10.11.2005

Fußball

Matthäus: Unsportlicher als unsportlich

Lothar Matthäus trainiert eigentlich Ungarns Nationalelf, sprang aber als Aushilfscoach bei RTL 2 in die Bresche. Wir sprachen mit ihm über sein Engagement.

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11 Freunde: Hallo, Herr Matthäus…
Lothar Matthäus: Schießen Sie los, ich hab’ nicht so viel Zeit.
11 Freunde: Also Herr Matthäus, was stand heute bei Borussia Banana auf dem Trainingsplan?
Matthäus: Gar nichts. Die Jungs packen gerade ihre Sachen zusammen. Jetzt geht’s nach Hamburg zu unserem Abschlussspiel gegen die Ex-Profis vom FC St. Pauli.
11 Freunde: War es schlimmer als erwartet bei Borussia Banana?
Matthäus: Viel schlimmer. Am Anfang dachte ich, so etwas gibt es nicht. Die leben in Deutschland und haben von Fußball absolut keine Ahnung. Die meisten wussten nicht einmal, was die Linien auf dem Platz zu bedeuten haben oder wofür der Elfmeterpunkt da ist. Fußball läuft doch permanent im Fernsehen, da muss doch bei jedem was hängen bleiben – wenigstens ein bisschen. Zudem waren einige unsportlicher als unsportlich.
11 Freunde: Bisweilen haben Sie vor laufender Kamera Ihre Schützlinge recht hart angepackt.
Matthäus: Es regt mich wirklich tierisch auf, wenn ich jemandem etwas erkläre und er nicht zuhört. Ich habe den Jungs von Anfang an gesagt, dass das kein Kindergarten hier ist. Ich musste ihnen beibringen, dass im Fußball geflucht und geschimpft wird.
11 Freunde: Der Job bei Borussia Banana war für Sie eine neue Erfahrung…
Matthäus: …na ja, das mit dem nicht zuhören können, kenne ich auch von vielen Profis. Zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Wie gesagt, so etwas macht mich wahnsinnig.
11 Freunde: Gab es Situationen, wo Sie gedacht haben, ich kann nicht mehr?
Matthäus: Viele. So viele, dass mein Handy-Akku leer wäre, bevor ich Ihnen alles erzählt hätte. Das tut richtig weh, wenn du einem bei einer Schussübung den Ball zuspielst und der die Kugel nicht mal trifft.
11 Freunde: Jürgen Klinsmann wurde vorgeworfen, dass er als Nationaltrainer nicht in Deutschland lebt. Jetzt fragen sich viele Menschen hierzulande – vielleicht auch Klinsi im fernen Kalifornien – wie ein ungarischer Nationaltrainer zehn Wochen lang an einer Fernsehproduktion in Deutschland mitarbeiten kann.
Matthäus: Ich war schon immer jede Woche zwei oder drei Tage in Deutschland, wenn keine Ligaspiele in Ungarn sind. Das war bei der Produktion der Serie nicht anders. Die meiste Zeit war ich trotzdem in Ungarn. Die Serie habe ich in meiner Freizeit gedreht, die ich sonst mit meinen Freunden verbringe. Da kann mir niemand etwas nachsagen.
11 Freunde: Eigentlich muss man sogar von einer Dreifachbelastung sprechen. Sie haben ja gleichzeitig auch noch mit PAOK Saloniki verhandelt. Warum gaben Sie den Griechen einen Korb?
Matthäus: Weil einige Dinge nicht so waren, wie ich es mir vorgestellt habe, hieß die Entscheidung: nein.
11 Freunde: Wie sieht Ihre weitere Zukunftsplanung aus?
Matthäus: Mein Vertrag beim ungarischen Fußballverband läuft noch bis 31. Dezember. Was danach kommt, wird die Zukunft zeigen. Und jetzt müssen wir leider Schluss machen. Ich warte auf einen dringenden Anruf.

Interview: Roland Wiedemann

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