Fußball als Hauptscheidungsgrund in Ägypten

Bis dass der Ball uns scheidet

In keinem arabischen Land der Welt lassen sich so viele Ehepaare scheiden wie in Ägypten. Laut einer aktuellen Studie ist der häufigste Grund für die Trennung die fanatische Liebe der Herren zum Fußball. Ein ungleicher Kampf zwischen Ball und Frau. Fußball als Hauptscheidungsgrund in Ägypten

Der Schlusspfiff ertönt, fassungslose Blicke starren zu der Leinwand, an der bis eben noch hoffnungsvolle Augenpaare klebten. Schockstarre, die Hoffnung liegt begraben, unter einem einzigen Pfiff, unter einem Gegentor. Stille, das Unmögliche ist wahr geworden. Der Verein der Herzen hat die alles entscheidende Schlacht verloren.

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Die Welt des Fußballs ist ein eigener Kosmos, eine Parallelwelt, die für nicht eingeweihte eine bizarre Angelegt bleibt. Anfeuern und schreien, jubeln und fluchen, freuen und weinen sind nur einige Verben, die zur Beschreibung der eigenartigen Spezies des Fußballfans nötig sind. Zu jedem Spiel versammeln sich die Anhänger wie Lemminge in dunklen verrauchten Kneipen, präsentieren würdevoll das Trikot ihres Vereins auf ihrer Brust. Bier trinkend lassen sie ihre guten Manieren zu Hause, Fußball ist ein Männersport, das kehren die grölenden Kerle stolz nach außen, abgeschieden von der Außenwelt.

Eine Flucht vor dem tristen Alltag in Ägypten

Das Besondere an dieser eigenartigen Gattung: Es gibt sie überall auf der Welt, die Beschreibung ist universell, nur der Alkohol fehlt mancherorts, ordentlich gepöbelt wird trotzdem. »Wir sind Fußball« vereint die Gattung weltweit, lässt kulturelle Unterschiede verblassen. Aber während in unseren Gefilden Fußball als gesellschaftliche Norm anerkannt ist, regiert in Ägypten der Sport das Leben der Spezies des Fußballfans. Es ist eine Flucht vor dem tristen Alltag, eine Auszeit von dem rüden Leben voll finanzieller Sorgen, ein Ventil gegen die wirtschaftliche Ohnmacht. In der Rolle des Fans können Aggressionen abgebaut werden, sich der Frust von der Seele geschrien werden, eine Tür die im Alltag verschlossen bleibt. Verstanden von der Außenwelt werden sie nicht immer.

In Ägypten hatte der Fan lange nichts zu schreien: Die Revolution zwang ihn zu einer langen Pause, Fußballspiele gab es keine. Aber für wenige Wochen hatten die Männer Ägyptens die Freiheit, gesellschaftliche Frustrationen öffentlich zu zeigen. Fanrivalitäten wurden ausgesetzt, Al-Ahly und Zamalek kämpften Seite an Seite gegen Mubarak und seine Anhänger. Aber am Nil geht es endlich weiter, das Leben des Fans hat wieder einen Sinn, die Struktur der Rivalität ist wieder hergestellt – ganz zum Leidwesen der Ehefrauen.

Lieber zum Heimspiel als in den Urlaub mit der Gattin

Eine Studie der Wissenschaftler Hamdi Abdul Azeem und Mona el-Sayyed Hafez belegt: In Ägypten haben Frauen die Schnauze voll vom fußballbesessen Ehegatten. Sie haben es satt, ihr Leben vom Fußball bestimmen zu lassen. Und die Frauen am Nil haben es auch wirklich nicht einfach: »Die Männer tendieren dazu, den gemeinsamen Urlaub abzusagen, nur um sich Eintrittskarten für ein Spiel leisten zu können«, so Azeem.



Aber die meisten von ihnen können sich nicht einmal einen Stadionbesuch leisten, Schuld ist die hohe Arbeitslosigkeit. Es sei die traurige Realität, das Millionen von Männern keine andere Wahl haben, als zu Hause zu sitzen. Ihre einzige Unterhaltung ist der Sport. Im Unterhemd bekleidet feuert er seine Jungs an. Die angestaute Wut gegen die Lähmung des Alltags entlädt er gegen seine Frau, bei einer Niederlage seines Vereins folgen wüste Beschimpfungen. Für Liebe bleibt da wenig Zeit, das habe die Gattin zu verstehen.

Fußballspiele sind nicht verhandelbare Termine. Es gibt keine Diskussion, keine Ausnahme, Fußball ist eine Religion, die Spiele wie der Pflichtgang in die Kirche oder eben die Moschee. Aus dem liebevollen Mann wird ein angespannter Fan. Erwartungen und Vorfreude auf das Spiel bestimmen den Tag, Sieg oder Niederlage entscheiden über die Laune nach dem Spiel. Die Liebe gleicht einem russischen Roulette, man ist nicht mehr seines Glückes eigener Schmied, entscheiden über das Liebesglück tun andere: 22 Männer und ein Ball.

Der ägyptische Mann lässt sich seinen Fußball nicht nehmen

Die ägyptische Frau will nicht verstehen: Sie zieht in den Kampf gegen den Ball. Eine Ehefrau beklagt: »Mir hat es einfach keinen Spaß gemacht, Spiele anzusehen. Ich wollte seine Mannschaft nicht anfeuern, ihn hierbei nicht unterstützen.« Vier Jahre habe sie gekämpft, aber ohne Erfolg. Der ägyptische Mann lässt sich seinen Fußball nicht nehmen, hat die nörgelnde Gattin satt. Er fühlt sich unverstanden, bedroht in seiner Welt. Beim Fußball kann es keine Kompromisse geben, die Scheidung ist der letzte Ausweg.

Über die steigende Scheidungsrate haben Verantwortliche lange geschwiegen, über die Ursachen auch. Und tatsächlich beweist Azeem: Die meisten der geschiedenen Paare in Ägypten setzen sich aus einem fanatischen Fußballfan und einer verständnislosen Ehefrau zusammen, Fußball als größter Feind der Liebe.

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Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von www.zenithonline.de

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