Fußball

Lehrgang: Von Frau zu Frau

Die in den letzten Jahren massiv vorangeschrittene Fußball-Emanzipation der Frauen hat es offenbar nicht bis Nürnberg geschafft. Die Pionierarbeit von Carmen Thomas, Christine Reinhardt, Sabine Töpperwien oder Monika Lierhaus scheint vergebens gewesen zu sein. Imago
Heft #49 11 / 2005
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Anders ist ein Fußball-Nachhilfekurs, den das Bildungszentrum Nürnberg anbietet, kaum zu erklären. Allein der Seminartitel „Fußball verstehen – Frauen wollen es jetzt wissen“ liest sich, als wären die 60er Jahre zurückgekehrt. Doch statt Oswalt Kolle klärt nun Vittoria Coppolecchia, 28, das angeblich ahnungslose Frauenvolk auf. Die ehemalige Bundesligaspielerin und heutige Trainerin der Damen des 1. FC Nürnberg kümmert sich aber nicht um das Thema „Dein Mann, das unbekannte Wesen“, sie will vielmehr das wichtigste Spiel der Welt erklären. Coppolecchia wählt mächtige Formulierungen, wenn sie von der Bedeutung des Fußballs spricht. Er biete „eine Verbindungsmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Menschen und Rassen“ und könne „Grenzen überschreiten“. Eine letzte allerdings ziehe das Spiel noch immer, nämlich die zwischen Mann und Frau – und die gelte es einzureißen. Dr. Wolfgang Eckert, Chef des Bildungszentrums, sieht das Seminar im Hinblick auf die Weltmeisterschaft genau richtig platziert: „Wir wollen Frauen die Chance geben, die Fachausdrücke zu lernen, damit sie im nächsten Sommer mitreden können.“ Begriffe wie Einwurf oder Abseits sollen den Teilnehmerinnen vornehmlich visuell erklärt werden. Auch die Kursleiterin sieht Bedarf, „weil ich viele grundsätzlich fußballinteressierte Mädels kenne, die aber oft überhaupt keine Ahnung haben“. Das hätte Otto Rehhagel nicht besser sagen können. Vittoria Coppolecchia glaubt, dass die Hemmschwelle geringer ist, wenn der 27 Euro teure Kurs „von Frau zu Frau“ abläuft. Fürs Geld gibt es zum Ende der Veranstaltung noch den Praxistest. Bei einem Heimspiel des Clubs nähern sich die Schülerinnen vorsichtig dem unbekannten Objekt, um den didaktischen Erfolg auszuloten. Fortgeschrittenenkurse wie „100 Arten, ein Bier aufzumachen“, wird es laut Coppolecchia aber nicht geben.

Text: Michael Lessenich

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