30.10.2005

Fußball

Le Mans: Die dunkle Seite

Wenn Le Mans‘ Trainer Frédéric Hantz vor Meisterschaftsspielen die Kabine betritt, wird es finster. Nicht, dass der völlig unerfahrene Trainer so eine Furcht einfl ößende Gestalt wäre. Nein, Hantz schwört auf einen einfachen psychologischen Trick.

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Seine Teambesprechungen finden im Dunkeln statt. Hier werden keine
ketzerischen Zeitungsartikel an die Tür gepappt, hier kreist
auch kein Adler durch die Kabine. „Ich will, dass sich die Spieler
voll und ganz auf das konzentrieren, was ich ihnen vor einer
Partie zu sagen habe“, so der Hobby-Psychologe. Der Erfolg gibt
ihm Recht: Der Aufsteiger ist trotz eines Mini-Etats furios in die
obere Tabellenhälfte durchgestartet. Sitzung im Dunkeln – alles
nur Gewäsch? Nicht unbedingt, sagt Prof. Dr. Falko Reinber,
Spezialist für Motivationspsychologie: „Bei Dunkelheit geht die
kognitive Kapazität vom Sehen auf andere Sinne über. Diese
werden dann intensiver wahrgenommen.“ Und weiter: „Es gibt
keine Ablenkung, die Spieler können beispielsweise nicht herumfeixen.“
Hantz, der in der Methodik radikale Wege geht, hat noch andere
Kniffe auf Lager: Aus einem 30er-Kader wurden schnell 19 Mann, außerdem
gibt es bis zu drei Trainingseinheiten täglich – die erste um sechs Uhr morgens.
Dann entscheiden wir uns doch lieber für das Umlegen des Lichtschalters. Zur noch intensiveren Wahrnehmung könnte man die Spieler bei Besprechungen ja noch fesseln und knebeln.
Wegen der kognitiven Kapazität halt.



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