Fußball

Pro&Contra: Schlimme Trikots?

Wir erinnern unsere Leser gerne: Die Vereinsfarben von Werder Bremen sind tatsächlich Grün-Weiß. Andererseits sind die Farben von Borussia Mönchengladbach Schwarz-Weiß, trotzdem hat sich heute jeder ans Grün gewöhnt. Beschädigt farbliche Kreativität die Klubtradition? Archiv
Heft #50 12 / 2005
Heft: #
50
PRO

Es sind schon ganze Bücher darüber geschrieben worden, warum der Fan seinen Verein liebt, ohne dem Phänomen wirklich nahe gekommen zu sein. Fest steht, dass die Liebe einen Anker braucht. Doch die Fans tun sich in letzter Zeit schwer mit der Suche danach. Da Spieler sich in der Regel nach zwei Jahren wieder verdünnisieren, ist das Tafelsilber des Klubs immer wichtiger geworden: das Wappen, der Name, das Stadion, das Trikot. Doch längst sind auch die Vereinsinsignien Gegenstand eifriger Marketingbemühungen geworden. Als altehrwürdige Stadionnamen durch geistlose Werbenamen ersetzt wurden, wurde den Fans bedeutet, sie sollten sich gefälligst nicht so anstellen. Viele Anhänger akzeptierten das ökonomische Argument zähneknirschend, wohl in der Hoffnung, dass es das war mit den Zumutungen. Weit gefehlt: Neuerdings wird ligaweit wild mit den Trikotfarben herumexperimentiert. Den Anfang machte schon vor Jahren der VfL Bochum, der plötzlich in den Farben des Lottokönigs Faber herumlief. Aus dem Einzelfall ist eine Massenbewegung geworden. Allen voran marschiert Werder Bremen mit dem quietschbunten Orange, das dabei ist, das traditionelle Grün des Trikots zu verdrängen. Die ganze Farbpalette wird auch bei anderen Klubs ausgereizt, völlig wurscht, ob eine Verbindung zu den echten Vereinsfarben besteht. Den Marketingstrategen scheint völlig zu entgehen, dass die Vereinsfarben für Fans eine große Bedeutung haben. Und dass es ihnen durchaus nicht egal ist, ob die Mannschaft in traditionellem Blau oder rätselhaftem Orange antritt. Die Fans sollen sich mal nicht so anstellen, wird es wieder heißen. Es könnte passieren, dass sich Fans irgendwann tatsächlich nicht mehr anstellen, an den Stadionkassen nämlich.
Philipp Köster

CONTRA

Natürlich habe ich ein Lieblingstrikot. Es ist klassisch: rot-schwarz gestreift. Die Spieler von Eintracht Frankfurt, seit 34 Jahren Verein meines Herzens, tragen es, besser gesagt, sie trugen es. Wie anderswo kommt auch in Hessen Saison für Saison ein neues Textil aufs Feld. Das Prêt-à-porter des Ausrüsters wurde diesmal sogar zum teildemokratischen Verfahren, Fans durften aus drei Vorschlägen wählen. Derzeit kickt man in Frankfurt vornehmlich in rot (mit weiß-schwarzem Längsstreifen) oder weiß (mit rot-schwarzem Längsstreifen), aber eben nicht mehr im klassischen Rot-Schwarz. Trotz dieser Abweichung vom eingangs skizzierten Bild mag ich Shirt-Spielereien. Doch es gibt Grundregeln: Farbkompositionen müssen in einer intelligenten Beziehung zur Tradition stehen. Werder Bremen hat einen solchen Wurf geschafft. Die kritisierten orange-grünen Hemden erfreuen das Auge, ohne dass die Herkunft verraten wird. Orange symbolisiert die Erneuerung, grün steht für die Wurzeln. Es ist okay, kreativ mit Farben, Mustern und Schnitten zu arbeiten – das schließt körperbetonte Varianten ausdrücklich ein. Die Betonung liegt aber auf kreativ. Das Bochumer Regenbogen-Outfit von vor einigen Jahren, das Peter Peschel und Co. wie wandelnde Sat-1-Testimonials aussehen ließ, hat die Bedingungen eindeutig verletzt. Sponsor Faber soll prägend für die Farbwahl gewesen sein. Verboten ist, was verboten aussieht, gegen fundamentale Klubaussagen verstößt (etwa königsblaue Auswärts-Sweater für Dortmund) sowie Einmischungen von kommerziellen Partnern. Letzteres wird die Seltenheit bleiben. Kluge Unternehmen dürften wissen, dass die Klubmarke heilig ist – und dazu gehören nun mal Farben.
Oliver Zils


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