09.09.2013

Fußball auf den Färöern

Die Inseln der Anderen

Am Dienstag trifft Deutschland mal wieder auf die Färöer Inseln, wo man sich immer noch an den 12. September 1990 erinnert, als der internationale Fußball eine seiner größten Sensationen erlebte. Die Inselkicker gewannen 1:0 gegen Österreich. Doch was geschah eigentlich danach?

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Vielleicht ist Fußball auf den Färöern eines der letzten großen Abenteuer. Etwas, das in den Ideen der genormten Uefa- und Fifa-Welt eigentlich nicht vorgesehen ist. Ein Fußball, der, so werden uns die TV-Kommentatoren auch dieses Mal vor Anpfiff informieren, von Schafhirten, Landwirten und Elektrikern gespielt wird. Ein Fußball, für den es bis vor wenigen Jahren nicht mal Naturrasenplätze gab. Ein Fußball, für den Berge gesprengt wurden. Ein Fußball der Anderen.

DIe Zeit vor dem 12. September 1990
 
Der Tag, der alles veränderte, war der 12. September 1990. Davor waren die Färöer vor allem für zwei Dinge bekannt: Wale und Schafe. Über die Wale – genauer: Grindwale – berichtet die Presse, wenn sie vor den Küsten auftauchten, getötet und dann gegessen wurden. Über die Schafe wurde berichtet, dass sie viele sind. Angeblich verteilen sich über 70.000 auf 18 Inseln. Daher auch der Name: Färöer, zu deutsch: »Schafinseln«.
 
Was wusste man noch? Vielleicht, dass neben den 70.000 Schafen etwa 45.000 Menschen auf den Inseln leben, dass es circa 280 Tage im Jahr regnet, dass es im Winter sehr lange sehr dunkel ist und dass Starkbier viele Jahre verboten war.

An dem Tag, der alles veränderte, schoss Torkil Nielsen ein Tor gegen Österreich. Es war kein gewöhnliches Tor, sondern der Siegtreffer, erzielt im ersten EM-Qualifikationsspiel der färöischen Fußballgeschichte. Torkil Nielsen ist auf den Färöern seitdem das, was Maradona in Argentinien ist: ein Fußballgott. Er brachte den Fußball auf die Inseln.

Die »Times« nannte die Färöer »Europe’s Joke-Team«

Natürlich gab es auch schon vor jenem 12. September 1990 Fußball auf den Färöern. Manchmal hatte der färöische Verband sogar über einen Uefa-Aufnahmeantrag nachgedacht. Die Idee wurde allerdings immer wieder verworfen, da die Ergebnisse in inoffiziellen Freundschaftsspielen einfach nichts Gutes verhießen. Selbst gegen Fußballzwerge wie Shetland oder Island verloren die Insulaner in Serie. Noch 1985 setzte es gegen Island eine 0:9-Klatsche. Erst im April 1990 wagten die Färöer einen Versuch – mit Erfolg. Die Nationalelf durfte bei der Qualifikation zur EM 1992 teilnehmen und heimste prompt den Spott der ausländischen Presse ein. Die »Times« bezeichnete die Mannschaft als »Europe’s Joke-Team«.

An jenem 12. September 1990 aber machte Europas Witz-Mannschaft ernst. Österreich war mit Andreas Herzog, Peter Pacult und Toni Polster angereist. Der Mittelstürmer vom FC Sevilla galt damals als einer der besten Spieler in der Primera Division. Bei den Färöern stand Jens Martin Knudsen im Tor, ein Kraftfahrer einer Fischfabrik in Runavík. Er lief mit einer weißen Wollmütze auf, weil er sich in seiner Jugend mal eine Kopfverletzung zugezogen hatte und seine Mutter danach glaubte, Fußball sei ein zu gefährlicher Sport für ihn. Also versprach er ihr, fortan seinen Kopf zu schützen.

 
 
 
 
 
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