Fußball

25 Dinge über Roman Abramowitsch

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Heft #49 11 / 2005
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1. Der FC Chelsea war nicht die erste Sportmannschaft, die Roman Abramowitsch kaufte. 1993 wurde der schon damals schwerreiche Magnat Besitzer einer einigermaßen desolaten Eishockey-Mannschaft, der „Omsker Avantgarde“. Abramowitsch hübschte die Truppe mit Millionentransfers auf, seither spielt die Mannschaft um die russische Meisterschaft mit.


2. Warum suchte sich Abramowitsch ausgerechnet den halb bankrotten FC Chelsea aus? Reiner Zufall, besagt die Legende. Und die geht so: Auf dem Rückflug von Manchester, wo sich der Russe über die Preise bei United informiert hatte, überflog der Hubschrauber ein Stadion. Abramowitsch linste neugierig aus dem Fenster und fragte: „Wessen Stadion ist das?“ Die Antwort lautete, welch glückliche Fügung: „Chelsea“.


3. Laut Abramowitsch geht die Geschichte ganz anders: „Nach einem 4:3 von Real Madrid gegen Manchester United dachte ich mir: Du musst unbedingt einen Fußball-Klub kaufen. Ich ließ zehn englische Vereine analysieren. Chelsea schien mir die beste Wahl.“


4. Die Chelsea-Anhänger begegneten ihrem neuen Präsidenten mit einer Mischung aus Anerkennung und beißendem Spott. Zur Titelmelodie der BBC-Serie „Only Fools and Horses“ sangen sie ihren Reim auf Abramowitsch: „Er hat Veron in der Tasche, wir haben Johnson von West Ham, wenn ihr die Besten wollt, dann stellt keine Fragen. Denn Roman ist unser Mann, wo es herkommt, ist ein Rätsel. Sind es Waffen? Oder Drogen? Ist es Öl aus dem Meer?“




5. Gerne singen die Fans des „Chelski FC“ vor jedem Anpfiff auch den russischen Klassiker „Kalinka“ und skandieren: „We are fucking loaded“, stubenrein übersetzt: „Wir haben sehr viel Geld.“ Ein Sprecher des Präsidenten versicherte eilfertig und politisch korrekt nach dem ersten Spieltag 2003: „Roman hat sich über den Empfang gefreut, den ihm die Fans des FC Chelsea bereitet haben.“ Die halbe Wahrheit nur, zumindest der Spitzname „Chelski“ missfiel ihm. Einleuchtende Begründung: „-ski“ sei eine polnische Endung, korrekt und russisch müsste es „Chelskov“ heißen.


6. Seine Bürowände dekoriert Abramowitsch mit falschen Buchrücken.


7. Um eine rasche Abreise Abramowitschs nach Heimspielen des FC Chelsea ohne lästigen Stau zu garantieren, ist der Bau eines Hubschrauberlandeplatzes auf dem Dach des Chelsea Village Hotels neben dem Stadion geplant. Überhaupt gestaltet sich die Anreise der Abramowitsch-Familie bisweilen komplex. Oft kommen nicht nur Hubschrauber, sondern auch der hauseigene Learjet zum Einsatz.


8. Das Startkapital für den Einstieg ins Ölgeschäft soll sich Abramowitsch verschafft haben, als er 1992 einen Zug mit 55 Waggons Diesel umleiten ließ. Doch die Beweise für den Raub verschwanden auf ebenso mysteriöse Weise, und Abramowitsch wurde freigesprochen.


9. Englische Vorstandslogen sind Orte des gedämpften Temperaments. Kein Gebrülle, keine Anfeuerung, schließlich sitzt die Präsidentschaft des Kontrahenten nebenan. Einmal hielt sich Abramowitsch nicht an diese ungeschriebene Regel der Mäßigung, beim Spiel Chelsea gegen Besiktas sprang der Russe in einer heiklen Szene auf, was die umsitzenden Türken arg in Rage brachte. Einer machte eine eindeutige Handbewegung entlang seines Halses. Die nervösen Leibwächter drängten den Präsidenten zum vorzeitigen Aufbruch.


10. Roman Abramowitschs Entourage hat bisweilen noch Schwierigkeiten mit dem basisnahen Umgangston im Stadion. Nach einem nicht geahndeten Foul an einem Chelsea-Spieler sprang ein ehemaliger Schüler der Eliteschmiede Eton auf und rief keine szenetypische Beleidigung, sondern den wohlerzogenen Satz: „Schiedsrichter, ich muss doch sehr bitten.“ Die umsitzenden Normalzuschauer quittierten die Etikette mit Gelächter.


11. Abramowitsch vertraut bei seinen Shoppingtouren nicht nur auf die Expertisen russischer Sportjournalisten, sondern auch auf den kundigen Nachwuchs. Der Mäzen erzählt gern, ein zehnjähriger Junge habe ihm einen Brief mit den Namen von fünf Spielern geschickt. Drei von ihnen stehen jetzt bei Chelsea unter Vertrag.


12. Seine 90-Millionen-Euro-Jacht „Le Grand Bleu“ ist nach Medienberichten mit Spezialsensoren ausgerüstet, die auf weite Entfernung vor Kameras warnen.


13. Seine ersten Rubel verdiente Roman Abramowitsch in Moskau – mit 15 öffentlichen Toilettenhäuschen und dem Verkauf von Gummi-Enten.



14. Die Verhandlungen zwischen Abramowitsch und dem Chelsea-Vorstand im Juni 2003 wurden rasch abgewickelt. Als das Geschäft schließlich so gut wie abgemacht schien, beschlossen die Vorständler und der russische Investor, ein gemeinsames Essen zu sich zu nehmen. Als die Verhandlungspartner im Restaurant auftauchten, musste sich Vorstand Trevor Birch Spott gefallen lassen, Abramowitschs Angebot zur Übernahme sei nur ein Trick gewesen, um einen kostenlosen Lunch zu schnorren. Heute ist dieser Verdacht ausgeräumt, zumindest weitgehend.


15. Große Verärgerung auf der Superjacht „Pelorus“ in exotischen Gewässern. Vor dem Pokalspiel von ZSKA Moskau streikte plötzlich die Satellitenanlage, keine Übertragung möglich. Abramowitsch sprang in den Hubschrauber, setzte über aufs Festland und sah dort das Spiel in beinahe kompletter Länge im Fernsehen.
16. Abramowitsch bleibt nichts erspart: Ein Musikproduzent aus London will aus der Story des Russen ein Musical machen. Und damit nicht genug: Elton John soll sich um die Musik kümmern.



17. Noch mal „Pelorus“: Not amused war Abramowitsch, als die Jacht kürzlich statt mit Diesel versehentlich mit Benzin betankt wurde. Kostenpunkt: 100?000 Euro für das Benzin sowie eine weitere sechsstellige Summe für die Motorreinigung.


18. In Moskau wurde nach Abramowitschs Vereinskauf eine russische Spielart des Chelsea Supporters Club gegründet. Man trifft sich im „Meteliza“, einem neureichen Etablissement, das auf Metalldetektoren zur Sicherheit seiner Gäste nicht verzichten möchte. Die Leidenschaft der Zuschauer hält sich jedoch in Grenzen

19. Der Tag vor der Bekanntmachung der Übernahme Chelseas war ein aufregender Tag für die Aktie des Klubs. Statt wie üblich ein paar zehntausend Aktien, wurden rund 270?000 Aktien gehandelt. Da Abramowitsch einen Kaufpreis von 35 Pence zugesagt hatte, die Aktie aber noch unter 20 Pence dümpelte, machten zahlreiche Großkunden ein gutes Vorabgeschäft.


20. Als die BBC nach dem Kauf des Klubs einen Anhänger unweit der Stamford Bridge zur Personalie Abramowitsch befragte, mutmaßte der, es handele sich wohl um einen neuen Mittelfeldspieler.


21. Abramowitschs erstes Opfer bei Chelsea war nicht Coach Ranieri, sondern Vorstand Birch. Sein Fehler: Die Ankündigung des russischen Mäzens, Chelsea zu einem globalen Markenartikel zu machen, kommentierte Birch sarkastisch und trocken: „Das dauert 40 Jahre.“ Er wurde prompt entlassen.


22. Die englische Tageszeitung „Guardian“ prophezeite zum Jahreswechsel 2004 schon einmal, wie es mit Chelsea und seinem neuen Herrscher weitergehen wird: „Chelsea gewinnt Liga und Champions League, wird eine autonome Republik, führt eine eigene Währung ein, erklärt Albanien den Krieg und wird Europameister 2004!“ So gesehen hat Abramowitsch noch eine Menge zu tun.

23. Seine Leibwächter nennen ihn den „Prinzipal“.


24. Kylie Minogue unterbrach für Roman Abramowitsch ihren Weihnachtsurlaub, um für stattliche 900 000 Dollar den versammelten russischen Öl-Multis ein Potpourri ihrer größten Hits vorzuträllern.


25. Ob Arkadi, der Sohn Abramowitschs, denn auch selbst gelegentlich gegen den Ball trete, wurde er von seinem Chauffeur gefragt. Die Antwort des Sohnes: „Nein, aber mein Vater kauft mir zum 18. Geburtstag Manchester United.“


Quellen: Guardian, Daily Telegraph, The Sunday Times, The Times, When saturday comes, Fourfourtwo, The Observer, chelseafc.com. Vor allem aber das hervorragende, spannend geschriebene Buch: „Der Milliardär aus dem Nichts - Roman Abramowitsch“ von Dominic Midgley und Chris Hutchins, erschienen 2005 im Murmann-Verlag.

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