Fußball für Flüchtlinge in Berlin

Ein Spiel zum Vergessen

Flüchtlinge aus Berlin und Brandenburg erhalten regelmäßig auf dem Sportplatz bei der FSV Hansa 07 Fußballtraining. Bei einem Besuch trafen wir Asaad, einen fußballverliebten Flüchtling aus Gaza.

Valentin Fischer

Von einem der Eisen-Fußballtore auf dem Schulhof baumelt ein Rettungsring hinunter. Müll bedeckt den grauen Zementplatz, die Linien sind verblasst. Mitten auf dem Platz steht ein kaputter Stuhl, auf den der Regen einprasselt. Die Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg ist eine Notunterkunft vieler Flüchtlinge und der Symbolort für gescheiterte Flüchtlingspolitik in Berlin. Fußball wird hier nicht gespielt. 

Knapp einen Kilometer von der Gerhart-Hauptmann-Schule entfernt, macht Asaad sich bereit, um eine Flanke von der rechten Seite zu schlagen. Zum Warmmachen üben die Jungs und Männer in der Wrangelritze, wie der Platz der FSV Hansa 07 auch genannt wird, Kopfbälle und Volleyschüsse. Der Kunstrasen ist so nass, dass der flinke Techniker fast ausrutscht. Die Flanke fliegt in beachtlichem Tempo durch den Strafraum. So beachtlich, dass alle Beteiligten den Kopf einziehen. Als der Ball im Seitenaus landet, ruft Asaad in gebrochenem Deutsch in die Menge: „Wovor habt ihr Angst?“ 

An diesem verregneten Mittwochnachmittag findet das Training der »Champions ohne Grenzen« statt. Die »Champions ohne Grenzen«, das ist ein Projekt für Flüchtlinge, die in Berlin und Brandenburg leben und den Fußball lieben. Sie kommen größtenteils aus Afghanistan, dem arabischen Raum und Westafrika. Einer von ihnen ist Asaad.

Der Palästinenser ist seit Beginn des Projektes im Jahr 2012 dabei. Jeden Mittwoch kommt er gemeinsam mit dem jungen Abdullah, ebenfalls Palästinenser, aus Marienfelde mit der U-Bahn zum Training. Auf die Frage, ob die beiden verwandt seien, antwortet Asaad »Nein, aber wir sind wie eine Familie.« 

Vier Monate lief er zu Fuß von Griechenland bis nach Ungarn


Als er von seiner Flucht berichtet, werden seine freundlichen, braunen Augen plötzlich ernst. Vor zweieinhalb Jahren floh Asaad und seine Familie aus Gaza. Vier Monate lief er zu Fuß von Griechenland bis nach Ungarn, von dort ging es weiter nach Deutschland. Hier sei »alles perfekt«, hörte er. Aber angekommen, wusste er nie, was am nächsten Tag passiert. Durch das wöchentliche Training kommt er zumindest für 90 Minuten auf andere Gedanken.

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