Fußball

Netzwerk: Export der guten Sache

Ein Eigentor mit tragischen Folgen war der Anstoß für die Entstehung des weltweiten Netzwerks für Straßenfußball, „streetfootballworld“. Andrés Escobar, kolumbianischer Nationalspieler, wurde wegen seines Fauxpax bei der Weltmeisterschaft 1994 auf offener Straße ermordet. Mario Miranda
Heft #50 12 / 2005
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Angeblich hatte das kolumbianische Drogenkartell große Summen auf die Nationalelf gesetzt. Jürgen Griesbeck, damals Gastdozent für Sportsoziologie an der Universität von Medellin, brachte daraufhin unter dem Eindruck der Gewalttat das Straßenfußballprojekt „Fußball für den Frieden“ mit auf den Weg. Nach einem Jahr waren  über 500 Teams beteiligt, mittlerweile ist aus dem lokalen Konzept eine landesweite Initiative geworden. Beeindruckt von dem Erfolg der guten Sache, setzte sich die damalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer nach einer Kolumbienreise für den Export der Idee ein. Ihre Vision war, dass Fußball auch in Deutschland gewaltbereiten und sozial ausgegrenzten Heranwachsenden neue Blickwinkel vermitteln könne. Im Jahr 2000 startete das Projekt „Straßenfußball für Toleranz“ als staatliches Modellprogramm im Land Brandenburg, um ein Gegensignal zu rechtsextremen Bewegungen zu setzen. Ende 2001 sagte  Jürgen Klinsmann, dem Griesbeck per E-Mail von seiner Idee berichtet hatte, als Präsident der Stiftung Jugendfußball zu, die Trägerschaft zu übernehmen. Durch die erfolgreiche Arbeit der „streetfootballworld“ fasste auch das Bundesministerium für Familie Vertrauen in das ambitionierte Projekt und beschloss, das Vorhaben bis nach der Weltmeisterschaft 2006 zu unterstützen. „Wie es danach weitergeht, muss man sehen“, erzählt Jürgen Griesbeck, „aber einige von uns werden sicherlich auch 2010 in Südafrika vor und während der WM tätig sein.“ Im Frühjahr 2002 konnte die „streetfootballworld“  als gemeinnützige GmbH ihre Arbeit in Berlin aufnehmen. Inzwischen sind über 60 weltweite Initiativen angekoppelt. Dabei geht es unter anderem um Fußball und Umweltschutz, Fußball für Toleranz oder Fußball gegen Gewalt. Letztlich haben alle einzelnen Projekte ein gemeinsames Ziel: Junge Menschen sollen vom Fußball für das Leben lernen.


Text: Robert Mucha


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