Fußball-Legenden gratulieren Uwe Seeler

»Schade, dass Du keine Frau bist!«

UWE-UWE-UWE! Am heute wird »Uns Uwe« Seeler 75 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag lassen wir ehemalige Weggefährten zu Wort kommen. Happy Birthday, Dicker, sagen Horst Hrubesch, Dettmar Cramer, Willi Schulz und Co.!   Fußball-Legenden gratulieren Uwe Seeler

Klaus Fischer

Für mich gab es nie ein größeres Idol als ihn: Uwe Seeler. Als kleiner Junge in Bayern wollte ich immer so sein wie er, Tore schießen wie er, Tore köpfen wie er – und seine Fallrückzieher habe ich ja dann später auch ganz gut kopiert... 1968 stand ich Uwe das erste Mal gegenüber, als junger Neuling bei 1860 München. Er war da schon längst eine deutsche Fußballlegende und beim HSV der absolute Chef auf dem Platz. Trikots haben wir aber nicht getauscht, jedes verschenkte Leibchen mussten wir damals noch aus eigener Tasche bezahlen und das wollte ich dann doch nicht. Was mir am meisten an Uwe imponierte, war seine Stärke im Kopfballspiel. Seine Sprungkraft, seine Explosivität, seine Präzision – all das hat Uwe, genau wie ich, am Kopfballpendel gelernt. Das Pendel – warum gibt es das heute eigentlich nicht mehr? Ohne das Pendel hätte Uwe vielleicht nie sein legendäres Tor im WM-Viertelfinale 1970 gegen England erzielt. Als ich den Treffer damals im Fernsehen sah, wusste ich sofort: Das hat er mit Absicht getan! Den Ball mit dem Hinterkopf so geschickt ins lange Eck zu lupfen, das konnte wirklich nur er. Vielleicht wird es nie wieder einen so guten Kopfballspieler wie »Uns Uwe« geben. Deshalb: Alles Gute, Uwe, und: Bleib gesund!

Hannes Löhr

Ich kann mir eigentlich keinen besseren Kapitän als Uwe Seeler vorstellen. Wenn er in der Kabine vor dem Spiel von uns vollen Einsatz verlangte, dann sind wir auch gelaufen wie die Wahnsinnigen. Warum? Weil Uwe selbst der Verrückteste von allen war. Bei ihm passt die Phrase »etwas vorleben« wie die Faust aufs Auge. Ich erinnere mich an eine der ersten Trainingseinheiten vor der WM 1970 in Mexiko. Es war unglaublich heiß und nach gut einer Stunde klappte Peter Dietrich zusammen. Diagnose: Sonnenstich! Wir übrigen Spieler überlegten, ob wir das Training aufgrund des brutalen Klimas nicht lieber abbrechen sollten. Nur Uwe sagte: »Kommt, lasst uns noch ein büschen weitermachen.« Noch heute sehe ich ihn mit hochrotem Kopf über den Trainingsplatz rennen, er leuchtete wie eine Glühbirne. Und wir alle dachten: Der Uwe kippt als Nächster um! Was er natürlich nicht tat. Uwe ist und war einfach nicht klein zu kriegen...

Willi Schulz

Man hat mich gebeten, bei all der Lobhudelei auf Uwe, doch auch mal etwas Negatives über ihn zu berichten. Tut mir leid, das ist einfach unmöglich. Selbst wenn er uns früher während des Spiels oder später in der Kabine zusammenstauchte – Uwe konnte man nicht böse sein. Er war einfach ein großer Spieler, ein großer Kapitän. 1959 gab ich als junger Spund mein Debüt in der Nationalmannschaft, ich spielte damals noch bei Union Günnigfeld in der fünften Liga. Natürlich war ich total nervös, aber Uwe, der ja selbst nur ein paar Jahre älter war, nahm mich gleich beiseite und sprach mir Mut zu. Schon als junger Kerl strahlte er so viel Sicherheit aus, das hat ihn später zu einem perfekten Kapitän gemacht.

Dettmar Cramer

Im Februar 1950 saß ich gemeinsam mit Sepp Herberger auf der Tribüne, um in Hamburg ein Spiel der U-18-Mannschaften von Schleswig-Holstein und Hamburg zu beobachten. Neben uns saßen Erwin und Anni Seeler, deren ältester Sohn Dieter für Hamburg auf dem Platz stand. Dieter machte ein tolles Spiel, also sprach ich »Old« Erwin mein Kompliment aus: »Ihr Sohn ist ein großartiger Fußballer!« »Das macht mich stolz«, sagte Erwin, doch Mutter Seeler grätschte verbal dazwischen: »Da sollten sie erst unseren Lütten sehen!« Der Lütte, das war der kleine Uwe, den alle nur »den Dicken« nannten. Als ich zwei Jahre später in Duisburg die erste deutsche Jugend-Nationalmannschaft auf ein FIFA-Turnier in Belgien vorbereitete, war Uwe mit dabei. Er war schon damals unbezahlbar. Jürgen Werner, sein Mitspieler und Kumpel aus Hamburg, verriet mir: »Wenn wir zurückliegen, schicken wir immer den Dicken nach vorne.« Und auch für unsere Jugend-Auswahl traf Uwe wie er nur wollte, ein unglaublicher Stürmer! Ich habe ihn in all den Jahren auf seinem Weg begleitet und wenn ich eines weiß über Uwe, dann, dass er immer unglaublich zuverlässig war – in jeder Lebenslage. Außerdem hatte er einen wunderbaren Mutterwitz. Ich weiß gar nicht mehr, wer lustiger war: Sepp Maier oder »Uns Uwe«. Natürlich musste er auch einstecken. Damals gab es einen Schlager, der hieß: »Ach, sag doch nicht immer wieder Dicker zu mir...« Damit haben wir ihn immer wieder aufgezogen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Lied auch an seinem 75. Geburtstag eingespielt wird – Uwe würde sich freuen!

Max Lorenz

Ich sage immer: Uwe Seeler hat einfach keine Fehler, so sehr man auch danach sucht. Na gut, eine Sache hätte ich da schon zu bemängeln. Als wir unsere Karrieren beendet hatten, trafen wir uns häufig auf geschäftlicher Ebene – Uwe war ja schon während seiner Karriere Vertreter für Adidas. Und immer, wenn er sich bei einem unserer Treffen verspätete, schob er das ganz gekonnt auf den angeblich viel zu vollen Elbtunnel. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich aus sicherer Quelle wusste, dass der Elbtunnel an diesen Tagen völlig frei war! Aber, lieber Uwe, ich vergebe Dir, so einen tollen Kerl wie Dich trifft man ja nicht so häufig. Obwohl: Auf dem Platz konnte Uwe ein richtiger Sauhund sein. Wenn der zum Kopfball hochging – meine Güte, was flogen da die Arme durch die Luft! Und dazu diese Sprungkraft: Wenn wir schon wieder auf dem Rasen landeten, stand der Dicke noch immer in der Luft. Einmal, während des Derbys zwischen meinen Bremern und seinen Hamburgern stiegen wir gemeinsam zum Kopfball hoch und dieses eine Mal war ich sogar länger in der Luft. Als wir auf den Boden klatschten, fiel ich genau auf ihn drauf. »Uwe«, sagte ich, »schade, dass Du keine Frau bist!« Darüber kann er sich bis heute scheckig lachen!

Horst-Dieter Höttges

Ich war am Boden zerstört. Soeben hatten wir mit 2:4 gegen England das WM-Finale 1966 verloren und wer hatte drei Tore für die Engländer gemacht? Mein Gegenspieler, Geoff Hurst! Wir saßen in der Kabine, alle waren noch geschockt von der Niederlage. Da kam Uwe Seeler zu mir, legte seinen Arm auf meine Schulter und sagte: »Horst, alles halb so schlimm. Kopf hoch!« Das werde ich ihm nie vergessen. So freundschaftlich ging es bei Punktspielen mit unseren Vereinen natürlich nicht zu. Werder gegen den HSV – da flogen auch in den Sechzigern die Fetzen! Uwe war ein harter Knochen, alleine konnte man wenig gegen ihn ausrichten. Also nahmen ihn Max Lorenz und ich immer in die Doppeldeckung, speziell bei Eckbällen – das Seeler-Sandwich! Und ein wenig Trash-Talk gab es damals natürlich auch, wenn auch nicht so böse, wie heute. Beispiel gefällig? Wenn Uwe am Boden lag, drückte ihm Max gleich einen Spruch: »Uwe, lass dich nicht so hängen, ist doch nix passiert!« Harmlos, aber der Dicke hat sich darüber immer tierisch aufgeregt...

Horst Hrubesch

Als ich 1978 zum Hamburger SV kam, war Uwes aktive Zeit im Verein natürlich schon lange vorbei. Dass er im Klub trotzdem noch omnipräsent war, lag auch daran, dass sein Haus gleich neben dem Trainingsgelände stand. Ich werde nie vergessen, wie bei einer meiner ersten Übungseinheiten beim neuen Verein plötzlich dieser kleine Mann mit seinen 41 Jahren im Trainingsanzug auftauchte und einfach mitmischte! Mein Gott, habe ich gedacht, wie dieser Kleene noch springen kann! Klar, dass auch ich mich in den kommenden Jahren am Dicken zu orientieren hatte. Uwe Seeler ist und bleibt der Maßstab für jeden Stürmer beim Hamburger SV. Bis heute ist er allerdings unerreichbar geblieben. Und das wird wohl auch so bleiben!

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