Fußball

Marcel: Allein unter Schalkern

Die Fußballherzen des Sauerländers schlagen, ganz grob über den Daumen gepeilt, für zwei Vereine: Schalke 04 und Borussia Dortmund. Bei der Familie Jakubassa aus dem kleinen Städtchen Altena ist das nicht anders. Und trotzdem etwas ganz Besonderes. Thorsten Schabelon
Heft #50 12 / 2005
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Die Eltern, Fabian und Bettina Jakubassa, sind – „eigentlich schon immer“ – eingefleischte Schalke-Fans und fleißig im örtlichen Fanklub aktiv. Auch für ihren zwölf Jahre alten Sohn Marcel gibt es nur einen Verein: allerdings den aus Lüdenscheid-Nord, Schwarz-Gelb, Borussia Dortmund eben. Eine verquere, verwandschaftliche Konstellation, Nachbarn fragen sich bang: Wie konnte es zu der familiären Dissonanz kommen? Schuld sind die üblichen Verdächtigen: Schule und Fernsehen. „In der ersten Klasse waren alle BVB-Fans. Ich habe Dortmund dann im Fernsehen gesehen. Und ich fand es gut“, erinnert sich Marcel an seine Vereinsfindung. Kann und will man da als Schalke-Fan nicht auf sein einziges Kind erzieherisch und „Pro Herne-Ost“ einwirken? „Nein, ist schon in Ordnung“, sagt Papa Fabian Jakubassa gelassen und erzählt von den Bemühungen. „Wir haben versucht, ihn umzupolen: Er war ein paar Mal mit auf Schalke, aber er bleibt beim BVB. Vielleicht klappt es ja, wenn die absteigen.“ Zum Glück für Marcel gibt es Tante Manuela. „Die hat mich schon ein paar Mal mit ins Westfalenstadion genommen. Und das war toll“, sagt der 12-Jährige. In Altena ist man eben tolerant, in jede Richtung: Als der Schalke-Fanklub seinen 20. Geburtstag feierte, waren die Jakubassas natürlich dabei. In Familienstärke. Blau-weiße Luftballons, blau-weiße Transparente, blau-weiße Trikots, wohin man blickte. Und dann der Schnappschuss für die Lokalzeitung. Auf dem ist Marcel der verschmitzt lächelnde, schwarz-gelbe Farbtupfer im satten Blau-Weiß. „Ich wollte ja gar nicht, aber Mama hat mich aufs Foto geholt“, erklärt das Kuckucksei. „Geschimpft hat keiner.“ Nur ein wenig gelacht. Und zwar einen Tag später. „Als meine Arbeitskollegen das Foto in der Westfälischen Rundschau gesehen haben, wurde schon ein wenig gelästert“, sagt Fabian Jakubassa.


Text: Thorsten Schabelon

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