter den Masken der höflichen Milchbubis versteckten sich knüppelharte Verteidiger, die mit ihren Alu-Stollen gegnerische Schienbeine filetierten und im Laufe ihrer Karriere mehr Furchen in den Boden grätschten, als ein handelsüblicher Traktor. Gott vergibt. Die Försters nie.

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Die Försters. Blutrünstige Defensivspezialisten mit der Lizenz zur offenen Sohle. Keine Liste mit den härtesten Verteidigern aller Zeiten ohne die Jungs aus dem beschaulichen 2300-Seelen-Ort Schwarzach. Treter. Berufstreter. Killer, deren Zweikampfverhalten heute womöglich mit jahrelangen Haftstrafen geahndet werden würde. Seelenlosen deutsche Vorstopper-Maschinen, gedrillt auf gnadenlose Bodychecks und eingesprungene Tritte auf das Kniegelenk. Wenn da nicht Mama Marianne gewesen wäre und mit nur einem Interview die ganze Maskerade hätte auffliegen lassen.

»Wenn du schimpfst, kriegst du kein Geld von mir!«

Im Europameisterschaftsjahr 1984 entschied sich nämlich die »Bild«-Zeitung dazu, ihren Lesern mit der Reihe »Die Mütter« einen persönlichen Blick auf die hochdekorierten deutschen Fußballhelden anzubieten. Marianne Förster, Mutter von gleich zwei deutschen Nationalspielern, durfte da natürlich nicht fehlen. Und so plauderte die Erzeugerin des Verteidiger-Pärchens am 18. April 1984, am Tag des Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich, munter aus dem Nähkästchen der familiären Erinnerung. Den Reportern Florian Zander und »F. Watzlawik« muss das Herz vor Freude geschlackert haben, als Mutter Förster ihre schönsten Erinnerungen auspackte. Viermal, verriet Frau Förster, habe sie früher ihren Buben die von schlitternden Grätschen auf Asche, Gras und Waschbeton verdreckten Trikots waschen müssen. Mit der Hand. »Einmal habe ich gesagt: ´Jetzt reicht´s mir!´« Antwort Karlheinz: »Mama, wenn du schimpfst, kriegst du später kein Geld von mir.«

Sie ritten ein Ferkel tot

Die hübscheste Anekdote verriet Mama Förster, die sich ansonsten schützend vor ihre »Buben« stellte (Vorwurf Max Merkel: »Wer gegen die spielt, befindet sich im Kriegszustand!« Antwort Marianne Förster: »Es sind halt Kämpfer!«), allerdings, als die Reporter investigativ nach dreckigen Geschichten vom Försterschen Bauernhof fragten. Einmal, schluchzte die »Bild« fett gedruckt, hätten die Jungs sogar geweint. »Das war, als wir noch eine Landwirtschaft hatten. Da haben sie sich auf ein Ferkel gesetzt und wollten darauf reiten. Plötzlich hat das Ferkel alle viere von sich gestreckt. Genickbruch, die Buben waren zu schwer. Das hat ihnen so leid getan. Das Fleisch haben sie nicht essen wollen.« Bernd und Karlheinz Förster reiten ein kleines Schwein zu Tode und heulen anschließend wie die Schlosshunde. Die Mär der knallharten Burschen ohne Gewissen – dahin geschmolzen auf knapp 250 Zeilen Zeitungspapier...


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